Statistik spricht klare Sprache
Fast immer Platz in Parkgaragen

Auch die Auslastung der Tiefgarage am Ziegeltor, sagen die Stadtwerke, ist "deutlich steigerungsfähig". Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
19.07.2016
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Die Entwicklung des Bürgerspitalgeländes und des angrenzenden Forums ist ein Kernanliegen des Stadtrats. Dafür sollen unterirdisch neue Parkmöglichkeiten entstehen. Doch Statistiken zeigen: Die bestehenden vier Tiefgaragen bieten auch zu Spitzenzeiten immer Platz.

In der Vilsstadt gibt es vier Tiefgaragen: Eine am Bahnhof, eine am Stadttheater, eine am Kurfürstenbad und eine am Ziegeltor. Für die beiden letzteren sind die Stadtwerke verantwortlich, für Bahnhof- und Theatergarage die Stadtbau. Die städtischen Tochtergesellschaften stellten der Redaktion Zahlen zur Auslastung ihrer Tiefgaragen im Monat Juni zur Verfügung.

Bahnhofsgarage nie voll


Laut Statistik der Stadtbau parken in der Bahnhofsgarage vor Beginn der Arbeitszeit kaum Fahrzeuge. Dann liegt die Auslastung im einstelligen Bereich. Im Laufe des Vormittags steigt die Zahl der Parker an, bis sie gegen Mittag ihren Höhepunkt erreicht. Für eine Stunde parken dann so viele Autos in der Garage, dass sie zu etwa 75 Prozent besetzt ist. Mit anderen Worten: Selbst zu Spitzenzeiten bleibt dort jeder vierte Parkplatz unbesetzt. Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache: Derzeit fände jeder, der in der in Innenstadt parken möchte, einen Parkplatz in der Bahnhofsgarage. Vor 9 Uhr und nach 15 Uhr fällt die Parkplatzbelegung auf unter 50 Prozent. In der Nacht parkt kaum jemand dort.

Wesentlich beliebter bei den Autofahrern ist die Theatergarage: Dort sind um die Mittagszeit fast alle Plätze belegt. Im Juni dauerte es laut Statistik der Stadtbau fast immer bis 17 Uhr, bis wieder die Hälfte der Parkplätze frei geworden ist.

Für die Parkgaragen am Ziegeltor und am Kurfürstenbad wertete Günter Schwarzer, bei den Stadtwerken zuständig für Bäder und Tiefgaragen, die Auslastung aus. Das Parkhaus am Ziegeltor hat 275 Stellplätze. Schwarzers Angaben zufolge fahren dort werktags etwa 200 Autos hinein. Im Juni hätten 42 Prozent der Nutzer die Garage bereits nach weniger als einer Stunde wieder verlassen. 85 Prozent blieben höchstens drei Stunden. "So bekommen sie das Parkhaus natürlich nie voll."

Ähnlich schwach angefahren wird die Tiefgarage am Kurfürstenbad. Allerdings sorgten dort Kongresszentrum und Hallenbad für Schwankungen: "Wenn das Kurfürstenbad voll ist, ist auch die Tiefgarage voll", erläutert Schwarzer. Laut Auskunft von Stadtwerke-Sprecherin Karoline Gajeck-Scheuck sind beide Tiefgaragen ganzjährig nur zu 40 bis 60 Prozent besetzt. Sie hält deren Auslastung für "deutlich steigerungsfähig".

Wesentlich stärker nachgefragt werden die ebenerdigen Parkplätze in den Straßen der Altstadt. Referent Bernhard Mitko, dem das Straßenverkehrsamt untersteht, schätzt, dass sie im Schnitt zu 80 Prozent belegt sind. "Sie sind aber nicht ständig komplett voll. Das hängt von der Jahres- und Tageszeit ab." Genau ließe sich die Auslastung nicht beziffern. "Sie ist aber auf jeden Fall sehr deutlich über 50 Prozent."

Emotionale Diskussion


"Die Diskussion über Parkplätze ist emotional", sagt Betriebsleiter Schwarzer. Er spekuliert über die Gründe, warum etwa die Ziegeltorgarage nicht so gut genutzt wird: "Wir hatten im November 2014 eine Aktion, da konnten die Autofahrer dort kostenlos parken. Da war die Parkgarage 20 Prozent stärker ausgelastet." Einen nachhaltigen Effekt für die Adventszeit habe das nicht gehabt. Die Auslastung sei danach wieder auf den alten Wert zurückgefallen.

"Das Problem ist: Die Tiefgarage befindet sich außerhalb der Stadtmauer. Gehen Sie mal im Finsteren da raus. Da müssen Sie durch den Stadtgraben", machte Schwarzer klar. Im Dunkeln gingen die Leute nicht gerne dorthin, so Schwarzer. Außerdem gebe es in dieser Richtung immer weniger Einzelhandel. Der Bau von Parkplätzen sei auch immer eine Frage der Ansprüche und Vorstellungen eines Geldgebers: "Wenn der Investor sagt, ich brauche einen Parkplatz vor der Haustür, dann können sie ihm das nicht mit Zahlen widerlegen."

Nicht unnötig umgraben


Angemerkt von Dominik Konrad

Gut, dass die Parkgarage unter der Bahnhofstraße noch nicht gebaut worden ist. Sonst hätte man sich vielleicht in ein paar Jahren folgende Frage stellen müssen: "Warum hat damals eigentlich keiner nachgerechnet?" Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass eine fünfte Amberger Tiefgarage dasselbe Schicksal ereilen würde, wie ihre vier älteren Geschwister: Sie würde nicht richtig voll werden. Im Gegenteil, sie würde den anderen die Nutzer sogar wegnehmen.

Warum sind die Tiefgaragen so unbeliebt? Sind sie zu teuer? Haben sie ein Vermarktungsproblem? Parken die Amberger nicht gerne unterirdisch? Diese Fragen müssten beantwortet werden.

Oberbürgermeister Michael Cerny sagte vergangene Woche bei einem Treffen mit der tourismuspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die Stadt habe Glück gehabt, dass sie es sich nach dem Krieg nicht leisten konnte, alles abzureißen und überall Betonbauten hinzustellen.

Sparen wir uns doch auch diesen Betonbau. Suchen wir nach intelligenten, kleinräumigen Lösungen für die Innenstadt und überzeugen auch die Investoren. Sparen wir es uns, die Fußgängerzone metertief umzugraben.

dominik.konrad@derneuetag.de




Tiefgarage: Das sagt der GutachterDer Stadtentwickler Dr. Stefan Leuninger hat sich im Jahr 2011 wissenschaftlich mit der Entwicklung der Amberger Innenstadt auseinandergesetzt. "Der Stadtrat hat damals unser Standort- und Sortimentskonzept überwiegend gutgeheißen", erklärt der Diplom-Geograph. "Es gab ja auch einen förmlichen Beschluss." Forum und Bürgerspital seien genau die richtigen Fokusstandorte für die Innenstadtentwicklung, bestätigt Leuninger.

"Ich habe aber damals gesagt, wir brauchen dort keine zusätzliche Tiefgarage. Trotz der Zunahme an Verkaufsfläche bekommen wir es mit den Stellplätzen hin." Höchstens eine Quartiersgarage sei denkbar. Unterirdische Parkplätze für Anwohner seien spannend. Sie erhöhten die Attraktivität der Innenstadt als Wohnort.

"Wir haben damals städtebaulich keine Lösung gesehen, ein Parkhaus überhaupt anfahrbar zu machen." Es gebe ja auch so viel Parkraum in direkter Nähe des Zentrums. "Die Stellschrauben zur Steigerung der Attraktivität der Innenstadt liegen woanders: zum einen am Sortiment der Einzelhändler, zum anderen an einer Optimierung des Parkleitsystems."
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