"Schlot" muss ins Gefängnis

Der Angeklagte (links) zum Prozessauftakt. Bild: Stephan Huber

Das "Paradise", wie der Partykeller über drei Jahrzehnte hinweg genannt wurde, ist dauerhaft geschlossen. Sein Besitzer und Betreiber, der sich immer wieder an jungen Gästen sexuell verging, muss siebeneinhalb Jahre hinter Gitter. "Ohne Geständnis wäre die Strafe weit höher ausgefallen", hieß es in der Urteilsbegründung.

Sie gaben ihm den Spitznamen "Schlot". Er hätte ihr Vater, von einigen sogar der Großvater sein können. Doch diese Rolle wollte der 56-Jährige nicht spielen. In seinem 30 Jahre lang ohne jegliche Beanstandung betriebenen Partykeller in Pfreimd (Kreis Schwandorf) suchte er als Wolf im Schafspelz gezielt nach Opfern. Einige von ihnen, so wurde jetzt beim Prozess vor dem Amberger Landgericht offenkundig, sind bis heute traumatisiert.

Zwei Verhandlungstage lang standen sexuelle Übergriffe des in ganz Pfreimd bekannten Mannes im Mittelpunkt. Unsäglich, was er von seinen Opfern verlangte. Die Burschen, meist im Alter zwischen 13 und 16 Jahren, ließen sich überreden. Doch was der "Schlot", den sie irgendwie als erwachsenes Vorbild sahen, verlangte, war ihnen letztlich zuwider. Aber die Buben fügten sich, weil ihnen ansonsten der Partyclub im Kellerraum wohl nicht mehr zugänglich gewesen wäre.

200 Personen befragt

Welche Dimension die Ermittlungen hatten, schilderte eine Kriminalbeamtin. "Wir haben rund 200 Personen vernommen", berichtete sie der Ersten Strafkammer und fügte hinzu: "Oft sind wir auf schroffe Ablehnung gestoßen." Verständlich mitunter. Denn die Begebenheiten im illegalen Pfreimder Jugendtreff lagen meist viele Jahre zurück. Da mochten sich viele nicht erinnern. Sie hatten mit den Vorgängen längst abgeschlossen.

Der Ausgang des Verfahrens hing maßgeblich von einem Gutachten ab, das der Psychiater Thomas Lippert aus Nürnberg erstellte. Er hielt den 56-Jährigen für voll schuldfähig, schrieb ihm eine sexuelle Neigung für pubertierende Buben zu, sprach sich aber nicht für eine dauerhafte Unterbringung des Beschuldigten aus. Gleichwohl attestierte Lippert: "Er ist dringend therapiebedürftig." Im Urteil wurde dem Mann später nachdrücklich zu einer solchen Behandlung geraten.

"Er hat zwar gestanden. Aber Reue war nicht zu erkennen", beschrieb Staatsanwältin Franziska Bücherl ihre Eindrücke. Sie erinnerte an die massiven Übergriffe und führte der Kammer vor Augen: "Er hatte 48 000 Kinderporno-Dateien auf seinen Rechnern." Der Mann habe Vertrauen schamlos ausgenutzt und seine Attacken "systematisch geplant." Von daher lautete ihr Strafantrag auf zehn Jahre Freiheitsentzug.

Dagegen stemmten sich die Verteidiger Tim Fischer (Regensburg) und Dieter Spieß (Amberg). "Er hat sehr wohl Schuldeinsicht gezeigt und ein Geständnis abgelegt", entgegneten sie. "Nun liegt ein langer Weg vor ihm", wurde in den Plädoyers der Anwälte verdeutlicht. Was sie meinten, war wohl: Längere Haft im Kreis von Mitgefangenen, die gegen Kinderschänder massiv vorzugehen pflegen. Danach die Frage, ob er wohl jemals nach Pfreimd in sein Haus zurück kann. Viereinhalb Jahre hielten die Anwälte für angemessen.

Einschlägig aufgefallen

Die Strafkammer schickte den Handwerksmeister siebeneinhalb Jahre hinter Gitter. "Für ihn spricht nur, dass er gestanden hat", ließ die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber erkennen. "Man muss aber die Folgen für die Geschädigten sehen", hieß es in der Urteilsbegründung. Dann folgte die Feststellung: "Den Partykeller hat er nur betrieben, um sexuelle Kontakte zu Kindern und Jugendlichen aufzunehmen."

Schon 1989 war der Mann wegen sexuellen Missbrauchs aufgefallen. Damals, weil er junge Feuerwehrleute unsittlich betatschte. Er bekam acht Monate zur Bewährung und wurde später als Vizekommandant der Feuerwehr Pfreimd tätig.
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