Verbalattacke Donald Trumps gegen Familie eines toten Soldaten
Widerhall bis nach Deutschland

Die Erkennungsmarken von Hauptmann Humayun Khan und eine Seite der Washington Post, die über sein Begräbnis berichtete: Wie groß der Schmerz seiner Eltern, auch zwölf Jahren nach seinem Tod im Irak noch ist, wurde auf dem Parteitag der Demokraten deutlich. Archivbild: Sandig
Politik
Amberg in der Oberpfalz
02.08.2016
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Humayun Khan starb am 8. Juni 2004 im Irak. Als muslimischer Soldat verteidigte er sein Land, die Vereinigten Staaten von Amerika, genauso wie ein Christ. Dass Donald Trump jetzt dessen Eltern verbal attackiert, schmerzt auch Irene Bethmann, eine gebürtige Ambergerin. Humayun Khan war ihr damaliger Freund.

Irene Bethmann lebt inzwischen in Niedersachsen, seit nunmehr acht Jahren. Sie ist glücklich verheiratet und Mutter von zwei Töchtern, acht und sechs Jahre alt. In den vergangenen zwölf Jahren ist der Kontakt zu Humayuns Hinterbliebenen in den USA nicht abgerissen. Der Hauptmann war damals, als er mit 27 Jahren im Irak starb, in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) stationiert.

Sohn nicht vergessen


Irene Bethmann erinnert sich, dass ihr vor einiger Zeit Humayuns Vater per E-Mail einen Link geschickt hatte: Hillary Clinton sprach über Humayun Khan, jenen muslimischen US-Soldaten, der durch einen Selbstmordattentäter am 8. Juni 2004 in der irakischen Stadt Bakuba sein Leben verlor, aber durch sein beherztes Eingreifen andere gerettet hatte. "Da kam vieles wieder hoch", gesteht die gebürtige Ambergerin. "Das hat mich ein bisschen aus der Bahn geworfen, obwohl das zwölf Jahre her ist."

Heuer telefonierte sie, wie üblich, am Todestag von Humayun mit dessen Hinterbliebenen in den USA. Doch dass die Eltern des auf dem Nationalfriedhof Arlington begrabenen Soldaten beim Parteitag der Demokraten in Philadelphia auftraten, wusste sie nicht. Über das Schicksal seines Sohnes habe Humayuns Vater Khizr in Interviews immer wieder gesprochen. "Er wollte, dass sein Sohn nicht vergessen wird", weiß Irene Bethmann. Der Mut, den er hatte, um auf dem Parteitag zu sprechen, überrascht sie nicht.

"Alle Glaubensrichtungen"


Dass Khan den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump, fragte, ob er jemals auf dem Nationalfriedhof von Arlington gewesen sei und die Gräber der gefallenen Soldaten zu besuchten, denn dort würde "er alle Glaubensrichtungen finden, alle Geschlechter und Ethnien", bekam sie zunächst nicht mit. Erst später sah sie das Video, wie Khan eine Verfassung seines Landes in die Höhe hielt und Trump fragte, ob er diese jemals gelesen hätte.

Erst durch soziale Netzwerke und aus den Medien erfuhr sie, wie Trump das Ehepaar danach verbal attackierte, insbesondere Ghazala Khan, die schweigend neben ihrem Mann gestanden hatte. "Sie hatte nichts zu sagen", warf ihr Trump vor und mutmaßte, vielleicht sei es ihr nicht erlaubt gewesen, etwas zu sagen. Irene Bethmann findet diese Behauptung lächerlich und absolut unangemessen. "Es ist nicht wahr, dass sie nichts sagen darf. Sie ist ein Mensch, der nicht gerne im Mittelpunkt steht."

Traditionell, aber liberal


"Die Khans sind sicherlich eine traditionelle Familie, aber auch sehr liberal, offen und respektvoll", beschreibt sie die ursprünglich aus Pakistan kommenden Khans. Sie habe sich bei dieser "tollen Familie immer wohlgefühlt, die Khans sind eine Bereicherung für mein Leben". Auch nach Humayuns Tod war sie einige Male bei den Khans in Charlottesville (Virgina), 2008 sogar ein Vierteljahr. Ghazala Khan sei eine liebe und lustige Frau, aber auch sehr sensibel. Deshalb hätte sie ihr gleich eine E-Mail geschrieben, um sich zu erkundigen, wie es ihr gehe, erklärt Irene Bethmann. Sie weiß, wie sehr die Mutter ihren verstorbenen Sohn vermisst, wie groß ihr Schmerz ist. "Sie ist immer noch fix und fertig."

Beschämend findet die heute 36-Jährige, wie sich Trump über die Khans äußerte. Doch irgendwie ist sie auch froh, dass er aussprach, was er dachte: "Vielleicht entscheidet sich der eine oder andere jetzt noch um und wählt ihn eben nicht."
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