Zweckverband könnte Finanzprobleme lösen und Bautätigkeit erlauben
„Das Tierheim ist viel zu klein“

Die Hundezwinger im Tierheim sind fast alle zu klein. Für einen Hund bis zu einer Höhe von 50 Zentimeter sollten sie 6 Quadratmeter groß sein, bis 65 Zentimeter sind 8 Quadratmeter vorgeschrieben, darüber sogar 10. In einigen Fällen haben die Mitarbeiter des Tierheims zwei alte Zwinger zu einem neuen zusammengelegt, damit sie für große Hunde geeignet sind.
Politik
Amberg in der Oberpfalz
02.08.2016
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Das Amberger Tierheim beherbergt derzeit eine Rekordanzahl von Kaninchen. Deshalb müssen sich mehrere von ihnen die Gehege teilen, die eigentlich für kleinere Gruppen vorgesehen wären. Ursprünglich waren das Hundezwinger, die man aus Platzgründen (und wegen Wasserschäden) jetzt aber nicht mehr für diesen Zweck nutzen kann. Bilder: Hartl (2)

42 Kaninchen leben derzeit im Tierheim. Platz wäre dort eigentlich nur für sechs - "oder bei Doppelbelegung für zwölf, wenn sie sich verstehen", wie Sabine Falk sagt. Der Vorsitzenden des Tierschutzvereins ist klar: "Das Tierheim ist viel zu klein." Aber wer soll einen Ausbau bezahlen?

In gewisser Weise ist das Team um Sabine Falk Opfer des eigenen Erfolgs geworden. "Denn als wir das Tierheim übernommen haben, hatten wir gar keine Kleintiere oder Nager". Mittlerweile aber ist die Einrichtung, die niemanden abweist, der ein Tier bringt, komplett überbelegt.

Was nicht nur ein Raumproblem aufwirft, sondern auch ein Geldproblem. "Denn Fundtiere sind meistens krank. Deshalb haben wir ja so hohe Tierarztkosten." Wobei Sabine Falk das Wort "Fundtiere" so betont, dass man ahnt: Die wurden erst krank und dann ausgesetzt oder abgeliefert. Ein zweiter großer Posten sind unter den Kaninchen diejenigen, die dem Heim vom Veterinäramt (aus schlechter Haltung) zugewiesen wurden - 20 Stück im Lauf des letzten Jahres. Um der Tiere willen nimmt man hier alle auf. Selbst wenn dann die artgerechte Unterbringung problematisch wird.

Vorstand zahlt selbst


Seit Jahren liegt ein dreistufiger Plan für einen Ausbau des Tierheims vor, das Eigentum des Tierschutzvereins ist. Der erste Abschnitt - die Katzenquarantäne - ist inzwischen umgesetzt. Die zweite Stufe umfasst neue Katzenzimmer, Haltungsmöglichkeiten für Kleintiere sowie - für die Mitarbeiter - Gemeinschaftsräume und Duschen. Davon sind bisher nur die Katzenzimmer renoviert - der Vorstand des Tierschutzvereins hat das auf eigene Kosten erledigen lassen.

"Am dringendsten wäre jetzt ein neuer Hundetrakt", sagt Sabine Falk. Von den beiden vorhandenen ist der eine wegen eines Wasserschadens nicht zu nutzen, der andere "viel zu klein und unhygienisch, man kann ihn fast nicht mehr sauberhalten". Der Neubau soll größere Zwinger erhalten, von denen dann aber nur noch neun reinpassen.

Pauschale reicht nicht mehr


Das Problem sind die Finanzen. "Wir können das selbst nicht stemmen", sagt Sabine Falk zu den Baukosten. Also müssten die Kommunen Geld springen lassen, für die das Tierheim die Aufgabe der Fundtierbetreuung übernimmt. Dafür bekommt der Verein eine Pauschale von 50 Cent pro Gemeindebürger und Jahr. "Aber das reicht einfach nicht, bei der großen Anzahl von Tieren, die wir inzwischen bekommen. Das müssten wir mindestens auf einen Euro steigern."

Ob die Kommunen davon begeistert sein werden? Helmut Weigl, der für die Stadt Amberg mit im Vorstand des Tierschutzvereins sitzt, sieht da für die Vilsstadt weniger Probleme. Es sei offenkundig, dass die Pauschale die tatsächlichen Kosten bei Weitem nicht abdecke. "Wenn da ein Antrag kommt, traue ich mich fast die Hand dafür ins Feuer legen, dass der im Amberger Stadtrat durchgeht." Man sei hier in Sachen Tierschutz immer sehr aufgeschlossen, habe auch das Entwicklungskonzept des Tierheims durchgewunken, das mit einem Baukostenzuschuss von viermal zwei Euro (pro Einwohner) verbunden war - unter der Voraussetzung, dass die Landkreiskommunen das auch zahlen. Aber Weigl bezweifelt, dass die Forderung des Tierschutzvereins nach mehr Geld dort überall auf Gegenliebe stößt.

Zweckverband als Lösung


Der Königsteiner Bürgermeister Hans Koch (für die Landkreis-Gemeinden im Vereinsvorstand) bestätigt, dass es in dieser Frage hier und dort Skepsis gibt. Die Kommunen müssten sich dabei aber als Solidargemeinschaft verstehen. Schon als die Gemeinden vor vier Jahren die erste Umlage von zwei Euro pro Einwohner als Baukostenzuschuss (für die Katzenquarantäne) bezahlt hätten, sei ihnen bewusst gewesen, dass da für weitere Renovierungen noch dreimal zwei Euro zu leisten seien. Während des laufenden Haushaltsjahres seien solche zusätzlichen Zahlungen natürlich schwierig; deshalb rät Koch dem Tierschutzverein, im Herbst entsprechende Anträge an jede einzelne Kommune zu schicken.

Mittelfristig befürwortet Koch die Gründung eines Zweckverbands (aller Kommunen), der für die Betriebskosten des Tierheims aufkommt. "Der soll die Ehrenamtlichen nicht rausdrängen, die machen das sehr gut. Aber er ist als Unterstützung für den Tierschutzverein gedacht, soll in Abstimmung mit ihm handeln." Nach der Urlaubszeit will Koch diese Idee dem Landrat und dem Amberger OB unterbreiten. Der Königsteiner setzt darauf, dass sich auch die Bürgermeister im Landkreis dem nicht verschließen: "Wenn ein vernünftiges Konzept vorliegt, fordere ich Solidarität von allen Kollegen."

Ohne Kontrolle geht kein Tier raus


Andere Tierheime, die wenige Kaninchen haben, übernehmen welche, sobald Amberg überbelegt ist. Regensburg zum Beispiel. Schwierig wird das allerdings, wenn eine Situation eintritt wie vergangene Woche: 200 Meerschweinchen aus Rosenheim mussten auf ganz Bayern aufgeteilt werden. Dann ist fast nirgends mehr Platz für die Amberger Kleinsäuger.

Natürlich möchte man im Amberger Tierheim die Kaninchen so schnell wie möglich wieder an den Mann (einen neuen Halter) bringen. "Aber wir werden uns nicht von den gesetzlichen Vorgaben lossagen, bloß weil wir in Zugzwang sind", signalisiert Sabine Falk den Willen, ihre Schützlinge weiterhin erst nach ausreichenden Vorkontrollen abzugeben. Das heißt: Wer ins Heim kommt und sich ein Tier aussucht, füllt zunächst eine "Selbstauskunft" aus. "Danach fahren wir zu ihm hin und schauen uns an, wie er die Haltung plant."

Das sollte bei Zwergkaninchen im Zimmer ein Gehege von mindestens 1,5 x 0,75 Meter sein. Bei Außenhaltung wird ein Gehege empfohlen, das für zwei bis drei Tiere mindestens 6 Quadratmeter groß ist. Eigene Schlafhäuschen für jedes Tier und überdachte Futterstellen sind ebenfalls notwendig; nach Möglichkeit sogar ein weiterer zusätzlicher Auslauf im Garten. "Die gute und artgerechte Haltung ist uns sehr wichtig", betont Falk. Passt alles, kann der Interessent sein(e) Kaninchen sofort mitnehmen. Der Preis liegt für Weibchen bei 30 Euro, für Männchen - sie sind alle kastriert - bei 70 Euro. Vollständig geimpft sind beide Geschlechter.

Nie allein haltenWird ein Zwergkaninchen einzeln gehalten, leidet es. Selbst ein Mensch, der sich noch so sehr mit ihm abgibt, kann ihm die Artgenossen nicht ersetzen. "Nur ein weiteres, besser zwei weitere Kaninchen können das Bedürfnis nach Gesellschaft stillen", heißt es in einer Broschüre des Deutschen Tierschutzbundes. Meerschweinchen können das nicht (obwohl das ein weit verbreiteter Irrglaube ist). Diese beiden Arten leben zwar relativ friedlich nebeneinander, aber sie können nicht miteinander kommunizieren, was Voraussetzung einer artgerechten Haltung wäre. (ll)


Sonst kommt Hundebesuch
Angemerkt von Markus Müller

Natürlich gehen die Kommunen erst einmal in Abwehrhaltung, wenn jemand Geld verlangt. Sie haben genug Ausgaben. Natürlich hat der Tierschutzverein früher in der Öffentlichkeit häufig kein glückliches Bild abgegeben. Zu oft stritt man. Aber genauso eindeutig ist: Die neuen Verantwortlichen in Verein und Tierheim sind mit Herzblut und enormem Einsatz bei der Sache. Sie verdienen das Vertrauen und die Unterstützung der Gemeinden.

Rechtlich ist es ohnehin keine Frage: Die Gemeinden sind verpflichtet, Fundtiere entgegenzunehmen und zu verwahren. Wenn sie diese Aufgabe einem Tierheim übertragen, müssen sie die Kosten "für eine artgemäße Unterbringung, Pflege und Ernährung" übernehmen. Spätestens wenn das Tierheim schließen müsste und die ersten ausgesetzten Hunde bei Gemeindeverwaltungen oder gar nachts beim Bürgermeister abgeliefert werden, sieht man wahrscheinlich ein, warum das so besser ist.

markus.mueller@zeitung.org
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