Pflege-Truck in Amberg rückt die Bedeutung der Pflege ins Bewusstsein
Die Liebe in der Pflege

Mehr Geld, mehr Zeit, mehr Personal: In der Pflege gibt"s viel Handlungsbedarf. Am Freitag und Samstag steht ein Truck auf dem Marktplatz, der das Thema aufgreift. Archivbild: dpa

Ans Bett gefesselt, ohne Würde, Selbstbestimmung dahinsiechend, die Existenz eine Beklemmung: Die Angst vor der Pflegebedürftigkeit treibt jeden um. Inklusive derer, die in der Branche arbeiten. Aber Fürsorge kann Spaß machen - über konfessionelle und verbandliche Grenzen hinweg. Dieser Aussage soll ein Pflege-Truck Gewicht verleihen.

Das 5000 Kilo schwere Mobil hat eine wichtige Aufgabe: Zentral auf dem Markplatz steht der Lastwagen am Freitag und Samstag, 19. und 20. Juni. Damit ist Amberg eine von 30 Stationen in Bayern und eine von drei in der Oberpfalz, an denen der Truck stoppt. Ziel der Aktion ist, dass die Bedeutung der Pflege ins Bewusstsein rückt. Hier haben die Veranstalter, Caritas und Diakonie, einen "Pflegehinweis 2015" erarbeitet - in Anlehnung an die Kleideretiketten in den Anziehsachen: "Für 100 Prozent liebevoll gepflegte Menschen" nennen sie ihre Werbung.

Speziell in Amberg füllen auch Lokalmatadoren den Truck mit Leben. Diakon Marcus Keil stellte als Koordinator das Programm bei einer Pressekonferenz im Marienheim an der Zeughausstraße vor. Mit dabei sind der Caritasverband in Amberg und Landkreis, das Diakonische Werk Sulzbach-Rosenberg, der Diakonieverein Amberg, das Evangelische Dekanat Sulzbach-Rosenberg sowie die katholische Diözese, Region Amberg-Schwandorf.

"Unsere Zukunft"

Dieses "gemeinsame an einem Strang ziehen" geschehe "zum Wohle der Bevölkerung", verdeutlichte Dr. Wolfgang Schmalzbauer, Vorsitzender des Caritasverbandes Amberg-Sulzbach. Dekan Karlhermann Schötz stellte die Möglichkeit der Begegnung heraus, die sich den Besuchern des Trucks biete. Zum Beispiel mit Schülern der Caritas-Altenpflegeschule. "Das ist unsere Zukunft. Die Schülerinnen sind wahrscheinlich die, die uns pflegen werden", sagte Caritas-Geschäftsführer Günter Koller. Er stellte die bereits 2008 erarbeiteten Amberger Thesen vor. "Sie sind immer noch aktuell." Darunter falle beispielsweise die Investitionsförderung mit einem "Landesaltenplan", damit stationäre Pflegeplätze bezahlbar bleiben. Die zehn Punkte sollen am Samstag dem Pflegebeauftragten der Regierung, MdL Hermann Imhoff, übergeben werden. Siegfried Balzer, Vorsitzender des Diakonievereins, hob hervor, dass bei den Pflegenden die Arbeit "ganz schön an die Substanz" gehe.

Menschlichkeit finanzieren

Aber dennoch solle der Truck auch vermitteln, welche schönen Seiten in dem Beruf stecken: "Pflegende erleben oft eine unglaubliche Dankbarkeit." Damit traf Balzer den Nerv von Heimleiter Wolfgang Hiemer: "Mir macht meine Arbeit seit 22 Jahren Freude", erklärte er. Auch den Spaß, den Pflege machen könne, sollen die Besucher sehen.

Doch es gibt andere Facetten: "Wir brauchen mehr Geld, mehr Zeit und mehr Personal. Sonst ist eine liebevolle Pflege, wie wir sie uns vorstellen und sie uns auch für uns selbst wünschen, nicht möglich", zitiert Dekan Karlhermann Schötz den evangelischen Landesbischof Bedford-Strohm. Viele Leistungen, die Pflege menschlich machen würden, seien selten refinanziert. Am Truck selbst wird es drei Stationen geben: Am Pfleg-O-Mat können Besucher versuchen, mit beschränkten Mitteln würdig zu pflegen, an Video-Stelen erklären Angestellte wie es ist, in der Pflege zu arbeiten. Eine Sanduhr macht deutlich, wie knapp die Zeit ist. Besonders gefreut haben sich die Organisatoren über die Möglichkeit, den Pflege-Truck auf dem Marktplatz abzustellen. Dies ermöglichte die Stadt Amberg.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.liebevolle-pflege.de
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