Unterstützung für 24-Stunden-Streik der Flüchtlingshelfer auch aus der Oberpfalz
Ehrenamtliche haben die Nase voll

"Es ist schon ekelhaft, was die Herren Söder oder Scheuer so ablassen." Zitat: Werner Konheiser, Vorsitzender der Initiative "Amberg hilft Menschen"
Politik
Amberg in der Oberpfalz
30.09.2016
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Weiden/Amberg. Es ist ein Hilferuf aus Landsberg am Lech, der bis in die Oberpfalz hallt: Die Initiative "Integrationshilfe LLäuft" ruft für den heutigen Samstag zu einem 24-stündigen Warnstreik der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe auf. Um 11 Uhr startet die Aktion mit einer Kundgebung auf dem Hauptplatz der oberbayerischen Stadt. Die Solidarität ist enorm.

"Flüchtlings-Bashing"


Die Initiatoren haben die Nase voll vom "Flüchtlings-Bashing" und von immer neuen Gesetzen, die ihr Engagement zunehmend schwieriger machen. "Diese unsägliche Stimmungsmache gegen die Geflüchteten, die dekadente Diffamierung unserer Neubürger seitens der Herren Scheuer, Söder, Seehofer sabotieren zusätzlich unsere Arbeit", meint der Landsberger Vereinsvorsitzende Raffael Sonnenschein. "Da wird der Bevölkerung Angst eingejagt und uns die Arbeit unmöglich gemacht. Wir müssen doch an die Türen klopfen, um Ausbildungs- oder Arbeitsplätze für die Leute zu finden," sagte er gegenüber der "Abendzeitung" (München). Anstelle von Panikmache verlangen die Helfer Unterstützung vom Staat - für sich und die Geflüchteten. Ein "Integrationskonzept, das von A bis Z durchdacht ist", Finanzspritzen für Projekte und Infrastruktur von Helfer-Vereinen, mehr Deutschkurse, Integrationskurse nicht nur für Menschen mit einer guten Bleibeperspektive und ein Mitspracherecht bei politischen Entscheidung.

Auf der Facebook-Seite der Veranstalter haben sich Künstler wie Nina Hagen, Konstantin Wecker und "Erwin Pelzig" Frank-Markus Barwasser solidarisch mit den Ehrenamtlichen erklärt. Der Bayerische Flüchtlingsrat, der Verein "Münchner Freiwillige - Wir helfen", die Bayern-SPD und -Linke sowie Initiativen aus dem gesamten Bundesgebiet unterstützen die Aktion. Vor allem aber machen etliche Ehrenamtliche in Beiträgen ihrem Ärger Luft. "Wir haben Solidaritätsschreiben von mehr als 100 Helferkreisen bekommen", sagt Sonnenschein. "

Zu den Unterstützern zählt auch Werner Konheiser von der Initiative "Amberg hilft Menschen". Es gehe darum ein Zeichen zu setzen, der Warnstreik sei eher symbolisch gemeint, sagt er unserer Zeitung: "Wir sind für Flüchtlinge im Dauereinsatz. Viele Ehrenamtliche fühlen sich in ihrer Arbeit nicht anerkannt. Wir müssen diese Leute immer wieder neu motivieren." Konheiser beklagt die "Feigenblatt-Politik": "Es ist schon ekelhaft, was die Herren Söder oder Scheuer so ablassen." Diese sprächen aber nicht die gesamte CSU, ist sich der Amberger sicher: "Bei uns arbeiten schließlich auch viele CSU-Mitglieder mit."

"Zunehmend Gegenwind"


Der Arbeitskreis Asyl in Sinzing (Kreis Regensburg) meint in einem Solidaritätsschreiben: "Wir verspüren bei unserer Arbeit zunehmen Gegenwind durch verschärfte Regelungen und Gesetze, die unserem engagierten ehrenamtlichen Mitarbeitern ihren Einsatz erschweren und vor allem ihre Motivation untergraben." Vor Ort erfahre der Arbeitskreis durchaus wirksame Unterstützung durch die Kommune. "Je weiter man aber die Wege unserer Bürokratie beschreiten muss, desto weiter entfernt man sich von den hilfebedürftigen Menschen, denen wir uns freiwillig verantwortlich fühlen."

Es ist schon ekelhaft, was die Herren Söder oder Scheuer so ablassen.Werner Konheiser, Vorsitzender der Initiative "Amberg hilft Menschen"


Streit um Empfang für FlüchtlingshelferIm Landtag gibt es Streit um einen für diesen Samstag geplanten Empfang für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer. Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) wies Kritik der Grünen und vereinzelte Boykottankündigungen zurück. Sie finde es "bedauerlich", dass "von einer Fraktion dieses Hauses" Stimmung gemacht worden sei. "Und das halte ich einfach nicht für gut. Mir braucht man keinen Nachhilfeunterricht zu geben, was es bedeutet, die Wertschätzung von Ehrenamtlichen zu sehen und sie auch zu unterstützen in ihrer großartigen Tätigkeit." Zudem betonte Stamm, es sei ein Empfang des Landtags, sie handle als Landtagspräsidentin. Tatsächlich haben Staatsregierung und CSU damit nichts zu tun. Nach den umstrittenen Äußerungen von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer über Asylbewerber aus dem Senegal hatte Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause gesagt: "Der Ehrenamtsempfang ist eine Farce, wenn es keine klare Distanzierung der CSU-Parteispitze von den Scheuer-Worten gibt."

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete von einzelnen Flüchtlingshelfern, die dem Empfang aus Protest fern bleiben wollen. Stamm betonte: "Das ist nicht nur ein Dankeschön, sondern es ist vor allen Dingen auch ein Anhören der Ehrenamtlichen: Wo haben sie Probleme, wo fühlen sie sich zu wenig eingebunden?" Es werde sicher auch kritische Stimmen geben. (dpa)
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