Sperrung der Friedhofskirche St. Katharina
Der unbekannte Grund

Im Altarraum musste man unter dem hölzernen Podest graben, um den Ursachen der Feuchtigkeit an den Wänden auf den Grund zu gehen. Bild: Steinbacher
Politik
Amberg in der Oberpfalz
13.11.2016
783
1
 
Diese Putzteile fielen von der Decke im Innenraum. Bild: Steinbacher
 
Ein Blick von der Empore in den Innen- und den Altarraum von St. Katharina. Bild: Steinbacher

Die seit 2012 andauernde Sperrung der Friedhofskirche St. Katharina ruft nun auch die CSU-Fraktion auf den Plan. Sie möchte, dass die Stadt sich an der Sanierung finanziell beteiligt - auf zwei verschiedenen Wegen, von denen einer überraschend möglich wurde.

Denn bisher hatte man weder bei der Stadt noch bei der Kirchenstiftung St. Georg, die für die Friedhofskirche zuständig ist, so richtig auf dem Schirm, dass gut 5000 Quadratmeter des (größtenteils städtischen) Friedhofs im Eigentum der Pfarrei sind. "Da wurden wir erst durch den Zustellungsbescheid für die Niederschlagswassergebühr drauf aufmerksam", sagte Pfarrer Markus Brunner am Samstag beim Ortstermin der CSU-Stadtratsfraktion und des Ortsverbands Eisberg.

Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann hat seine Idee als Antrag zum Haushalt 2017 formuliert: Die Stadt möge Grundstücksverhandlungen mit der Pfarrei St. Georg aufnehmen und ihr den betreffenden Teil des Friedhofsareals - er liegt in der Nähe der Kirche und umfasst noch ein Stück der Mauer - abkaufen. Der Preis solle sich an der Wertermittlung des Gutachterausschusses (130 000 Euro) orientieren. Mußemann verband damit den Vorschlag, die Stadt solle zusätzlich einen einmaligen Zuschuss über 70 000 Euro gewähren, "quasi als städtischer Anteil an der Sanierung von St. Katharina". OB Michael Cerny befürwortete den Antrag, zumal er für St. Georg keine negativen Folgen habe: "Da ändert sich nur was im Grundbuch, sonst nicht."

Seit August 2012 gesperrt


Pfarrer Brunner führte die Gäste in das Innere des Gotteshauses, das seit 2012 aus Sicherheitsgründen gesperrt ist, weil hier Putz von der Decke fiel. Brunner erläuterte, schon davor habe man wegen statischer Schäden am Dach nur eine Glocke läuten dürfen. Eine Stadtpfarrei wie St. Georg, die 40 Beschäftigte habe und sich um viele Liegenschaften kümmern müsse - "wir haben etwa das Maltesergebäude komplett innen und außen renoviert" -, verfüge über vergleichsweise beschränkte Mittel. Deshalb sei man bei der Sanierung von St. Katharina auf die Hilfe der Diözese angewiesen. Die sei für die Außensanierung (im Wesentlichen statische Maßnahmen) zwar zugesagt, aber mit einer Einschränkung verbunden worden: "Innen dürft ihr nur das Nötigste machen." Der Grund dafür ist die ebenfalls renovierungsbedürftige Pfarrkirche St. Georg. Die soll nach Ansicht der Bistums-Bauexperten zuerst saniert werden, ehe man sich wieder dem Inneren von St. Katharina zuwendet. "Aber die Kirche soll kein Torso bleiben", wandte sich Brunner gegen die Aussicht, dieses Gotteshaus weitere Jahre nicht zu nutzen. Der OB hoffte, mit dem Antrag den Verantwortlichen in Regensburg etwas zu zeigen: "Die Amberger wollen nicht verstehen, warum man dieses Denkmal nur von außen her sieht. Die Innennutzung gehört doch auch dazu."




Es geht nicht nur um Steine - Angemerkt von Markus MüllerEine Unterschriftensammlung für die Sanierung der Friedhofskirche St. Katharina und eine erfolgreiche Spendenaktion gab es schon. Jetzt tritt auch noch die Stadt auf den Plan und signalisiert finanzielle Hilfsbereitschaft in Richtung Bistum. Ein Geschäftsmann, der nicht einmal in der Pfarrei wohnt, hat Pfarrer Markus Brunner zugesagt, er werde heuer an seine Kunden keine Weihnachtsgeschenke ausgeben, sondern stattdessen für St. Katharina spenden.

Ob das alles ausreicht, um den Verantwortlichen im Bauamt der Diözese klar zu machen, wie sehr diese Kirche den Ambergern am Herzen liegt? Sieht man dort durch einen Wust von Plänen, Gutachten, Kostenschätzungen und Finanzierungsmodellen noch, dass ein Gotteshaus nicht nur aus aufeinandergetürmten Steinen besteht? Dass vor allem eine Friedhofskirche die Menschen über die letzten Dinge (Tod und Trauer) wieder auf die ersten zurückwirft: auf Gott, den Glauben und dessen Trost? Viele Amberger verbinden das gerade mit der Kirche St. Katharina.

Schon klar: Jeweils eine Million Euro für Außen- und Innenrenovierung - so die Gesamtkostenschätzung - sind gewaltige Summen. Und nicht weniger klar: Die katholische Kirche funktioniert nicht als Demokratie in dem Sinn, dass irgendwann schon das gemacht wird, was ein genügend großer Teil der Gläubigen will. Gerade aus Regensburg wurde das oft genug deutlich betont. Auf der anderen Seite meinte man doch, in letzter Zeit hier auch Signale wahrgenommen zu haben, dass die Meinung des Kirchenvolks nicht vollständig ignoriert wird. Insofern darf man hoffen, dass steter (Aktions-)Tropfen aus Amberg doch noch den Stein höhlt (oder gar zertrümmert), der offenbar einer Regensburger Zusage für eine rasche Innenrenovierung von St. Katharina im Weg liegt.


Zitate"In unserer Generation tragen wir Verantwortung und Verpflichtung für das Erbe unserer Vorfahren."
Dieter Mußemann

"Die Trauer am Grab und das Gebet in der Kirche kann man nicht trennen."
OB Michael Cerny

"Lüften ist ganz schlecht, besonders im Sommer."
Dann entsteht laut Architekt Schwirzer im Kircheninnern zusätzliches Kondenswasser

"Mir ist wichtig, ein ansprechendes Äußeres zu schaffen."
Pfarrer Markus Brunner


Die Bau-ProblemeAls eine der Ursachen für die baulichen Probleme der Friedhofskirche bezeichnete der beauftragte Architekt Heinrich Schwirzer, dass bei früheren Sanierungen viel verkehrt gemacht worden sei. So greife etwa der Außenputz das darunterliegende Mauerwerk an. Durch das Fundament des Altarraums dringe Wasser ein. Dass 2012 der Putz von der Decke fiel, hat laut Schwirzer mit der Statik des Dachstuhls und mit handwerklichen Fehlern zu tun. Viel zu hoch sei die Luftfeuchtigkeit im Innenraum, die aus nicht restlos zu klärenden Gründen permanent bei 80 bis 85 Prozent liege. Als in Ordnung gälten hier 50 bis 55 Prozent. "Wir bräuchten eine Wandtemperierung, um das einigermaßen in den Griff zu bekommen", bemerkte Schwirzer zum Thema aufsteigende Feuchtigkeit in dem etwa einen Meter unter dem natürlichen Terrain liegenden Kirchenraum. Die Diözese wolle aber nach der Sanierung weder eine Heizung noch eine Mikrofonanlage in der Kirche haben, ergänzte Pfarrer Markus Brunner. Auch gegen eine Restaurierung und Wiedereinsetzung der Seitenaltäre sträube man sich in Regensburg. Die alte Sakristei sei stark durchfeuchtet und von Schimmel befallen. Sie dürfe aber nicht abgerissen werden. Man müsse dann die Beerdigungssakristei nutzen.
1 Kommentar
50
Markus Ritter aus Amberg in der Oberpfalz | 13.11.2016 | 21:54  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.