Urteilsspruch: Lebenslang
Richter: "Es war Mord"

Politik
Amberg in der Oberpfalz
11.04.2015
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Das Amberger Schwurgericht schickt den 47-jährigen Weidener Hermann K. nach neuntägigem Prozess wegen Mordes lebenslang hinter Gitter. In der Nacht zum 11. Februar 2014 hatte der Gelegenheitsarbeiter seine Ehefrau (38) mit 53 Messerstichen in Schnaittenbach getötet.

Aus seiner Reaktion sprachen Frust über das Urteil und tiefe Verachtung gegenüber allen, die seinem Prozess beiwohnen mussten. Als Hermann K. hinausgeführt wurde, wuchtete er plötzlich seine gefesselten Hände zur Seite und schlug einer Reporterin die Kamera aus der Hand. Eineinhalb Stunden zuvor hatte das Schwurgericht mit einem Schuldspruch wegen Mordes und damit einhergehend der Verurteilung zu lebenslanger Haft seine Beteuerungen durchkreuzt, er habe im Affekt gehandelt.

Bewusstseinsstörung und ein "Blackout"? Die Schwurgerichtsvorsitzende Roswitha Stöber brandmarkte Hermann K. als einen Täter, "der heimtückisch gehandelt hat." 90 Minuten lang beleuchtete die Richterin das Geschehen vor, während und nach der Bluttat in Schnaittenbach (Kreis Amberg-Sulzbach). Seine Ehefrau habe sich trennen wollen und dies auch deutlich zum Ausdruck gebracht, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Ehe sei nicht mehr zu kitten gewesen. Doch K. habe das wohl nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

Dann kam die Nacht zum 11. Februar letzten Jahres. Heike K., die sich einem anderen Mann zugewandt hatte, kehrte in das Haus an der Rosenbühlstraße zurück. Lieferte sie dort ihrem Ehemann einen Grund zu dessen mit mehreren Messern ausgeführten Attacke? Hielt sie selbst plötzlich ein Küchenmesser in der Hand, um Hermann K. zu bedrohen? Das Schwurgericht verneinte diese Fragen. "Sie war arg- und wehrlos", hieß es. Erzählte die Frau ihrem Mann vor dem Übergriff Einzelheiten aus dem Intimleben mit ihrem Liebhaber, wie es der Täter behauptete? Das, meinte die Richterin, habe nicht stattgefunden.

Voll schuldfähig

"Was der Angeklagte hier erzählt hat, lässt sich mit den Spuren nicht in Einklang bringen", unterstrich Roswitha Stöber und wandte sich dann der Frage zu, ob das Verbrechen als Mord oder Totschlag einzustufen gewesen sei. "Er hatte einen Tötungsvorsatz", sagte sie und attestierte dem 47-Jährigen volle Schuldfähigkeit. "Er war wütend, doch nach der Tat zeigte sich bei ihm keine Erschütterung." Im Gegenteil: "Das passiert mit Menschen, die lügen und betrügen", habe Hermann K. gegenüber einem Polizeibeamten gesagt.

"Die wehrlose Lage des Opfers ist von ihm ausgenutzt worden", beschrieb die Gerichtsvorsitzende das sich über längere Zeit hinziehende Geschehen in mehreren Räumen der Wohnung. "Sie hatte nicht mit einem körperlichen Angriff gerechnet", fügte Roswitha Stöber hinzu. "Denn vorher war er nie tätlich gegen seine Frau vorgegangen."

Gerichtssaal überfüllt

Der Schwurgerichtssaal musste bereits eine Stunde vor der Urteilsverkündung wegen Überfüllung geschlossen werden. Unter den Zuhörern befanden sich auch Angehörige und Freunde des Opfers. Eine Schwester von Heike K., die in dem Verfahren als Nebenklägerin aufgetreten war, äußerte Erleichterung darüber, "dass er jetzt zumindest15 Jahre lang nichts anstellen kann." Sie kümmert sich zusammen mit ihrer Mutter um die drei Kinder des Opfers. Sie in ein Heim zu geben, sei nie erwogen worden. "Das Gericht hat sich meinem Antrag angeschlossen", zeigte sich der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl mit dem Urteil zufrieden.

Verteidiger Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn (Weiden) hielt es für wahrscheinlich, die Entscheidung mit einer Revision beim Bundesgerichtshof anzufechten. Er hatte das Verbrechen in seinem Plädoyer als einen "minderschweren Fall des Totschlags" bezeichnet. Doch dahin führte nach Überzeugung der Richter kein Weg.
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