Berglauf
Mit den falschen Schuhen zur EM

Ein Glücksfall für den Bundestrainer: Maximilian Zeus (links) und Domenika Mayer qualifizierten sich mit ihren Siegen beim "Andechs Trail" für die Berglauf-Europameisterschaft. Bild: hfz
Sport
Amberg in der Oberpfalz
20.04.2016
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Für sie ist es der erste Start bei einem Berglauf - und der erste Wettkampf mit einer Distanz von über zehn Kilometern. Umso überraschender das Ergebnis: Mit großem Vorsprung gewinnt Domenika Mayer den "Andechs Trail" und qualifiziert sich für die Europameisterschaft. Selbst falsche Schuhe können sie nicht stoppen.

Auf der Bahn wurde Domenika Mayer im vergangenen Jahr Vierte bei der deutschen Meisterschaft über die 3000 Meter, bei der "Deutschen" im Crosslauf Fünfte, 2012 und 2014 startete sie bei den Cross-Europameisterschaften und nimmt bei den Trainingsläufen rund um ihren Wohnort Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg "schon mal die Oberpfälzer Berge mit". Einen Bergauf-/Bergab-Lauf absolvierte die 25-Jährige vor dem "5. Andechs Trail" aber noch nicht. Den hatte der Deutsche Leichtathletikverband als Sichtungswettkampf für die Berglauf-EM Anfang Juli in Arco/Italien ausgewählt, da diese im "Up-and-Down"-Modus ausgetragen wird.

"Komplette Läufer"


Unter den rund 700 Teilnehmern in Andechs war aus der Oberpfalz neben Domenika Mayer auch Maximilian Zeus mit dabei. Während es für den Athleten der DJK Weiden ein lange geplantes Saisonziel war, reifte bei Mayer die Entscheidung erst wenige Tage zuvor, da sie die deutsche Halbmarathonmeisterschaft am 23. April aus persönlichen Gründen absagen musste. Auf der 15,8 Kilometer langen Strecke gab es zahlreiche Bergauf- und Bergab-Abschnitte, außerdem wies sie überwiegend Trailpassagen auf. Vor dem Rennen hatte Bundestrainer Kurt König noch geklagt, dass es "äußerst schwierig" werden würde, geeignete Läufer für die EM zu nominieren. "Wir brauchen Athleten, die am Berg beides können, hoch laufen und runter laufen. Wir brauchen erfahrene Crossläufer, die auch auf der Bahn schnelle Zeiten laufen, kurz, ich brauche komplette Läufer." Das Oberpfälzer Duo zeigte im Rennen schnell, dass es diese Kriterien erfüllt: Maximilian Zeus drückte dem Rennen früh seinen Stempel auf, lief von Anfang bis Ende ein konstantes Rennen, hielt dabei den amtierenden deutschen Berglaufmeister Joseph Katip auf Distanz und war im Ziel sichtlich zufrieden. Er ärgerte sich auch nicht, dass er mit seiner Endzeit von 1:00:16 knapp über der magischen Ein-Stunden-Marke blieb. Domenika Mayer gewann bei den Frauen in 1:07:10 Stunden - mit mehr als zehn Minuten Vorsprung auf die Zweitplatzierte.

Kraftraubende Strecke


Bei ihrer Berglauf-Premiere und dem ersten Wettkampf mit mehr als zehn Kilometern Länge war Mayer zunächst unsicher, welches Anfangstempo das richtige sei. Den Tipp ihres Trainers, Ehemann Christian, setzte sie dabei wörtlich um: Sie sollte sich anfangs etwa beim zehntbesten Mann einreihen, um ins Rennen zu finden. Diesen Ratschlag befolgte sie bis ins Ziel und kam auf Gesamtplatz zehn an. Auf der Strecke machte sich ihre mangelnde Erfahrung auf solchen Strecken ("Es war sehr matschig, das zehrt an den Kräften - und an der Psyche") mit solchen Strecken bemerkbar. Ein leichter Wettkampflaufschuh war für dieses Gelände und diesen Untergrund die falsche Wahl. So blieben mehrere Sekunden unnötig liegen.

Bei der Siegerehrung bekamen beide je einen Gutschein für "einen Trailschuh nach Wahl" und einen hochwertigen Trailrucksack. Die Ausrüstung wäre somit schon einmal vorhanden für die Europameisterschaft. Das Okay von Bundestrainer Kurt König ("Ihr seid ein Glücksfall") haben Mayer und Zeus bereits. Vorbehaltlich der Zustimmung des Bundesausschusses Laufen, können nun beide mit der Teilnahme an der Berglauf-EM in Arco planen. Während bei den Herren versucht wird, eine Mannschaft zu stellen, wird Domenika Mayer wohl als Einzelstarterin teilnehmen.
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