Rumänen plündern Lauben in Pfreimd
Ein bisschen viele Zufälle

Rasenmäher, Heckenscheren, Wasserpumpen, Werkzeuge: Österreichische Fahnder staunten, als sie am Morgen des 9. Juni letzten Jahres die beiden Lieferwagen anhielten und Heckklappen öffnen ließen.

Die vier Männer aus Rumänien suchten nach Ausreden, sahen sich später auch von einer Dolmetscherin falsch übersetzt. Doch ein Aufkleber an einem der Beutestücke verriet sie. Denn das Etikett wies nach Pfreimd. Dort waren einige Stunden zuvor zehn Lauben in einer nicht weit von der Autobahn A 93 liegenden Gartenanlage aufgebrochen und geplündert worden. Die Rumänen, so beschrieb es jetzt der Schöffengerichtsvorsitzende Markus Sand, "nahmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest war." Das galt auch für zwei weitere Straftaten, die sich in der gleichen Nacht auf Baustellen bei Nittenau und Bruck ereignet hatten. Dort waren Container und Bagger geknackt und ausgeraubt worden. Auf etwa 12 000 Euro schätzten die Behörden später den Beutewert, 3000 Euro betrug der Sachschaden.

Von Österreich wurden die Rumänen, zwischen 24 und 35 Jahre alt, nach Bayern ausgeliefert. Seither saßen die Familienväter in U-Haft. Vor dem Amberger Schöffengericht legten sie nun Geständnisse ab. Was führte sie nach Pfreimd? "Reiner Zufall", wurde übersetzt. Doch das war eher unglaubhaft. Denn schon vor dem 9. Juni und der dabei verübten Einbruchsserie war zumindest einer von ihnen schon einmal in der fraglichen Gartenanlage gewesen. Dabei kam ein Laptop abhanden, das sich mit unter den in Österreich beschlagnahmten Beutestücken befand.

Bis heute ungeklärt

Auch das ein Zufall? Die Richter hörten, dass dieses Laptop auf einem rumänischen Markt gekauft worden sei. Ohne Argwohn und als Geschenk für einen Familienangehörigen gedacht. Das wiederum führte den an so viele Zufälle nicht glaubenden Vorsitzenden zu der Frage: "Fahren denn alle aus Ihrer Ortschaft zum Diebstahl nach Pfreimd?" Die erste Einbruchsserie in der Schrebergartenkolonie gilt übrigens bis heute als ungeklärt. Auch dabei war erheblicher Schaden entstanden.

Die vier Familienväter wollten unbedingt nach mehrmonatiger Untersuchungshaft heim nach Rumänien. Und sie kamen tatsächlich auf freien Fuß. Zweieinhalb Jahre Haft zum Absitzen hatte Staatsanwältin Franziska Bücherl für jeden von ihnen beantragt. Das entsprach allerdings keineswegs den Auffassungen der Verteidiger Michael Schüll, Manuela Ernstberger, Michael Trummer und Ekkehard Zink. "Zwei Jahre mit Bewährung sind genug", befanden sie und sahen sich dabei im Meinungseinklang mit dem Schöffengericht. Die Rumänen bekamen zwei Jahre zur Bewährung, die bestehenden Haftbefehle gegen sie wurden aufgehoben. Ihrer Rückkehr zu Ehefrauen, Partnerinnen und insgesamt sieben Kindern stand nichts im Wege.

Die Beute konnte seinerzeit nahezu ausnahmslos an die Geschädigten ausgehändigt werden. Bis es soweit war, hatten Staatsanwaltschaft und Polizei eine Art Ermittlungsmarathon hinter sich. Er schlug sich in zahlreichen Aktenordnern nieder.
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