Trauer um Karl Seegerer
Ein Leben für die Feuerwehr

Karl Seegerer war einer der letzten Zeitzeugen des Fliegerangriffs auf das Amberger Heereszeugamt 1945: Unser Archivbild entstand 2005, als der ehemalige Chef der Münchener Berufsfeuerwehr der AZ von diesem prägenden Erlebnis aus seiner Jugend erzählte. Archivbild: Hartl

Schon als Bub war er bei der Feuerwehr ganz vorne dabei: Karl Seegerer hat 1945 den Luftangriff auf das Heereszeugamt überlebt. Und Jahrzehnte später den Einsatz nach dem Oktoberfest-Attentat in München geleitet. Ein Leben für die Feuerwehr - jetzt ist es zu Ende gegangen.

Der gebürtige Amberger wurde 86 Jahre alt, morgen wird er beerdigt. Auch wenn er schon lange nicht mehr hier gelebt hatte - die Verbindung zu seiner Heimatstadt hat Karl Seegerer nie abreißen lassen. Insbesondere, wenn seine Amberger Kameraden etwas zu feiern hatten, war er zur Stelle - beispielsweise beim großen Deutschen Jugendfeuerwehrtag 2009 oder auch gerade erst wieder, um an der Chronik zum 150-Jährigen der Amberger Wehr mitzuarbeiten. Nicht nur hier hat Seegerer Spuren hinterlassen.

Lebenswerk von Karl Seegerer

1955 war er der erste Brandreferendar der Nachkriegszeit in Köln, 1965 übernahm er die Leitung der Berufsfeuerwehr München. Eine Herzensangelegenheit war es für ihn damals, die schnelle und optimale Versorgung von Unfallopfern noch vor Ort zu organisieren: Seegerer kämpfte um die Einrichtung eines allgemeinen Notarztdienstes. Und er hatte Erfolg: Am 30. März 1966 läutete der erste Notarzteinsatz eine neue Epoche in der Unfallmedizin ein - die Grundlage für den "gemeinsamen Notarztdienst der Landeshauptstadt und des Landkreises München" mit neun Standorten.

An einen seiner spektakulärsten Einsätze wurde Seegerer gerade erst in den vergangenen Wochen durch aktuelle Schlagzeilen erinnert: Er leitete 1980 die Rettungsarbeiten nach dem Bombenanschlag auf dem Oktoberfest. In vorderster Reihe dabei war der Amberger als Retter auch, nachdem 1960 ein US-Militärflugzeug in München den Turm der Paulskirche gestreift hatte und abgestürzt war - mitten im Stadtzentrum, auf eine Trambahn. Ein Unfall, der damals 52 Menschenleben forderte. "Und die Rettungstechnik verändert hat", wie Seegerers Neffe, Ambergs Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer, weiß. Sein Onkel habe durch sein berufliches Engagement, aber auch durch seinen Einsatz in vielen Gremien und Organisationen "viel bewegt" - und so unter anderem eine praktikable und einheitliche Ausrüstung für die Feuerwehren erreicht.

Vielfach gewürdigt

Karl Seegerers Arbeit wurde vielfach gewürdigt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und dem Bayerischen Verdienstorden. Die Feuerwehr war aber nicht nur Seegerers Beruf(ung), sondern beschäftigte ihn auch in seiner Freizeit: Sein Hobby war die Geschichte der Feuerwehrtechnik. Während seiner Dienstzeit sammelte er historische Einsatzfahrzeuge - mit dem Ziel, ein eigenes Museum zu bestücken. Diesen Wunsch konnte sich Seegerer nicht mehr erfüllen. Zumindest nicht in der Form, wie er es sich vorgestellt hatte. Aber er war daran beteiligt, das bayerische Feuerwehrmuseum Waldkraiburg 2012 auf die Beine zu stellen. Es hat den Oberbranddirektor a. D. noch zu Lebzeiten geehrt und erinnert daran sowie ganz aktuell auf seiner Internetseite (www.feuerwehrmuseum-bayern.de) auch mit einem Nachruf an seinen großen Förderer. Dieser wird morgen in Unterhaching beerdigt - in der Stadt, in der er seinen Ruhestand verbracht hat.
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