Öko-Modellregion soll mehr Schwung bekommen
Grüne hungrig auf mehr Projekte

Landtagsabgeordnete Gisela Sengl berichtete am Dienstag im Bio-Organic56 in der Georgenstraße von ihren Erfahrungen mit Öko-Modellregionen. Bild: Huber

Die Öko-Modellregion braucht noch mehr Impulse. Das fanden die Grünen und luden ihre agrarpolitische Sprecherin zu einem Vortrag ein. Gisela Sengl gab wertvolle Tipps.

Was passiert denn da?, fragten sich möglicherweise Passanten am Dienstagabend. In dem vegan ausgerichteten Ladenlokal Bio-Organic56 in der Georgenstraße brannte spät Abends noch Licht. Wer deshalb an den großen Schaufenstern nicht achtlos vorüberging, sah eine konzentriert zuhörende Runde von etwa 15 Leuten.

Vor ihnen sprach auf Einladung der beiden Grünen-Kreisverbände der Stadt und des Landkreises die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl. Seit Ende 2015 trägt die Region den Titel einer staatlich anerkannten Öko-Modellregion. An diesem Projekt wollen sich die Grünen laut Ambergs Vorsitzendem Hans-Jürgen Bumes nach Kräften beteiligen. Sengl kann diesbezüglich nicht nur aus einem Nähkästchen plaudern. Als agrarpolitische Sprecherin ihrer Landtagsfraktion hat sie alle fünf älteren Modellregionen bereist.

Diese Form der Projektarbeit, so Bumes, könne einen umfassenden und breiten Beitrag zu nachhaltigem Umweltschutz leisten, unterstrich er. Deshalb liege den hiesigen Grünen daran, die Erfahrungen der Traunsteinerin auch für Projekte in Amberg und dem Landkreis zu nutzen. Sengl sieht per se die Anerkennung als Öko-Modellregionen als einen ersten wichtigen Erfolg, um die Ernährung und Nahrungsmittel stärker ins Alltagsbewusstsein zu rufen.

Regional sehr different


Für Agrarminister Helmut Brunner von der CSU hatte die Grüne sogar - aus ihrer Sicht - anerkennende Worte übrig. "Sein größter Feind sind die eigene Partei und der Bauernverband", stichelte Sengl. Die Traunsteinerin berichtete, dass ihre bisherigen Modellregion-Erfahrungen gezeigt hätten, dass es eine zentrale Herausforderung sei, Bürgermeister zur Mittelvergabe mit ins Boot zu holen. Hier gebe es regional große Unterschiede. Etablierte Unternehmen ließen sich eher selten einbinden, während bei vielen Landwirten eine weitgehende Offenheit herrsche. Oft hätten sie aber wenig Bezug zu den durch die konventionelle Produktion verursachten Umweltschäden.

Wenn Bauern aber gerade überlegen würden, eventuell die Vermarktung und Verarbeitung ihrer Lebensmittel wieder selbst zu übernehmen, da sei man an der richtigen Adresse. Außerdem stehe außer Zweifel, dass sich regionale Produkte schnell zu Verkaufsschlagern entwickeln könnten. Aber: "Das Bewusstsein für diese Produkte ist erst am Wachsen." Die bisherigen Ökomodellregionen, so die Abgeordnete, hätten schon einige erfolgreiche Projekte hervorgebracht: Im Steinwald etwa sei das Rote Höhenvieh als Bio-Rinderrasse etabliert worden, das Bio-Mohnöl von dort habe bereits einen Innovationspreis bekommen.

Laufzeit definieren


Auch im Tourismus sieht Sengl enorme Potenziale, es fehle in Bayern an Bio-Hotels. Deshalb: "Die Leute gehen jetzt einfach nach Österreich." Das bisher größte Manko an dieser Projektarbeit sieht die Grüne darin, dass die jeweilige Laufzeit nicht klar festgelegt sei und es deshalb Planungsunsicherheiten gebe.
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