Missglückte Diskussion im Amberger Hauptausschuss
Autos stören Trauerarbeit

Symbolbild: dpa
Politik
Amberg in der Oberpfalz
06.03.2016
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2010 schon einmal diskutiert, hatte die SPD nach einem Ortstermin erneut einen Vorstoß zur Befahrbarkeit des Waldfriedhofs unternommen. An den Argumenten hat sich nichts geändert. Auch das Dilemma bleibt das gleiche.

Gut bekommen sollte es Sozialreferent Dr. Harald Knerer-Brütting nicht, als er am Donnerstag vor dem Hauptausschuss ausführlich darlegte, weshalb selbst sein Haus diese Pläne ablehnt. Wohl wissend, dass man etlichen alten Menschen einen sehnlichen Wunsch abschlage. Das ist aber hauptsächlich in der Topographie dieses Friedhofs bei Raigering - in einer ausgeprägten Hanglage - begründet.

Das schaffe die Probleme für alte Menschen speziell bei Gehbehinderungen, aber zugleich ebenso für vereinzelten Pkw-Verkehr, sollte er zugelassen werden. Die gesamte Anlage ist baulich dafür nicht geeignet, beziehungsweise ausgelegt, führte Knerer-Brütting ein Gefälle von bis zu elf Prozent, das zu schmale Wegenetz und fehlende Auto-Stellflächen innerhalb des Friedhofs als Gründe an. In der Summe erfordere das einen hohen Bauaufwand, sollte eine öffentliche oder teilöffentliche Befahrbarkeit hergestellt werden. Unter den gegebenen Umständen könne aus haftungsrechtlichen Gründen dieser Antrag aus der Sicht der Verwaltung jedenfalls nicht befürwortet werden, sagte Knerer-Brütting.

Helferdienst existiert


Argumentative Schützenhilfe erhielt er von der CSU, die 2010 einen ähnlichen Versuch unternommen hatte. Seither, so Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann, sei das dortige Personal während der üblichen Dienstzeiten angehalten, einen Fahr- und Helferdienst (Beförderung von nötigen Utensilien zur Grabpflege) zu gewährleisten. Auch Stadtratsälteste Emilie Leithäuser (FDP), selbst nicht mehr allzu gut zu Fuß, sprach sich eindeutig gegen eine Befahrbarkeit des Friedhofs aus. Selbst nur vereinzelter Pkw-Verkehr sei an so einem Ort, der der Trauer, Andacht, Stille und dem Gedenken vorbehalten bleiben müsse, nicht angebracht, argumentierte sie. Parken gleich neben einem Grab, das kann und möchte sich Leithäuser nicht vorstellen. Sie erhielt breite Zustimmung.

Außer von Birgit Fruth, der Vorsitzenden der SPD-Fraktion. Ihr Antrag sei das Ergebnis einer Ortsbesichtigung zusammen mit Fraktionskollegen. "Da waren Leute dort, die haben geweint, weil sie nicht mehr an ihre Gräber kommen", erboste sie sich über die ablehnende Haltung der Verwaltung und warf Knerer-Brütting vor, lediglich die altbekannte Position von 2010 erneut aufgetischt zu haben. Eine fachliche Stellungnahme des Baureferats fehle, monierte Fruth und fragte: "Wo bleibt die menschliche Sicht?"

Fruth attackiert


Im Ergebnis müsse sie deshalb feststellen, dass der Sozialreferent das erst kürzlich verabschiedete "seniorenpolitische Gesamtkonzept mit Füßen" trete, attestierte die SPD-Spitzenfrau Knerer-Brütting schlichtweg eine "Themaverfehlung". Das war dann doch etwas zu starker Tobak, und der Sozialreferent verwies Fruth unmissverständlich in verbale Schranken: "Ich lasse mir nicht unterstellen, dass ich die Belange der Bürger nicht vertreten und schon gar nicht mit Füßen treten würde", konterte Knerer-Brütting, und die SPD stand plötzlich ganz alleine da. Gegen die zwei Stimmen ihrer Fraktion wurde der Antrag abgelehnt.
Da waren Leute dort, die haben geweint, weil sie nicht mehr an ihre Gräber kommen.Birgit Fruth
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