Panzerbrigade 12 leistet Flüchtlingshilfe
Atempause im Flüchtlingslager

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer (Mitte), lässt sich von den beiden Soldaten die Abläufe beim Registrieren der Flüchtlinge erklären. Die beiden sind wie Hunderte andere auch an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgestellt. Bild: paa
Politik
Amberg in der Oberpfalz
01.12.2015
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Feldkirchen: Wartezentrum Feldkirchen | Von Alexander Pausch

Über Monate wurden von den Soldaten der Panzerbrigade 12 Tausende Flüchtlinge in der Wartezone Feldkirchen bei Straubing versorgt. Doch an diesem Montag kommen den dritten Tag in Folge keine Flüchtlinge, sondern Besucher.

Als Hans-Peter Bartels zuletzt die Gäubodenkaserne besuchte, war er Vorsitzender des Verteidigungsausschusses. Sein Besuch galt dem Sanitätsdienst. Heute ist der 54-Jährige Wehrbeauftragter des Bundestages. Sein Thema an diesem Montag ist die Flüchtlingshilfe durch die Bundeswehr. Auf der Wiese in der Kaserne bei Straubing, auf der Bartels im März eine Übung beobachtete, ist seit Ende September der Wartebereich Feldkirchen entstanden. Von der ersten Stunde als Helfer mit dabei: Soldaten der Verbände der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Amberg. Die Männer und Frauen aus Amberg, Pfreimd, Oberviechtach, Bogen, Roding und Regen halfen beim Aufbau der Zelte, dem Aufstellen der Container. Seither haben die Soldaten zusammen mit Rotem Kreuz, Technischem Hilfswerk und vielen ehrenamtlichen Helfern Tausende Flüchtlinge aufgenommen, im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) registriert, versorgt und weitergeleitet.

Auch 2016 eingeplant

Davon erzählen die Soldaten dem Wehrbeauftragten, so wie zuvor dem Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer. Er besucht am Vormittag die Soldaten im Wartezentrum. Vollmer lässt sich die Abläufe erklären, fragt mehrfach nach. Er will wissen, wie die Männer und Frauen zurechtkommen und ob es Probleme gibt. Zugleich signalisiert er, dass die Flüchtlingshilfe "sicherlich auch im Jahr 2016 erforderlich sein wird". Damit sich jeder darauf einstellen könne, erklärt er später.

Die Belastung bleibt hoch. Denn die mehrmonatigen Einsätze im Baltikum und Polen zur Rückenstärkung der Nato-Verbündeten laufen ebenso weiter wie die Auslandseinsätze in Afghanistan, dem Kosovo, im Nordirak und Mali sowie künftig gegen die Terrormiliz IS. Bartels spricht später davon, dass die Bundeswehr so gefordert sei wie zur Zeit des Kosovokrieges - damals war die Bundeswehr aber deutlich größer.

In den Gesprächen zeigen sich die Soldaten motiviert, etliche haben sich freiwillig gemeldet. Einer, der seit drei Monaten in Feldkirchen arbeitet, erzählt aber auch, dass viele mit der Zeit das Erlebte nicht mehr so nah an sich heranlassen würden: "Man stumpft ab. Nur die Kinder - das geht einem als Familienvater schon nahe." Die Männer und Frauen leisten meist acht Tage Dienst, in Zwölf-Stunden-Schichten. Dann haben die Soldaten eine Woche frei, ehe es wieder nach Feldkirchen geht.

Umbau des Lagers

Im Privaten sagen die Soldaten, dass ihnen das unregelmäßige Flüchtlingsaufkommen zusetzt. Einmal sind es Dutzende Busse, dann tröpfle es wieder. Und seit Freitag kommt niemand mehr. Warum? Es kommen weniger über die Grenze, und die Verteilung nach dem Königssteiner Schlüssel an andere Bundesländer funktioniere besser. Schließlich soll Feldkirchen nur ein Puffer sein. Die "Atempause", wie Sigurd Ilek, der Verantwortliche des Bamf, das Ausbleiben der Flüchtlinge nennt, ist willkommen. Die Soldaten konnten am Wochenende nach Hause. Zudem wird das Lager inzwischen zum dritten Mal neu aufgebaut. Die im Herbst eilig aufgestellten Zelte sind nicht wintertauglich, ebenso wie die beheizbaren Messehallen, die zwischenzeitlich aufgebaut wurden. Sie würden den Schneelasten nicht standhalten. Statt dessen stellt die Bundeswehr beheizbare Typ-2-Zelte vom Deutschen Roten Kreuz auf.

Bis Ende des Jahres soll es Platz für rund 1870 Flüchtlinge geben. Derzeit reicht es nur für 400 in zwei Turnhallen der Kaserne. Künftig soll auch die Halle 36 genutzt werden - dort hätten 600 bis 900 Platz. Bis Anfang 2016 soll Feldkirchen 5000 Flüchtlinge aufnehmen können. Das Deutsche Rote Kreuz ist der Betreiber des Wartezentrums. Leiter Georg Nothelle sagt, er habe nie gedacht, dass er in Deutschland ein Flüchtlingslager leiten werde - das gilt auch für viele Soldaten, die solche Einrichtungen aus dem Auslandseinsatz kennen.
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