Stiller Wechsel an hoher Stelle
Kurt Rammelt geht - Peter Möbius wird neuer Leiter der Justizvollzugsanstalten in Amberg

Der Wechsel an der Spitze der beiden Justizvollzugsanstalten Amberg und Weiden ist vollzogen (von links): Ministerialdirigent Peter Holzner, Justizminister Winfried Bausback, Leitender Regierungsdirektor a. D. Kurt Rammelt, Regierungsdirektor Peter Möbius und Ministerialdirektor Frank Arloth. Bild: Huber
Politik
Amberg in der Oberpfalz
04.05.2015
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Es ist kein ungezwungenes Verhältnis, das der Justizvollzug und dessen öffentliche Wahrnehmung pflegen. Das schweißt zusammen. "Liebe Vollzugsfamilie" begrüßte wohl auch deshalb Justizminister Winfried Bausback eine hochrangige Festgesellschaft.

Sie war am Montag im Historischen Rathaussaal zusammengekommen, um den bisherigen Leiter der beiden Justizvollzugsanstalten (JVA) Amberg und Weiden, Kurt Rammelt, zu verabschieden und seinen bisherigen Stellvertreter Peter Möbius als Nachfolger ins Amt einzuführen. Stattgefunden hat dieser Wechsel bereits zum 1. März und Rammelt ist schon Leitender Regierungsdirektor a. D.. Doch mitfeiern wollten noch viele. 36 Jahre im Justizvollzugsdienst und 23 Jahre Leiter der beiden Anstalten in Amberg (rund 580 Gefangene) und Weiden (130) kennzeichneten das berufliche Leben des Juristen, dem dieser Aufgabenbereich von Anfang an auf den Leib geschnitten zu sein schien.

"Große Fußstapfen" bleiben zurück

So beschrieb es Rammelt jedenfalls selbst. Verantwortung tragen, aber eher im Verborgenen und nicht auf dem (Re-)Präsentierteller. Aus der Sicht des Justizministers ist das dem ausgeschiedenen Anstaltsleiter mit "unermüdlichem, unerschütterlichem und vorbildhaftem persönlichen Einsatz" bestens gelungen. Bausback sparte nicht mit Lob, sprach davon, dass Rammelt "das Amt in hervorragender Weise ausgefüllt hat", und brachte den jetzigen Pensionär damit sichtlich etwas in Verlegenheit. Doch die ministeriell attestierten "großen Fußstapfen", die der ausgeschiedene Anstaltsleiter hinterlasse, dürften das wieder wettgemacht haben. 44 Millionen Euro wurden während Rammelts Zeit in die beiden von ihm verantworteten JVAs baulich investiert, merkte der Justizminister an, um eine "vorzügliche Karriere" zu umschreiben.

Steter Interessenkonflikt

Bausback beschrieb den Justizvollzug als einen schwierigen Balanceakt zwischen dem Anspruch der Gesellschaft auf Sühne und Sicherheit auf der einen und dem Anspruch eines Straftäters auf Resozialisierung auf der andern Seite. Das bedeute oft eine Gratwanderung, bedauerte der Minister, weil sich beide Pole häufig mit Vorurteilen begegnen würden. Doch gerade in Amberg habe es Rammelt geschafft, ein "ausgewogenes Verhältnis von administrativer, instrumenteller und sozialer Sicherheit" zu schaffen und zu gewährleisten. Was damit gemeint gewesen sein dürfte, konkretisierte abschließend noch einmal der bisherige Anstaltsleiter anhand von Zahlen. In den zurückliegenden zehn Jahren seien über 13 000 Freigänge von Strafgefangenen genehmigt worden, nur 0,28 Prozent seien schief gegangen. Angesichts von über 10 000 gewährten Urlauben liege diese Ziffer bei 0,4 Prozent. Rammelt räumte aber auch ein: "Ich habe mich tagtäglich gewundert, dass so wenig passiert."

Bestens vertraut

Für die beiden JVA-Beiräte ergriffen die zwei Landtagsabgeordneten Reinhold Strobl (Amberg) und Anette Karl (Weiden) das Wort und beschrieben diese Gremien als wichtige Vermittler zwischen den unterschiedlichen Interessenslagen in und rund um die Anstalten. Rammelts Nachfolger, sein Stellvertreter Peter Möbius, ist seit 1991 mit den hiesigen Verhältnissen vertraut und setzt auf eine Fortsetzung des reibungslosen Verhältnisses der Vollzugsanstalten zu ihrem jeweiligen Umfeld sowie den Standortkommunen Amberg und Weiden.
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