SPD für mehr Wohnraum in der Innenstadt
Welten prallen aufeinander

Garagen im Erdgeschoss: Für viele Interessenten ist der eigene Stellplatz ein Muss, um in die Innenstadt zu ziehen. Ist ein Umbau wegen des Denkmalschutzes nicht möglich und findet sich auch kein Einzelhändler, droht der Leerstand. Bild: Huber (2), Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
10.05.2016
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Markus Kühne, städtischer Baureferent

Immer mehr Leerstände in der Innenstadt - also schlägt die SPD vor, dort mehr Wohnraum zu schaffen. Wie das gehen soll, wollte sie mit Experten klären. Schnell war man sich einig: Die Innenstadt muss belebt werden. Doch im Detail blieb vieles strittig.

Die Innenstadt stirbt aus: Dieser oft gehörte Satz hängt seit vielen Jahren drohend wie eine Gewitterwolke über Amberg. Politik und Wirtschaft tun sich schwer: Die Belebung der City gleicht einem Kraftakt. Einzelhändler anzulocken, Geschäftsleute zu Investitionen zu bewegen und Wohnungen zu vermieten, das ist alles andere als einfach. Das wurde bei der Expertenrunde im Hotel Fronfeste deutlich, zu der die SPD-Stadtratsfraktion am Montagabend eingeladen hatte.

Weniger Einwohner


Birgit Fruth erklärte zu Beginn, dass der SPD die Altstadt sehr am Herzen liege. "Wenn's mit Geschäften nicht mehr geht, dann können wir Leerstände durch Wohnungen auffüllen", schlug die Fraktionsvorsitzende vor. "Wohnen bedeutet Leben, Leben bedeutet Frequenz auch für Einzelhändler. Und wenn's Frequenz gibt, dann bewegt sich auch was."

Fruth hatte sich die Entwicklung der Einwohnerzahlen notiert: Im Jahr 2006 lebten noch 2765 Menschen in der Altstadt. 2015 waren es nur noch 2533. Seit 2011 gebe es eine stetige Zunahme der Leerstände, berichtete Gewerbebau-Chef Karlheinz Brandelik. Das liege vor allem am Rückzug des Einzelhandels in den Streulagen, wie etwa der Ziegelgasse und der Oberen- und Unteren Nabburger Straße.

Johann Kiener schilderte die Möglichkeit, mehr Wohnungen in der Innenstadt zu schaffen. Das Problem für den Umbau eines Hauses sei oft der Denkmalschutz, betonte der Chef des gleichnamigen Amberger Bauunternehmens. Kunden hätten gerne eine helle, geräumige Wohnung: "Sie möchten große Fenster, Balkone oder Dachterrassen." Doch das sei noch nicht das Hauptproblem: "Die Häuser bekommen wir meistens schon irgendwie saniert", sagte Kiener und lobte auch die Zusammenarbeit mit der Stadt. Jedoch: "Die Nachfrage ist groß, aber wir bringen keine Stellplätze her." Für viele sei der eigene Parkplatz oder die Garage ein Totschlagargument für den Einzug in eine Altstadtwohnung.

Brandelik warf ein, 40 Prozent der Hauseigentümer wohnten schon gar nicht mehr in Amberg. Sie kümmerten sich oft nicht um ihren Besitz, sondern seien froh, wenn das Haus kostendeckend vermietet sei.

PWG-Chef Andreas Raab forderte eine Lockerung des Denkmalschutzes. "Wir Selbstständige versuchen, ein Ergebnis zu erzielen. Warum kann man innerhalb des Hauses nicht etwas mehr verändern?" Das fragten ihn häufig die Leute auf der Straße. Sie verstünden das nicht, sagte der Vorsitzende der Park- und Werbegemeinschaft (PWG). Kiener nannte als Beispiel Umbauten in der Leipziger Altstadt: Dort sei viel mehr möglich, als in Amberg.

Keine einfachen Lösungen


Baureferent Markus Kühne bemühte sich um ein differenziertes Bild der vielen Herausforderungen, mit denen die Stadt zu kämpfen habe: "Wir können nicht einfach eine Garage in ein denkmalgeschütztes Haus bauen", sagte er. "Es will auch keiner im Erdgeschoss wohnen. Ich warne vor einfachen Lösungen!" Man müsse auch sehen, was dahinterstecke, wenn man fordere, jedes Haus einzeln zu begutachten. "Wir haben zwei Jahre gebraucht, um in ein denkmalgeschütztes Haus zu kommen. Das mussten wir einklagen. Als wir dann reingekommen sind, war der Dachstuhl abgebrannt."

Achse Bahnhof-Malteser der SchlüsselIHK-Geschäftsstellenleiter Johann Schmalzl brachte die Statistiken des Einzelhandels in die Diskussion mit ein: In Deutschland hätten die Discounter in den vergangenen 20 Jahren ihre Verkaufsflächen vergrößert. Hochpreisige Produkte verlören immer mehr an Marktanteil. Das schade den Einzelhändlern.

Erweiterungen der Handelsfläche habe es aber nur auf der grünen Wiese gegeben. Doch auch unter den Discountern herrsche mittlerweile ein massiver Wettbewerb. Die Verkaufsfläche habe innerhalb der letzten 20 Jahre um knapp 50 Prozent zugenommen - ohne entsprechendes Wirtschaftswachstum. Der Flächenbedarf gehe in Deutschland insgesamt zurück, informierte Schmalzl. Das liege auch am rasanten Zuwachs des Onlinegeschäfts: "2010 hatte der Onlinehandel einen Umsatz von 30 Milliarden Euro. 2015 waren es 60 Milliarden, 2019 werden es 100 Milliarden Euro sein. In 15 Jahren wird es einen Onlineanteil von zehn Prozent im Lebensmittelbereich geben."

"Wenn man diese Handelstrends sieht, können wir uns davon verabschieden, in den Nebenlagen noch einmal Handel anzusiedeln." Schlüssel sei die Achse Bahnhof-Malteser. "Das müssen wir voranbringen." (dko)


Wir können nicht einfach eine Garage in ein denkmalgeschütztes Haus bauen.Markus Kühne, städtischer Baureferent


Wir können uns davon verabschieden, in den Nebenlagen noch einmal Handel anzusiedeln.Johann Schmalzl, IHK-Geschäftsstellenleiter
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