Thema Flüchtlinge: Keiner kommt
Podiumsdiskussion ohne Podium

"Aschermittwoch geht schon mal gar nicht." Reinhold Strobl (SPD) über die Terminplanung
Politik
Amberg in der Oberpfalz
12.02.2016
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Der Abend versprach, interessant zu werden. Firmenchefs sollten erfahren, wie ihre Betriebe von Flüchtlingen profitieren können. Der Einladung war aber nur eine Handvoll Neugieriger gefolgt. Auch von den angekündigten Politikern fehlte jede Spur. Dafür kamen gleich zwei Vertreter der AfD.

In ganz Deutschland 270 000 Mitglieder und Interessensvertreter von rund neun Millionen Beschäftigten - so bedeutend hatte Paul Spranger den Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) angekündigt und zur von ihm organisierten Podiumsdiskussion in ein Restaurant am Stadtrand eingeladen. Die Liste der verkündeten Gäste war nicht minder beeindruckend - CSU-Bundestagsabgeordneter Alois Karl, SPD-Landtagsparlamentarier Reinhold Strobl, Patrick Meinhardt aus Baden-Baden (ehemaliger Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion) und Petr Bystron, Landesvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD).

Doch zur Vorstellung politischer Positionen und zum Austausch von Argumenten kam es am Mittwochabend gar nicht erst. Von den in der Einladung versprochenen Informationen für "befreundete Unternehmen" ganz zu schweigen. Das Podium blieb komplett leer, nur die AfD schickte Personal: Hansjörg Müller, den Gründer des AfD-Mittelstandsforums, und ein weiteres Mitglied, nicht aber Bayern-Chef Bystron. Die Folge: Die meisten Gäste gingen, andere blieben zum Essen oder fachsimpelten miteinander an der Bar.

Schnee und Fußball


Am Tag danach war Spranger klar, warum seine Veranstaltung zum Scheitern verurteilt war: "Ein Grund war das schlechte Wetter. Es war vielen Leuten unmöglich, zu kommen. Und das Zweite war das Fußballspiel" - sprich das im Fernsehen übertragene Pokalspiel des FC Bayern München in Bochum. Außerdem seien "gewisse Gerüchte" im Umlauf gewesen, dass wegen des Bad Aiblinger Zugunglücks mit elf Toten am Mittwoch alle politischen Treffen ausgefallen seien. Während Reinhold Strobl abgesagt habe, sei Alois Karl unentschuldigt ferngeblieben.

Ein enttäuschter Paul Spranger ("Ich hatte mir das alles anders gewünscht") sparte gegenüber unserer Zeitung nicht mit Kritik und vermutete: "Die CSU hat sich nicht mit der Priorität für das Thema interessiert, wie das die Leute empfinden." Auch die anderen Parteien würden sich von der Flüchtlingsproblematik verabschieden. In der Bevölkerung gebe es aber Bedenken: "Die sind da."

Die Abwesenheit von Alois Karl ist schnell erklärt. In seinem Büro hieß es, dass er bei dem von ihm gestalteten Politischen Aschermittwoch in Mühlhausen bei Neumarkt Hauptredner gewesen sei: "Er hatte keinen Termin in Amberg." Weil Karl vom BVMW bereits für 27. Januar zu einer identischen Veranstaltung in Berlin eingeladen worden war und diese abgesagt hatte, sei das Treffen am Mittwochabend schlicht übersehen worden: "Wir haben uns tatsächlich nicht entschuldigt. Das stimmt." Auf dem Podium blieb auch der Platz von Reinhold Strobl frei, der ein Problem mit dem Termin hatte: "Aschermittwoch geht schon mal gar nicht."

Bei Marianne Schieder


Der Landtagsabgeordnete weilte bei einer Parteiveranstaltung in Ursen-sollen, bei der Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder auftrat. Dass er trotz seiner Absage in der am Tag vor dem BVMW-Treffen an die Medien verschickten Einladung als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion genannt wurde, wundert den Schnaittenbacher: "Ich habe mit diesem Verband bisher auch nichts zu tun gehabt." Der in Berlin ansässige Bundesverband mittelständische Wirtschaft ließ am Freitag über einen Sprecher mitteilen, dass die Veranstaltung keineswegs abgesagt worden sei: "Die, die da waren, haben sich zusammengesetzt und geredet."

Natürlich sei der Verlauf anders geplant gewesen. Wären die 200 Leute, die Organisator Spranger erwartet hatte, tatsächlich gekommen, "hätte die Veranstaltung mit 200 Personen stattgefunden" - nur dann eben ohne Politiker-Podium.

Aschermittwoch geht schon mal gar nicht.Reinhold Strobl (SPD) über die Terminplanung


Wir haben uns tatsächlich nicht entschuldigt. Das stimmt.Mitteilung aus dem Büro von Alois Karl


Die Veranstaltung wurde nicht abgesagt. Die, die da waren, haben sich zusammengesetzt und geredet.Ein Sprecher des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft
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