ZNAS zieht Lehren aus dem Superstau
Chaos muss nicht sein

Die Sperrung der Bruno-Hofer-Straße im Oktober traf nicht nur die Autofahrer empfindlich, sondern auch den Busverkehr. Bild: Steinbacher
Politik
Amberg in der Oberpfalz
31.10.2016
945
0

Wenn man eine Straße sperrt, auf der pro Tag 8000 Fahrzeuge unterwegs sind, dann ist für OB Michael Cerny "schon rein rechnerisch klar, dass da ein Stau entsteht". Zu vermeiden sei das nicht. Der ZNAS zog dennoch Lehren aus dem Superstau am 4. und 5. Oktober.

So war Cerny der Meinung, dass man die frühzeitige Information der Verkehrsteilnehmer "in bestimmten Fällen verbessern" könne. Busunternehmer Günther Cermak (SPD) machte am Freitag in der Versammlung des Zweckverbands Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS) darauf aufmerksam, dass die Busse die längeren Strecken auf den Umwegen ohne einen finanziellen Ausgleich fahren müssten, während man bei der Planung der Baustellen auf die Belange der ausführenden Baufirmen sehr wohl Rücksicht nehme. So habe man zuletzt oft Komplettsperrungen verordnet, damit die Arbeiten schneller fertig würden und kostengünstiger zu erledigen seien.

ZNAS-Geschäftsführer Hans-Jürgen Haas verwies da auf die Informationen aus dem Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach, wonach halbseitige Sperrungen nicht mehr den Vorschriften zum Arbeitsschutz entsprächen. Straßen mit einer Breite, wie sie in der Region gängig sei, müsse man deshalb komplett sperren.

Anspruchsvolle Fußmärsche


In der Sitzungsvorlage merkte Haas zum Punkt "Massive Verspätungen durch die Sperrung Bruno-Hofer-Straße im Oktober" an, die Sperrung für die erforderliche Brückensanierung sei unbestritten notwendig gewesen, selbst wenn sie zu erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt habe. Da sie aber nicht in die vom ZNAS angegebene Richtung erfolgt sei (siehe "Viele Wege führen stadtauswärts"), habe man morgens die Haltestellen Utzhütte und Bayernwerkstraße in Haselmühl nicht mehr bedienen können. Dadurch hätten die Fahrgäste erhebliche Fußwege zu den Haltestellen Sparkasse und Porschestraße auf sich nehmen müssen.

Alles viel zu spät


Das "Verkehrschaos auf den Umleitungsstrecken" habe auch zu "massiven Beeinträchtigungen des Linienverkehrs" geführt. Haas führte da etwa die Vilstallinie 54 auf. Hier "gab es bei allen Fahrten auf der Strecke Bahnhof - Kreisverkehr - Schlachthausstraße den ganzen Tag über Verspätungen zwischen 15 und 30 Minuten". Folge: "Kein einziger Anschluss an Citybus und SPNV konnte mehr gehalten werden; das heißt, Berufspendler erreichten ihre Anschlussverbindungen nicht mehr; Schüler kamen erheblich zu spät." Auch die Folgefahrten der betroffenen Busse hätten mit erheblichen Verspätungen begonnen. Für den Citybusverkehr hatte Haas auf vielen Linien Verspätungen von bis zu 30 Minuten festgestellt. "Zudem fielen ganze Fahrten komplett aus."

Die Lehren aus der Sperrung sind für den ZNAS-Geschäftsführer:

wie wichtig eine frühzeitige Abstimmung ist;

dass Sperrungen in der Regel nicht nur Auswirkungen auf eine Linie haben, sondern auf das gesamte ÖPNV-Netz im Verbandsgebiet;

dass darunter die Attraktivität des ÖPNV leidet;

dass der Notfahrplan für Wolfsbach notwendig war, um nicht noch mehr folgenreiche Verspätungen entstehen zu lassen.

Eine Erkenntnis von Haas stellt man am besten als Frage: Was wird erst herauskommen, wenn Bauarbeiten an der Bahnbrücke in der Regensburger Straße eine noch viel größere Sperrung nötig machen?

Ein klassisches Missverständnis hat nach Auffassung des ZNAS einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass der Stau im Süden von Amberg solche gewaltigen Ausmaße annahm. In der Sitzungsvorlage lautete die einschlägige Formulierung zur Périgueuxbrücke, "dass die Sperrung kurzfristig in die andere Richtung erfolgte, als zunächst mit ZNAS und Linienbetreiber frühzeitig abgestimmt worden ist".

Was das bedeutet, kann Thomas Graml von der Pressestelle der Stadt Amberg aufklären: Deren Tiefbauamt fragte bereits am 19. August wegen der einspurigen Sperrung der Brücke beim ZNAS an, in welche Richtung sie denn offen bleiben sollte. Die Antwort: "stadtauswärts". Das Tiefbauamt interpretierte das als "in Richtung Siemens" (wie später auch umgesetzt). Der ZNAS hatte es aber andersrum gemeint. Das Missverständnis fiel erst auf, als die Ausschilderung der Baustelle erfolgte. (ll)
Weitere Beiträge zu den Themen: Stau (15)ZNAS (23)ÖPNV (20)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.