Schleuser hat Amberg zum Ziel
17 Iraker am Kirchensteig

Viele von ihnen hatten offenbar schon seit Tagen nicht mehr gegessen und auch zu wenig getrunken: Die 17 Iraker, die am späten Freitagabend am Kirchensteig ausgesetzt wurden, waren aber nach einer ersten Stärkung fit genug, um noch in der Nacht in die Regensburger Bajuwaren-Kaserne gebracht zu werden. Dort hat der Bezirk Oberpfalz eine zentrale Aufnahmestelle eingerichtet. Bild: hfz
Politik
Amberg in der Oberpfalz
04.04.2016
860
0

Über die Türkei kamen sie nach Bulgarien und später nach Bayern. Eingepfercht in einem weißen Kastenwagen. Schleuser setzten 17 Iraker, darunter ein erst 15 Monate altes Kleinkind, nicht an der Grenze, an einer Raststätte oder in der freien Wildbahn aus - sondern mitten in Amberg. Am Kirchensteig.

Einen vergleichbaren Fall hat es laut Polizeisprecher Peter Krämer in Amberg noch nie gegeben. Selbst in Zeiten des Bosnien- und Kroatienkriegs in den 90er-Jahren sei es nicht vorgekommen, dass Asylsuchende direkt im Stadtgebiet ihrem Schicksal überlassen worden seien. Wieso sich die Schleuser ausgerechnet Amberg ausgesucht hatten, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen.

"Sie waren unglaublich durstig, unglaublich dehydriert", beschreibt Krämer den Zustand der Flüchtlinge, die bisher keine konkreten Angaben über ihre Route und die Hintermänner machten. "Ihren Schleuser werden sie kaum verraten. Sie sind erstmal froh, dass sie hier sind", sagte der Polizeisprecher über die 17 Iraker, die am Freitag um 22.30 Uhr einer Geschäftsfrau am Kirchensteig aufgefallen waren. Als die Ausländer sie um ein Handy baten, um telefonieren zu können, rief die Ambergerin selbst die Ordnungshüter an.

Wie die Polizei am Montagnachmittag mitteilte, hatte die Streifenbesatzung vor Ort Unterstützung angefordert, als klar war, dass es sich um Flüchtlinge handelt. Nach Amberg gekommen waren sieben Erwachsene im Alter von 18 bis 40 Jahren, drei 14-Jährige und sieben Kinder im Alter von 15 Monaten bis 13 Jahren. Vom Kirchensteig ging es direkt zur Dienststelle an der Kümmersbrucker Straße, wo die Iraker einem Dolmetscher erzählten, dass sie pro Person 1000 Euro an einen Unbekannten bezahlt hätten. Die Flüchtlinge befanden sich ohne Ausnahme in einem gesundheitlich angeschlagenen Zustand, konnten aber nach einer ersten ärztlichen Untersuchung noch in der Nacht in die Aufnahmestelle nach Regensburg gebracht werden. Von dort aus können nun die Asylverfahren eingeleitet werden.

Zuvor hatten die Polizisten ein großes Herz bewiesen: Nachdem alle Iraker mit Flüssigkeit versorgt waren, suchten sie ihre Schokoladenhasen, die noch von Ostern übrig waren, und gaben sie den Kindern, die sich auch über Rettungsteddys freuten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.