SPD nominiert Kandidaten für Bundestagswahl
100-Prozent-Votum für Johannes Foitzik

Johannes Foitzik (rechts) aus Neumarkt tritt als Direktkandidat der SPD bei der Bundestagswahl 2017 an. Martin Seibert (links) aus Amberg soll auf der Liste geführt werden. Die Delegierten der Bundeswahlkreiskonferenz empfahlen ihn der Landesdelegiertenversammlung. Bilder: Sandig (2)
Politik
Amberg in der Oberpfalz
26.09.2016
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"Bei uns ist ein Manager genauso willkommen wie ein fußballspielender Ministrant aus dem Senegal." Zitat: Ismail Ertug über die SPD

Von 48 Delegierten bekam Johannes Foitzik 48 Stimmen: Der 56-jährige Neumarkter wird als Direktkandidat bei der Bundestagswahl 2017 für die SPD antreten.

/Kastl. Für die SPD ist es Tradition, ihren Kandidaten für den Bundeswahlkreis 232 im Gasthaus Forsthof in Kastl zu küren. Und dort legte am Freitagabend ein Neumarkter das bestmögliche Ergebnis hin: Johannes Foitzik. Er errang 48 von 48 möglichen Delegiertenstimmen. Für einen Listenplatz kandidiert Martin Seibert: Er vereinte 46 Delegiertenstimmen auf sich (je eine Nein-Stimme und eine Enthaltung): Allerdings war dessen Nominierung keine Wahl, sondern ein Beschluss, nämlich die Empfehlung für die Landesdelegiertenkonferenz.

"Ein logischer Schritt"


Johannes Foitzik, 56 Jahre alt und seit 2008 Vorsitzender der Neumarkter SPD, hatte sich und seine Ziele den Delegierten kurz vorgestellt. Im Gespräch mit vielen Bürgern habe er festgestellt, dass die "Menschen, wenn sie merken, dass sie mitgenommen werden, viel offener sind". Allerdings würden sie erwarten, dass ihre Anliegen weitergetragen werden.

"Was sei da dann der nächste logische Schritt?", fragte der designierte Kandidat. "Entweder in den Chor derjenigen, die jammern, einzustimmen oder sich selbst aufstellen lassen." Deshalb sei er hier und kandidiere. Als alle 48 Delegierten für ihn stimmten und er gefragt wurde, ob er die Wahl annehme, sagte er: "Bei diesem Wahlergebnis und diesem Vertrauen kann ich nicht anders, als Ja zu sagen. "Johannes Foitzik ist ein hervorragender Kandidat", unterstrich SPD-Bezirksvorsitzender Franz Schindler nach er Wahl.

Auch Martin Seibert, der sich um ein Listenmandat bewarb, präsentierte sich den Delegierten. "Wir müssen zeigen, dass wir die Partei sind, die die Menschen der Arbeiterklasse vertreten", betonte er. Die Sozialdemokratie müsse sich ihre Grundsätze bewahren, forderte er. Es sei eine schwierige Zeit für alle demokratischen Parteien in Deutschland, bekannte Franz Schindler, Landtagsabgeordneter aus Schwandorf und SPD-Bezirksvorsitzender. "Wir erleben tektonische Verschiebungen in Deutschland", sagte er. Doch er zeigte sich auch zuversichtlich: "Unsere Partei hat noch viel schwierigere Zeiten erlebt, durchlitten und überstanden."

Er beschwor die SPD-Mitglieder, die Flinte nicht ins Korn zu werfen. "Wir müssen uns doch nicht schämen, wir müssen uns doch nicht entschuldigen. Es war und ist immer besser für die Menschen in diesem Land, wenn die SPD mitregiert. Noch besser wäre es, wenn sie alleine an der Spitze stünde", führte Schindler aus und verwies auf die Errungenschaften seiner Partei. Ohne die SPD würde es den Mindestlohn, Verbesserungen bei der Pflege, Mietpreisbremse und Geld für die Kommunen für die Flüchtlinge nicht geben. Ihre Kernkompetenz, nämlich die soziale Gerechtigkeit, müsse die SPD wieder in den Mittelpunkt rücken und "Visionen entwickeln, wie das Land in 20 Jahren aussehen soll".

Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl kam auf die AfD zu sprechen und erwähnte, dass deren Bundesvorsitzende Frauke Petry am 1. Oktober in Kreuth sprechen will. "Wir müssen deutlich machen, dass wir sie in der Oberpfalz nicht wollen", forderte er die Genossen auf. "Wir sind für ein vereintes Europa, für ein freiheitliches Europa, für ein demokratisches Europa."

Delegierte gewählt


Bei der Bundeswahlkreiskonferenz des SPD-Unterbezirks Amberg-Sulzbach-Neumarkt wurden die Delegierten zur Landesvertreterversammlung im Dezember gewählt: Johannes Foitzik, Uwe Bergmann, Martin Seibert, Birgit Fruth (Ersatzleute: Michael Rischke, Samir Binder, Daniel Holzapfel, Dieter Weiß). (Angemerkt)

Bei diesem Wahlergebnis und diesem Vertrauen kann ich nicht anders, als Ja zu sagen.Johannes Foitzik, Bundestagskandidat der SPD


Lob für Kanzlerin"Wir und die Grünen sind es, die seit einem Jahr die Kanzlerin verteidigen, dass sie so menschlich gehandelt hat, während ihre Leute sie am liebsten meucheln würden", sagte SPD-Unterbezirksvorsitzender Ismail Ertug über Angela Merkel und deren Entscheidungen in der Flüchtlingskrise. "Wenn Barack Obama unserer Bundeskanzlerin öffentlich dankt, dann muss uns das schon freuen", sagte er über den amerikanischen Präsidenten, der in seiner Rede beim UN-Flüchtlingsgipfel das Engagement von und der Deutschen bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise gewürdigt hatte. Angela Merkel habe auch Fehler eingestanden. "Das hat sie in einer Deutlichkeit getan, "die ich so nicht erwartet habe", sagte Ertug weiter. (san)

Amberg/Kastl. Viele hätten den Eindruck, dass die Welt aus den Fugen geraten sei, meinte Ismail Ertug, Europaabgeordneter und Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Amberg-Sulzbach-Neumarkt. "Die heutige Welt ist eine komplexere als noch vor 20 oder 30 Jahren." Die damit verbundene Unsicherheit sei groß. Man müsse die Zukunftsängste der Menschen wahrnehmen und sich fragen, warum sie so fühlen, wie sie fühlen.

Rente und Leiharbeit


Ertug sprach davon, dass man das möglicherweise in der Vergangenheit versäumt habe. Die Menschen hätten Angst, ob die Rente reiche. Junge Menschen würden sich um ihre Zukunftspläne sorgen: "Sie haben Angst vor der Zukunft, weil sie in Leiharbeitsverträgen hängen." Das Thema Arbeit müsse immer im Parteiprogramm einer sozialdemokratischen Partei sein, forderte Ertug in diesem Zusammenhang.

Unmissverständlich machte er klar, dass es weltweit keiner Region besser gehe als der Europäischen Union. "Wir müssen unsere Werte hochhalten: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität." Man müsse alles daran setzen, dass diese EU Menschen wieder eine Hoffnung gebe. Vor allem Ältere seien es, die Europa verteidigen, während bei Jüngeren eine Gleichgültigkeit festzustellen sei. "Unsere Errungenschaften dürfen wir uns nicht von rechten Rattenfängern kaputt machen lassen", forderte Ertug.

Bei uns ist ein Manager genauso willkommen wie ein fußballspielender Ministrant aus dem Senegal.Ismail Ertug über die SPD
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