Streit um Zukunft der VHS
"Absurd und grotesk"

Politik
Amberg in der Oberpfalz
16.06.2016
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"Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Man kann das aber schon erreichen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Schule durch geschickte Organisation immer wieder freie Räume schaffen kann." Zitat: Josef Lorenz (Amberger Bunt), ehemaliger Leiter der Wirtschaftsschule

Die Gruppierung Amberger Bunt möchte den Standort Wirtschaftsschule in der Innenstadt mit einem VHS-Zentrum aufwerten. Stadtrat Josef Lorenz lässt nicht locker. Im Schul- und Sportausschuss wiederholte er diesen Vorschlag und fiel damit glatt durch. Bürgermeister Martin Preuß bezeichnete die Idee sogar als absurd und grotesk.

CSU-Stadträtin Michaela Frauendorfer hatte von dem Antrag der Bunten in der Amberger Zeitung gelesen und nutzte die Sitzung im Rathaus, um sich von Josef Lorenz die Hintergründe des Gedankenmodells erklären zu lassen.

Auf 23 Standorte verteilt


Der einstige Leiter der Wirtschaftsschule (1998 bis 2013) sprach davon, dass die VHS in ihrem bisherigen Domizil im Raseliushaus unterrepräsentiert und viel zu weit weg vom Schuss sei. Zudem könne es sich nicht sein, dass die Bildungsstätte an 23 Standorten übers Stadtgebiet verteilt sei. Das müsse sich ändern. "Das geht natürlich nicht von heute auf morgen", sagte Lorenz, fügte aber hinzu: "Man kann das aber schon erreichen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Schule durch geschickte Organisation immer wieder freie Räume schaffen kann." Zu seiner Zeit seien die Kapazitäten erschöpft gewesen, doch dank der laufenden Erweiterung sehe er keine Probleme: "Die Ressourcen sind in der Wirtschaftsschule künftig nicht mehr knapp."

42 Kurse am Vormittag


Bürgermeister Martin Preuß (CSU), der die Sitzung leitete, hörte aufmerksam zu und wartete lange, bis er sich meldete, um dann umso deutlicher zu werden: "42 VHS-Kurse finden am Vormittag statt. In der Schule ist das nicht möglich. Das ist so nicht machbar. Das halte ich für überhaupt nicht realisierbar."

Kultur- und Schulreferent Wolfgang Dersch lag mit Preuß auf einer Wellenlänge: "Das passt aus unserer Sicht überhaupt nicht zusammen." Preuß warnte Lorenz im weiteren Verlauf der Sitzung sogar davor, falsche Signale zu senden: "Zu suggerieren, dass man das in der Wirtschaftsschule einfach so bewerkstelligen kann. Das ist absurd, das ist grotesk." Bei der Regierung, die den Bau bezuschusst, könnte der Eindruck entstehen, dass die Schule überdimensional geplant worden sei. Davon könne jedoch keine Rede sein: "Ich bin überrascht, dass man das überhaupt so sehen kann. Was wir haben, ist ein gewissenhaft auf die Schule abgestimmtes Programm."

Die Diskussion beendete Norbert Fischer, Vorsitzender des Stadtverbandes für Sport, der zu seiner aktiven Zeit als Kulturreferent auch für die Volkshochschule zuständig war: "Wenn ich mich recht erinnere, hat es doch immer geheißen, dass die VHS in das Stadtarchiv zieht, wenn der Dr. Laschinger in den Schießl-Stadl wechselt. Das ist doch eine wunderbare Lösung." Er gebe Lorenz recht, dass die Volkshochschule räumlich und optisch eine Aufwertung benötige. Mit der Verlegung in die bisher als Archiv genutzten Räume wäre aber genau das der Fall.

Noch kein Beschluss


Eine Nachfrage bei Pressesprecherin Susanne Schwab ergab, dass diese Variante im Rathaus mehrfach besprochen worden sei und auch favorisiert werde, aber: "Es gibt noch keinen Beschluss." (Kommentar)

Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Man kann das aber schon erreichen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Schule durch geschickte Organisation immer wieder freie Räume schaffen kann.Josef Lorenz (Amberger Bunt), ehemaliger Leiter der Wirtschaftsschule
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