Mittelschule Ammersricht erhält Schulprofil Inklusion
Letztlich profitieren die Kinder

Mit dem neuen Inklusionsprofil bekommt Rektor Stephan Tischer mehr Lehrerstunden, die er auf die Klassen verteilen kann. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
12.09.2016
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Bisher hatte im Bereich des Schulamts Amberg-Sulzbach nur die Ursensollener Schule das Profil Inklusion, also die besondere Ausrichtung auf sonderpädagogischen Förderbedarf. Mit dem neuen Schuljahr kommt die Mittelschule Ammersricht dazu. Der stehen jetzt einige Änderungen bevor.

Einzelheiten verrät im AZ-Interview Rektor Stephan Tischer.

Herr Tischer, warum ist die Mittelschule Ammersricht für diese Ausrichtung ausgewählt worden?

Stephan Tischer: Das hat mehrere Gründe. Zum einen befassen wir uns schon seit zwei bis drei Jahren intensiv mit dem Thema; zum anderen legt das Gesamtkonzept für die Mittelschulen in Amberg die Schwerpunkte fest: den gebundenen Ganztag an der Dreifaltigkeits-Mittelschule, den M-Zug an der Luitpoldschule. Bei uns sind dies die Berufsorientierungsklasse, die Praxisklasse und das Profil Inklusion.

Wann haben Sie den Antrag dafür gestellt?

Die erste Bewerbung lief im Schuljahr 2014/15, die kam aber nicht zum Zug. Für das neue Schuljahr mussten wir den Antrag dann in den Pfingstferien stellen.

Und wann wurde er bewilligt?

Zum 1. August. Das Schreiben von Minister Spaenle trägt das Datum 28. Juli.

Was ändert sich denn konkret durch das Schulprofil Inklusion?

Was die Schülerschaft angeht, nicht viel. Wir haben bereits viele Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, so erfüllten wir auch die Voraussetzungen für eine Antragstellung. Wir profitieren aber durch das Profil bei unserer personellen Ausstattung, die nun unseren Kindern und Jugendlichen zugute kommt. Wir bekommen mindestens 10 weitere Lehrerstunden im Mittelschulbereich dazu und 13 Stunden aus dem Förderschulbereich. Das sind günstigerweise die selben Personen, mit denen wir schon im Rahmen des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes zusammengearbeitet haben. Diese decken außerdem durch ihre Qualifikationen verschiedene Förderschwerpunkte ab.

Gibt es inhaltliche Änderungen?

Die Schwerpunkte bleiben im Wesentlichen. Auf der einen Seite der Förderbereich Lernen, also Lernprobleme, auf der anderen die soziale und emotionale Entwicklung, also Verhaltensauffälligkeiten.

Sieht dann der Unterricht anders aus?

Ja, weil wir mehr Lehrkräfte auf die vorhandene Zeit konzentrieren können. So sind dann Team-Teaching möglich, mehr Differenzierung, mehr Kooperation, also ein stark individualisiertes Lernen und Fördern. Wir sind dadurch auch stärker in der Lage, dass wir gerade für die Schüler mit dem Förderschwerpunkt soziale/emotionale Entwicklung klare Strukturen und Regeln konsequenter umsetzen können. Darüber hinaus wollen wir weitere pädagogische Ansätze erproben, regelmäßig reflektieren und eine professionelle Konzeptentwicklung betreiben.

In Ursensollen gibt es ja schon eine Schule mit dem Inklusionsprofil.

Ja, mit den Kollegen stehen wir in regelmäßigem Kontakt. Darüber hinaus tauschen wir uns im Rahmen von Fortbildungen und Projekten aus. Es liefen bereits mehrere Kooperationsprojekte mit dem Sonderpädagogischen Förderzentrum Willmannschule. Diese wird es auch weiterhin geben.

Sind hier in Ammersricht bauliche Veränderungen nötig?

Ja, die Schule wird barrierefrei gemacht, das ist ein Beitrag der Stadt dazu. Spätestens 2018 sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein.

Was geschieht da genau?

Um die einzelnen Stockwerke barrierefrei zu erschließen, bekommen wir einen Aufzug mit Zugang vom Pausenhof aus. Außerdem mehrere Rampen, um sonstige Hindernisse zu überwinden. Auch die Turnhalle bekommt von außen einen Zugang über eine Rampe. Und schließlich werden die Toiletten behindertengerecht umgestaltet.

Bedeutet das neue Profil auch, dass zum Beginn des neuen Schuljahres jetzt neue Schüler kommen?

Diesen Schülerwechsel haben wir bereits durch die Profilbildung an den Amberger Mittelschulen. Sicher wird der eine oder andere Schüler im Laufe des Schuljahres bei uns vorstellig werden. Im Einzelfall müssen wir dann prüfen, ob unsere Schule der geeignete Förderort für ihn sein kann. Uns sind natürlich auch Grenzen gesetzt.

Was wären denn die Alternativen für die Kinder, die bei Ihnen nicht am besten aufgehoben sind?

Es gibt Schulen mit anderen Profilen, die für das jeweilige Kind eventuell dann besser geeignet sind, zum Beispiel gebundener Ganztag, Sonderpädagogische Förderzentren.

Erzeugt der Begriff Inklusion bei manchen Eltern auch Angst, weil man ihn landläufig ja oft mit Behinderungen in Zusammenhang bringt?

Bei einzelnen Eltern erzeugt die Inklusion vielleicht Unsicherheit, aber nicht im großen Stil. Der Inklusionsbegriff ist sehr weit gefasst. Wir sind jedenfalls sicher, dass wir etwaige Unsicherheiten durch offene Information und eine gute Umsetzung des Konzepts beseitigen.
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