Rechtliche Grundlage fehlt
Moses bleibt nur geduldet

Die Aufgaben von Donum Vitae werden immer komplexer. Die Beratung von Schwangeren gestaltet sich vor allem dann besonders schwierig, wenn die Ratsuchende ein Flüchtling ist - und der Dolmetscher ein Mann.

Amberg. (tk) Bei der Mitgliederversammlung der Schwangerschafts-Beratungsstelle sagte Leiterin Hilde Forst, dass sich im vergangenen Jahr 1062 Frauen und Männer hilfesuchend beim Verein meldeten. 2014 waren es 1028. Cornelia Rubenbauer-Pickel von der Außenstelle Sulzbach-Rosenberg erklärte, wie sehr sich die Arbeit von Donum Vitae verändert hat. Zunehmend würden bei den Schwangeren psychische Probleme bemerkt. Und: "Die bürokratischen Hürden sind ohne Hilfe kaum zu meistern." Die Bearbeitungszeit bei Bewilligungen staatlicher Leistungen habe sich ebenfalls enorm erhöht: "Oft sind die Kinder schon geboren, bis nötige Gelder erstattet werden."

Dolmetscher-Problem


Auch die Zahl der hilfesuchenden Asylbewerber steige. Diese Beratungen seien sehr zeitaufwendig: "Eine zuverlässige Übersetzung durch die oft männlichen Dolmetscher gestaltet sich oft schwierig." Zudem könnten die Betroffenen Donum Vitae durch öffentliche Verkehrsmittel kaum erreichen. Die Folge seien Hausbesuche in den Unterkünften.

Großen Handlungsbedarf sehen die Beraterinnen in der Übernahme der Kosten für Verhütungsmittel. Viele Frauen könnten sich das nicht leisten. Der Staat bezahle zwar einen Schwangerschaftsabbruch, aber keine Kondome und Co. - einige Städte hätten einen Fonds für bedürftige Frauen eingerichtet, um ungewollten Schwangerschaften vorzubeugen.

Ohne rechtliche Grundlage


Denkt eine Frau über einen Abbruch der Schwangerschaft nach, liege das hauptsächlich an der Angst vor Überforderung, finanziellen Problemen und Konflikten in Familie oder Partnerschaft. Hilde Forst wies erneut darauf hin, dass die anonyme Geburt (Moses-Projekt) auch nach der gesetzlichen Einführung der vertraulichen Geburt noch immer keine gesetzliche Grundlage habe. Sie sei nur geduldet. Die Kosten tragen Donum Vitae und das Klinikum - Arztbesuche und Unterbringung vor der Geburt inklusive. Gerade hierfür würden Spenden dringend benötigt.

Einmal pro Quartal werden Sternenkinder (Totgeburten unter 500 Gramm) auf dem Waldfriedhof beigesetzt. Für die Gräberpflege gab die Sparkasse 1000 Euro. Donum Vitae sucht Helfer, die Tafeln mit den Bestattungsdaten anfertigen können.

Die Sexualpädagogik (Aufklärung im Unterricht, Lehrerschulungen sowie die Ausgabe von Babysimulatorpuppen an Jugendliche) gewinne an Bedeutung. Rita Stadler-Probst (Außenstelle Schwandorf) sagte, dass Anfragen der Schulen mangels Personal nicht komplett erfüllt werden.

Zur Gründung eines Fördervereins lädt Donum Vitae für Donnerstag, 28. April, um 18 Uhr ein. Das sei zwingend notwendig, um steuerrechtliche Probleme bei Benefizaktionen oder Kuchenverkauf zu verhindern.
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