Tiefgaragen-Diskussion: Oberbürgermeister Michael Cerny bezieht Stellung
"Entwurf bewusst hässlich"

Die Grafik, die die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt zur Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße präsentiert hat, will Oberbürgermeister Michael Cerny nicht unkommentiert stehen lassen. Bild: Steinbacher
Politik
Amberg in der Oberpfalz
29.04.2016
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Das ist eine demokratische Entscheidung. Die sollte man so akzeptieren, wie immer man dazu stehen mag.

Oberbürgermeister Michael Cerny tritt bei der Tiefgaragen-Diskussion auf die Bremse. Die Planung sei längst noch nicht abgeschlossen, betont er, und wirft der IG Menschengerechte Stadt Stimmungsmache vor.

"Beim Wettbewerb hat es bereits deutlich kreativere Varianten gegeben", erklärt der Rathauschef, nachdem die Interessengemeinschaft (IG) Menschengerechte Stadt eine Fotomontage zur geplanten Tiefgaragenzufahrt in der Bahnhofstraße präsentiert hatte. "Würde mir jemand so einen Entwurf für eine Abfahrt an der Stelle bringen, würde ich ihn wieder heimschicken."

Ein Kompromiss


Er habe Verständnis dafür, dass nicht jeder mit einer Abfahrt in diesem Bereich einverstanden ist, sagt Cerny. "Ehrlich gesagt, ist der Entwurf aber vermutlich bewusst hässlich ausgefallen, um Stimmung zu machen." Der Oberbürgermeister betont, dass es sich bei der sich abzeichnenden Lösung um einen Kompromiss handelt. "Wir hatten gehofft, den Stellplatzbedarf für Forum und Bürgerspital mit einem großen Parkdeck auf dem Multifunktionsplatz lösen zu können. Das Modell hat aber gezeigt, dass die notwendige Dimension dort tatsächlich ein Monstrum vor der historischen Altstadt geworden wäre." Die Frage, ob das unterirdische Parkhaus auf dem Bürgerspitalgelände öffentlich oder von Anwohnern genutzt wird, erübrige sich insofern, dass ein "nutzungsabhängiger Stellplatznachweis" erforderlich ist. Geschäfte und Dienstleister, die die Gebäude auf dem Areal beziehen, müssen in der Tiefgarage Kundenparkplätze vorweisen. "Bereits im Wettbewerb hat der Stadtrat sechs mögliche Alternativen zur Erschließung angeboten. Alle Investoren halten die Variante über die Bahnhofstraße für die bestmögliche."

Immer Herr des Verfahrens


Der Stadtrat sei immer Herr des Verfahrens gewesen und stelle auch weiterhin die Weichen. Er lege fest, welches Angebot den Zuschlag erhält. Cerny: "Die konkrete Erschließung muss dann natürlich im Rahmen des zu ändernden Bebauungsplanes festgelegt werden." Hier würden auch weitere Prüfungen vorgenommen sowie die Öffentlichkeit und die Träger öffentlicher Belange beteiligt. Dennoch sieht Cerny auch Gemeinsamkeiten mit der Interessengemeinschaft. "In der Intention, unsere Altstadt lebendig zu erhalten und alles zu tun, damit wir einen lebendigen Mix aus Handel, Gewerbe, Gastro und Wohnen in der Innenstadt haben, sehen wir uns als Stadt auf einer Linie mit der IG."

Würde mir jemand so einen Entwurf für eine Abfahrt an der Stelle bringen, würde ich ihn wieder heimschicken.Oberbürgermeister Michael Cerny


Das ist eine demokratische Entscheidung. Die sollte man so akzeptieren, wie immer man dazu stehen mag.SPD-Fraktionsvorsitzende Birgit Fruth


Die Bahnhofstraße lässt genügend Spielraum für kreative und attraktive Planungen.Rupert Natter, stellvertretender Vorsitzender der CSU-Fraktion


Die beiden großen Fraktionen im Stadtrat stehen weiterhin zu den Ergebnissen des "wettbewerblichen Dialogs", der zur Wiederbelebung des Bürgerspital-Areals mit verschiedenen Investoren geführt worden war. Eines der Resultate ist die Grundsatzentscheidung, dass die Erschließung der Tiefgarage von der Bahnhofstraße aus erfolgen soll.

"Aus vielen Gesprächen mit Bürgern, Besuchern und Einzelhändlern wissen wir, dass weitere Parkmöglichkeiten innerhalb der Stadtmauern gewünscht sind", erklärt der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Fraktion, Rupert Natter. "Die Bahnhofstraße lässt genügend Spielraum für kreative und attraktive Planungen." Mit der gezeigten Fotomontage werde offensichtlich ein bestimmter Zweck erfüllt.

"Wir wünschen uns gemeinsam mit vielen anderen mehr Frequenz und endlich wieder eine florierende Entwicklung in diesem Teil der Altstadt. Ausreichende, attraktive Parkplätze sind ein wichtiger Teil davon." Der Tiefgaragenbau ist für Natter auch unter dem Aspekt des demografischen Wandels zu sehen. Die Innenstadt müsse auch für ältere Menschen, die nicht mehr so weit zu Fuß gehen können, bequem zu erreichen sein.

SPD-Fraktionschefin Birgit Fruth rät allen Kritikern, die konkreten Planungen abzuwarten. Wie genau die Tiefgaragenzufahrt gestaltet und in das städtebauliche Umfeld eingebunden werden soll, stehe ja noch überhaupt nicht fest. Fruth betont aber, dass sich der Stadtrat mehrheitlich klar für die Einfahrt an dieser Stelle positioniert hat. "Das ist eine demokratische Entscheidung. Die sollte man so akzeptieren, wie immer man dazu stehen mag", sagt sie.

"Wir wollen, dass in diesem Bereich der Altstadt endlich etwas vorangeht", beschreibt sie die Haltung ihrer Fraktionskollegen. "Wie die Tiefgaragenzufahrt genau aussieht, darüber wird noch zu reden sein."
2 Kommentare
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Ulrich Kreillinger aus Amberg in der Oberpfalz | 30.04.2016 | 09:19  
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Stefan Reuther aus Amberg in der Oberpfalz | 30.04.2016 | 11:10  
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