Schüler des Erasmus-Gymnasiums diskutieren mit Vertretern des Entwicklungshilfeministeriums
„Todschick“ heißt nicht schön

Die Schüler des Erasmus-Gymnasiums freuten sich, dass die Vertreter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nicht nur Zeit für ein Foto hatten, sondern auch fast zwei Stunden mit ihnen diskutierten. Dr. Anna Schneider (hinten, Dritte von rechts) und Michael Krake vom Ministerium rahmen hier Dr. Helmut Kollhoff ein. Bild: hfz
Politik
Amberg in der Oberpfalz
01.02.2016
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Für unsere Kleidung Not und Elend bei den Näherinnen erzeugen? Nein! Sich auf den Weg in eine faire und ökologische Zukunft zu machen? Ja! Dem Ausdruck "todschick" eine neue Bedeutung geben? Natürlich!

Mit dem Globalen Lernen verfolgen Dr. Helmut Kollhoff und Schüler des Erasmus-Gymnasiums seit drei Jahren diese Ziele. Ein Ergebnis ist die Einladung für eine Fairtrade-Delegation des EG ins Bundesministerium für Entwicklungshilfe, um über die globale und ökologische Schieflage zu diskutieren, die auf der Welt herrscht. Auch unser Konsumverhalten trägt ein Stück dazu bei.

Ohne Menschenwürde


In einer Presseinfo teilt die Schule mit, dass die Textilproduktion in Asien dabei im Mittelpunkt steht. Hier arbeiten und leben mehr als 200 Millionen Menschen - meist junge Mädchen - unter menschenunwürdigen Bedingungen. Gerd Müller (CSU), der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, hat diesem Missstand den Kampf angesagt. Er sieht in der globalen, sozialen und ökologischen Ungerechtigkeit einen Grund für eine zukünftige Menschenbewegung, "gegen die das aktuelle Flüchtlingsproblem klein erscheinen wird".

Das im Oktober 2014 gegründete Textilbündnis ist in der Branche die erste Zusammenarbeit von Regierung, Textilhändlern, Textilproduzenten, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen, um für auskömmliche Löhne, gute Arbeitsbedingungen und umweltverträgliche Produktion zu kämpfen. In Bangladesh liegt der Durchschnittslohn von 50 Euro bei nur 20 Prozent eines auskömmlichen Lohnes.

Bei der Diskussion, die von den Schülern in Berlin mit den Regierungsvertretern geführt wurde, war zentraler Punkt, dass man auf eine Freiwilligkeit der Produzenten und Händler setzt, die allerdings zu einer Verpflichtung führt, wenn ein Imageschaden vermieden werden soll. "Beitritt verpflichtet zur Mitarbeit", so Minister Müller. Die Fortschritte werden regelmäßig überprüft, um ein "Greenwashing" zu verhindern. Man wird allerdings noch Jahre in dem Bündnis arbeiten müssen, bis Erfolge in Form einer breiten Einführung von fair produzierten Textilien sichtbar werden. Hier gibt es noch keine seriösen Zeitziele.

Dialog als Mittel der Wahl


Ob vorhandene vertrauenswürdige Siegel wie Fair Ware Foundation (soziale Aspekte) und GOTS (ökologische Aspekte) eingebunden werden oder ob ein neues Siegel geschaffen wird, steht noch nicht fest. Anstatt auf Zwang (wie von den USA verhängte Strafzölle) setzt das Bündnis auf Dialog, um Produzenten und Händlern zu ermöglichen, ihre wirtschaftlichen Ziele mit fairer und ökologischer Textilproduktion in Einklang zu bringen.

Die Diskussion wurde von beiden Seiten sehr offen geführt und zeigte den Schülern einen Weg auf, wie der Dialog von Zivilgesellschaft und Regierung aussehen kann. Das große Interesse der Regierungsvertreter zeigte sich auch darin, dass aus den geplanten 60 Minuten fast zwei Stunden wurden.
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