SPD-Landtagsabgeordneter Markus Rinderspacher besucht Amberger Tafel
Armut ein "politisches Versagen"

Stellvertretende Tafel-Vorsitzende Irmgard Buschhausen (Zweite von links) erläuterte Markus Rinderspacher (Dritter von rechts), wie die Ausgabe von Lebensmitteln abläuft. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
17.08.2016
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Besonders betroffen: Kinder und ältere FrauenIrmgard Buschhausen, stellvertretende Vorsitzende der Tafel, sprach die Kinderarmut an. Diese hatte auch Vorsitzender Bernhard Saurenbach in seinem letzten Rundbrief thematisiert. Darin hatte er eine Tabelle angefügt, welche Regelsätze als monetäre Leistungen Kindern im Grundsicherungsbezug pro Monat zustehen.

Buschhausen bezeichnete insbesondere den Bereich Bildung als eine Katastrophe: 0,32 Euro für 14- bis 17-Jährige, 1,30 Euro für 6- bis 13-Jährige und 1,09 Euro für Kinder bis fünf Jahren. "Mit 32 Cent kann man nicht mal in eine Bibliothek gehen und sich ein Buch ausleihen", empörte sie sich und schüttelte über die Zahlen den Kopf.

Sehr von Armut betroffen sind laut ihrer Aussage auch ältere Frauen, die als Witwen nur sehr wenig Rente beziehen. "Denen reicht es hinten und vorne nicht", machte die stellvertretende Vorsitzende deutlich. Und sie würden sich vielfach für ihre Armut schämen.

Buschhausen stellte dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Markus Rinderspacher, die Kulturtafel vor: Freikarten für Konzerte und Theateraufführungen. "Das ermöglicht den Menschen ein Stück Teilhabe am gesellschaftlichen Leben", so Brigitte Netta. (san)

3500 Einkommensmillionäre gibt es in Bayern. Andererseits leben im Freistaat auch 1,8 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze. "Arm zu sein in einem reichen Land wie Deutschland ist nochmals schwieriger", sagte Markus Rinderspacher, als er gestern die Tafel besuchte.

Stellvertretende Vorsitzende Irmgard Buschhausen stellte dem Fraktionsvorsitzenden der SPD im Landtag, den Parlamentskollege Reinhold Strobl, Bürgermeisterin Brigitte Netta, stellvertretende Landrätin Brigitte Bachmann und Juso-Kreisvorsitzender Lukas Stollner begleiteten, die Einrichtung vor. Als die Tafel vor elf Jahren gestartet sei, habe es geheißen, dass es Armut zwar in großen Städten wie Berlin, München oder Hamburg gebe, aber doch nicht in Amberg.

800 Haushalte versorgen


Aktuell beziehen 800 Haushalte (inklusive Flüchtlinge) Lebensmittel. Buschhausen erläuterte, warum die Tafelkunden pro Ausgabe zwei Euro bezahlen müssen. Ein Grund seien die Ausgaben (1000 Euro Miete für die Räume in der Sulzbacher Straße, Strom, der Unterhalt von drei Autos und Versicherungen für die Ehrenamtlichen). Andererseits habe das auch etwas mit der Würde des Menschen zu tun. "Wer Hartz VI bezieht und sich nichts leisten kann, der kommt sich sonst noch mehr wie ein Bettler vor." Rund 80 Lebensmittelmärkte geben laut Buschhausen Waren an die Tafel ab, die größeren würden täglich angefahren, die kleineren einmal pro Woche. "Wir haben ein gutes Verhältnis zu allen Geschäften", betonte Ilse Jäckl, eine von 30 ehrenamtlichen Fahrern der Tafel.

"Das ist eine logistische Meisterleistung", urteilte Rinderspacher anerkennend, als ihm Buschhausen und Hedwig Amann, die die Dienstags-Helfergruppe leitet, die Abläufe schilderten. Der Gast aus München hatte ein großes Lob für die Mitarbeiter parat. "Sie schenken sehr viel: Zeit, Kraft und Energie", betonte er. "Wir müssen etwas gegen die Armut tun." So großartig der Gedanke der Tafel auch sei, umso schwieriger sei die Kehrseite: "Das politische Versagen, sonst müsste es diese Einrichtungen nicht geben."

Jesidin als Dolmetscherin


Froh sind die Verantwortlichen über das Engagement einer Jesidin aus dem Irak. Die fünffache Mutter, die selbst Tafelkundin ist, kommt jeden Dienstag, um für Flüchtlinge zu übersetzen: Arabisch und Kurdisch. Rinderspachers Frage, ob man das französische System einführen sollte, wonach es dem Großhandel verboten ist, Lebensmittel wegzuwerfen, bejahte Buschhausen. "Das würden wir uns wünschen."
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