Staatsinstitut für Frühpädagogik muss vor Verlagerung nach Amberg erst Gebäudefrage klären
Noch kein Umzug in Sicht

Da haben wir es doch schon: CSU-Landtagsabgeordneter Harald Schwartz deutete im Juni auf das Logo der ersten im Zuge der "Heimatstrategie" nach Amberg verlagerten Behörde. Links von ihm der bayerische Justizminister Winfried Bausback und Wolfgang Gründler, der Direktor des IT-Servicezentrums. Bild: Steinbacher
Politik
Amberg in der Oberpfalz
27.10.2016
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Nächste Woche ziehen ins IT-Servicezentrum der bayerischen Justiz in der Faberstraße die Mitarbeiter 22 bis 28 ein. Diese Behördenverlagerung ist ihrem ursprünglichen Zeitplan weit voraus. Aber gab es da nicht noch ein anderes Amt, das hierher wechseln wollte?

/München. Stimmt. Als Minister Markus Söder im Februar 2015 bekanntgab, wer im Zuge der "Heimatstrategie" nach Amberg kommen sollte, nannte er auch das Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP). Das hat 34 Mitarbeiter und seinen Sitz in München.

Während die IT-Experten der Justiz schnell die Verlagerung von 64 Arbeitsplätzen nach Amberg in Angriff nahmen und im November den Mietvertrag für ein ehemals von der Staatsanwaltschaft genutztes Gebäude in der Faberstraße unterzeichneten, in dem die Servicestelle bereits im März ihre Tätigkeit aufnahm, hörte man vom IFP erst einmal nichts mehr. Die "Immobilien Freistaat Bayern" prüfe einen Neubau auf einem staatlichen Grundstück in Amberg als neues Domizil für das Institut, hieß es dann Anfang des Jahres.

Eine Anfrage bei dem für das Institut zuständigen Sozialministerium liefert jetzt Hinweise, warum man sich hier mit dem Umzug schwerer tut. Pressesprecher Philipp Späth antwortete, die Verlagerung nach Amberg befinde sich "derzeit in der konzeptionellen Planung. Das Konzept wird in enger Abstimmung mit dem Staatsinstitut für Frühpädagogik erstellt und wird die wissenschaftliche Tätigkeit des Instituts und die hierfür notwendigen Voraussetzungen berücksichtigen. Es handelt sich um einen komplexen Abstimmungsprozess." Deshalb könne man noch keine detaillierten Fragen zu Personal und Liegenschaft beantworten.

Neubau der Favorit


IFPDas Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) befasst sich nach eigenen Angaben mit Fragen der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen. Es betreibt angewandte Forschung und Grundlagenforschung in den Bereichen Frühpädagogik, Kindheits- und Familienforschung, Entwicklungspsychologie und Sozialforschung. Auf seiner Homepage heißt es: "Es war und bleibt ein Institut, in dem die angewandte Forschung dominiert. Seine Stellung als Vermittler zwischen Wissenschaft und Praxis sowie als forschende, beratende und begleitende Institution macht das IFP einzigartig im Kreis der frühpädagogischen Akteure." Gegründet wurde es 1973. Seit 2006 ist Prof. Fabienne Becker-Stoll die Direktorin.
Der "Immobilien Freistaat Bayern" habe man aber einen Flächenbedarfsplan übermittelt. Von deren Geschäftsführer Dieter Knauer war zu erfahren, dass die Prüfung eines Neubaus auf einem staatseigenen Grundstück noch nicht abgeschlossen sei. Unterbringungsalternativen (wie Miete) seien "nicht von vorneherein ausgeschlossen, werden jedoch erst geprüft, sobald die Prüfung des Neubaus abgeschlossen ist". Vielleicht käme dann die Amberger Gewerbebau ins Spiel. Deren Geschäftsführer Karlheinz Brandelik hat sich schon im Februar 2015 Gedanken gemacht, was man dem IFP für eine Ansiedlung in Amberg anbieten könnte. Es kam aber dann zu keinem Kontakt, so dass Brandelik nicht genau weiß, welche Ansprüche das IFP an ein Gebäude stellt. "Ich bin aber sicher, wir könnten helfen", erklärte er gegenüber der AZ. "Und wir würden gerne helfen."

Einen Zeitplan für die IFP-Verlagerung gibt es laut Ministeriums-Sprecher Späth noch nicht. Nach den Vorgaben des Ministerrats sei sie "grundsätzlich in Form eines sanften Prozesses zu gestalten. Danach wird die Umsetzung der Verlagerungspläne innerhalb von zehn Jahren angestrebt." Das gelte umso mehr "bei der hier angestrebten Gesamtverlagerung. Sie wird sozialverträglich im Rahmen des vorgegebenen Zeitplans umgesetzt werden." Also bis 2025.

Was zu der Frage führt, warum das beim IT-Servicezentrum der bayerischen Justiz so viel schneller klappte. Der maßgebliche Grund war ein glücklicher Umstand, verrät Ulrike Roider, Pressesprecherin im Justizministerium: Weil die Generalsanierung des Justizgebäudes in Amberg im Sommer 2015 beendet war, zog die Staatsanwaltschaft wieder dorthin zurück und die IT-Servicestelle hatte dadurch geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung, die sie sofort nutzen konnte.

Nehmt euch die Zeit - Angemerkt von Markus MüllerNatürlich wäre es leicht, ein paar beleidigte Worte nach München zu senden. So in der Art, dass ein Staatsinstitut seinen von oben verordneten Umzug nach Amberg ruhig mit etwas mehr Enthusiasmus angehen könnte. Lehrer und andere Beamte aus der Oberpfalz müssten ja in der umgekehrten Richtung auch öfter mal recht flott in die Gänge kommen, wenn sie nach Oberbayern versetzt werden.

Doch es ist auf der anderen Seite absolut verständlich, dass die Mitarbeiter und Verantwortlichen des Staatsinstituts für Frühpädagogik nicht davon begeistert sind, dass sie nach Amberg umziehen sollen. Davon stand bisher vermutlich weder in ihrem Arbeitsvertrag noch im Entwurf ihrer persönlichen Lebens- und Karriereplanung etwas. Natürlich hat Heimatminister Markus Söder versprochen, dass es im Zuge der Behördenverlagerung keine Zwangsversetzungen geben wird. Aber findet ein Frühpädagogik-Experte in München eine adäquate andere Stelle als Wissenschaftler (beim Staat?), wenn er nicht mit nach Amberg will? Wer seine Arbeit liebt, muss da womöglich eine sehr unangenehme Entscheidung fällen.

Also sollte man es den Staatsinstitutlern nicht schwer machen, sondern leicht und Verständnis zeigen. Schließlich ist es zutiefst menschlich, unangenehme Aufgaben mit großer Geduld vor sich herzuschieben. Das dürfte jeder schon selbst praktiziert haben. Deshalb rufen wir ihnen zu: Wir freuen uns auf jeden menschlichen Menschen, der aus München zu uns kommt. Wenn ihr für diesen Abwägungsprozess Zeit braucht, nehmt sie euch. Ihr seid auch 2025 noch willkommen. Wir arbeiten daran, bis dahin noch mehr Gastfreundlichkeit und Lebensqualität zu entwickeln. Ihr werdet eine Entscheidung für Amberg nicht bereuen.
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