Verdi-Streik in Amberg - Am Donnerstag wird in Weiden gestreikt
Trotz und Trillerpfeifen

"Wir sind es wert" verkündet das Transparent der Streikenden am Mittwoch in Amberg. Rund hundert Teilnehmer hatten sich an den Demonstrationen für mehr Lohn im öffentlichen Dienst beteiligt. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
20.04.2016
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Mitarbeiter im öffentlichen Dienst machen in den laufenden Tarifverhandlungen erneut Druck und legen auch in der Oberpfalz die Arbeit nieder. In Amberg beteiligten sich rund 100 Angestellte an den Demonstrationen, in Weiden wird am Donnerstag gestreikt.

Von "Frechheit" und einem "lächerlichen Angebot" sprach Verdi-Jugendsekretärin Kathrin Birner bei der Kundgebung der Gewerkschaft Verdi am Mittwoch in Amberg. Eine Lohnerhöhung von einem Prozent für die Monate Juni bis Dezember 2016 sei als Erhöhung um ein Prozent für das gesamte Jahr ausgegeben worden, prangerte Birner an. Für Verdi war das Angebot der Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde zu gering ausgefallen.

Zum Streikauftakt waren die Angestellten der Stadt Amberg und der Stadt Sulzbach-Rosenberg gekommen - unter ihnen waren Mitarbeiter der Stadtgärtnerei, der Friedhöfe, von Bauamt und Bauhof. Auch Streikende aus dem Bundeswehrdienstleistungszentrum und der Kläranlage Theuern waren dabei. Die Arbeitnehmer begleiteten die Reden mit Applaus und Trillerpfeifen. Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner forderte, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen: "Wir müssen mehr werden und unseren Forderungen Ausdruck verleihen. Die Arbeitgeber hoffen, dass keiner hingeht." Er könne versprechen, dass die Streiks "deutlich mehr" werden. In manchen Gemeinden gingen in den nächsten Jahren 20 Prozent der Belegschaft in Rente, sagte Gröbner. Er forderte, junge Arbeitnehmer zu fördern und die befristeten Anstellungsverhältnisse zu beenden.

Thermenwelt geschlossen


Am Donnerstag erreicht die Protestwelle Weiden. Die Gewerkschaften Verdi und Komba haben ihre Mitglieder zu Warnstreiks aufgerufen. Die Thermenwelt hat deshalb laut einer Mitteilung der Stadtwerke heute ihren öffentlichen Badebetrieb eingestellt, der Schulsport laufe allerdings wie gewohnt. Auch bei den Stadtwerken selbst könne es zu längeren Wartezeiten kommen. Betroffen sind auch Familien. So ist das Kinderhaus "Tohuwabohu" nach Auskunft der Stadt ebenfalls geschlossen. Es gibt auch keine Notgruppe. Die Eltern seien informiert.

Aufgerufen zu den Streiks sind neben Mitarbeitern der Stadt und der Stadtwerke auch Verdi-Mitglieder bei der Agentur für Arbeit und vom Bundeswehrdienstleistungszentrum, Standort Weiden. Laut Alexander Gröbner ist deshalb in vielen Bereichen "zumindest mit Wartezeiten und Einschränkungen zu rechnen". Gröbner schätzt, dass sich vorerst rund 70 Kollegen an den Warnstreiks beteiligen werden. Weitere sollen sich für kurze Zeit um 12.05 Uhr zu ihnen gesellen. Dann wollen sich die Streikenden - nach einem Demonstrationszug, der am "Schützenhaus" startet - zu einer Mittagspausenaktion vor dem Klinikum versammeln. Zur Teilnahme sind dann auch Mitarbeiter der Kliniken AG und der Sparkasse Oberpfalz Nord aufgerufen.

Verdi machte am Mittwoch bayernweit mobil. Reisende am Münchener Flughafen mussten Geduld aufbringen. Die Beschäftigten der dortigen Sicherheitsgesellschaft SGM waren zu einem mehrstündigen Warnstreik aufgerufen - die Mitarbeiter sind für die Personenkontrollen zuständig. Nach Angaben eines Flughafen-Sprechers kam es am Mittwoch zu Verzögerungen bei der Passagierabfertigung. "Es bilden sich lange Warteschlangen, weil weniger Kontrollstellen geöffnet sind." Flugausfälle habe es aber nicht gegeben. SGM ist eine Tochtergesellschaft des Freistaats.

5000 Beschäftigte streiken


Insgesamt hat Verdi in dieser Woche rund 5000 Beschäftigte in mehr als 50 bayerischen Städten zu Warnstreiks aufgerufen. Der Höhepunkt der Streiks soll heute erreicht werden - dann unter anderem in Nürnberg, Fürth und Erlangen, wo Kliniken und Kitas betroffen sein sollen. Warnstreiks gab es außerdem in einer Münchener Klinik. "Die Streiks waren gut. Die Beteiligung ist höher, als wir geplant haben", sagte Norbert Flach, stellvertretender Verdi-Landesbezirksleiter Bayern.

Verdi fordert für die gut zwei Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes des Bundes und der Kommunen unter anderem sechs Prozent mehr Geld. Die Arbeitgeber haben inzwischen drei Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwei Jahre geboten, was die Gewerkschaften aber ablehnten. Die dritte Verhandlungsrunde ist am 28. und 29. April.
Die Streiks waren gut. Die Beteiligung ist höher, als wir geplant haben.Norbert Flach, stellvertretender Verdi-Landesbezirksleiter Bayern
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