Wenn ein Bahnhof in die Jahre gekommen ist
Modernität geht weiter

Das war der Inbegriff einer architektonisch modern gestalteten Bahnhofs-Empfangshalle 1962. In dieser Form gilt die Immobilie nicht mehr als entwicklungsfähig, weshalb die Bahn AG und die Stadt gemeinsamen den Weg eines Abrisses und Ersatzbaus gehen wollen. Bild: Stadtarchiv Amberg
Politik
Amberg in der Oberpfalz
10.06.2016
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"Mobilitäts-Drehscheibe" statt Bahnhof, das klingt reichlich hochtrabend. Diejenigen, die dieses Wort in den Mund nehmen, wissen jedoch genau, was sie wollen. Viel.

Die Erleichterung im Bauausschuss war förmlich greifbar. Endlich hat die Stadt nach Jahren zahlreicher vergeblicher Vorstöße einen konkreten Ansprechpartner bei der Bahn AG. Er heißt Günther Pichler und firmiert als Regionalbereichsleiter Bayern der DB Station + Service AG. Schlichter ausgedrückt, er ist der Chef von 1015 Bahnhöfen im Freistaat. So ganz stimmt das angesichts der Konzernstruktur nun aber auch nicht mehr.

Klar zu trennen


Das zerpflückte Pichler den Gremiumsmitgliedern ausführlich. Ein Bahnhof nach klassischem Verständnis gliedert sich demnach in zwei getrennte Funktionsbereiche auf: die Verkehrsstation (Gleise, Bahnsteige, nötige Zugänge) und das Empfangsgebäude (Immobilie). Die Grenzen sind teilweise fließend. Der wichtigste Unterschied: Der Verkehrsbereich hat gemeinwirtschaftlichen Charakter und wird mithin aus öffentlichen Mitteln des Bundes und Landes finanziert.

Die Immobilie hingegen wird eigenwirtschaftlich betrieben. Übergreifend tangieren beide Bereiche vitale Belange der Stadtentwicklung und des Stadtbaus. Deshalb, so Pichlers Folgerung, sei unverzichtbar, möglichst eng zusammenzuarbeiten und die Notwendigkeiten sowie Interessen zu verzahnen. Mit dieser These stieß der Bahnhofs-Fachmann der DB auf eine unausgesprochene einhellige Zustimmung. Sein grundsätzliches Credo mit Blick auf die 1962 ihrer Bestimmung übergebene Amberger Station: "Wir müssen das komplett neu gestalten." Nach Jahren vergeblicher Bemühungen der Stadt, dem zunehmend maroden Bau wieder auf zeitgemäße Sprünge zu helfen, stünden nun die Zeichen nicht schlecht. Neue öffentliche Investitionsprogramme des Bundes und des Freistaates sowie bahninterne Planungen würden ab 2019 gezielt Bahnhöfe der Amberger Größenordnung aufgreifen.

Aus Pichlers Sicht müsste vor diesem Hintergrund der Bereich Verkehrsstation zeitgemäß (Barrierefreiheit, potenzielle Elektrifizierung der Strecke) umgebaut und die Immobilie im Sinne einer "Mobilitäts-Drehscheibe" (Schnittstelle zu anderen Verkehrsträgern) samt Flächen für Dienstleistung und Gewerbe entwickelt werden. Dazu zähle gleichermaßen das Angebot von Pkw-Stellplätzen (eventuell Parkdeck, -garage) wie die verkehrstechnische Verzahnung (Busbahnhof, Fußgänger, Radfahrer) sowie das städtebauliche Umfeld (Fußgängerzone beginnt quasi auf dem Bahnhofsgelände).

Stadtplanung fordert


Damit rücken beispielsweise der Multifunktionsplatz (städtischer Grund) sowie die heutigen Parkplätze neben dem Bahnhofsgebäude mit in den nötigen Planungshorizont auf. Diese Entwicklung möchte die Bahn AG in enger Abstimmung mit der Stadt in die Hände eines privaten Investors legen (Pichler: "Wir haben keine Probleme damit, als Mieter eines Bahnhofs einzuziehen").

Die zentralen Herausforderungen: die Suche nach einem kooperativen Investor und der vierspurige Kaiser-Ludwig-Ring als Barriere zur Altstadt. Zudem drängen Oberbürgermeister Michael Cerny und Baureferent Markus Kühne darauf, das Viertel rund um das Klinikum sowie die Marienstraße (neues Parkdeck) zumindest fußläufig und für Radfahrer an den neu gestalteten Bahnhofsbereich besser anzubinden. Beschlüsse gab es nicht zu fassen, und die Fraktionssprecher äußerten sich durchweg zustimmend. (Im Blickpunkt)

Wir müssen das komplett neu gestalten.Günther Pichler, Deutsche Bahn AG
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