Bergsteig: Seit 15 Jahren Training in Baracke
Ringen um Neubau und Fassung

Peter Leifridt versagt die Stimme. Der Blick wird glasig, wenn er über sein Engagement am Bergsteig und seinen unerfüllten Wunsch spricht. Die alte Trainingsstätte sollte durch einen Neubau ersetzt werden. Bilder: Kosarew (2)
Sport
Amberg in der Oberpfalz
08.01.2016
1367
0

Peter Leifridt hat den Satz nicht vergessen: "Es muss was passieren." Der damalige Bürgermeister Josef Triller machte dem Trainer der Ringer am Bergsteig auf AZ-Nachfrage Hoffnung auf eine neue Halle. Oder zumindest eine Sanierung. Seitdem sind zehn Jahre ins Land gegangen. Die marode Baracke aber ist geblieben.

Es ist ein Sonntag, kurz nach 15 Uhr. Die mit Schnee überzogenen Straßen im Viertel sind verwaist, nur vereinzelt wagen sich ein paar Spaziergänger ins ungemütliche Freie. Einer von ihnen ist Peter Leifridt. Er ist auf dem Weg zur baufälligen Baracke an der Rosenthalstraße, die den Ringern seit 15 Jahren als Trainingsort dient. Den Sportlern hat Leifridt an diesem Nachmittag freigegeben, nicht aber sich selbst: "Irgendwas gibt es hier immer zu tun."

Regen auf der Matte


Der gebürtige Kasache, der in seiner Heimat über 25 Jahre lang Ringer und Trainer ausbildete, hatte im Jahr 2000 die Idee, Kindern und Jugendlichen im sozialschwachen Stadtteil Bergsteig eine sportliche Heimat zu geben. Alles lief in mehr oder weniger geordneten Bahnen, bis vor zehn Jahren die ersten Rufe nach einem Hallenneubau laut wurden. Ein Beispiel: Im Juli 2014 musste zum wiederholten Male das Training abgesagt werden, weil das Dach undicht ist und sich Regenwasser auf der Matte gesammelt hatte. Die Verletzungsgefahr war einfach zu groß.

5000 Euro auf dem Konto


Nur wenige Tage später gründete sich der gemeinnützige Förderverein Amberger Ringer Bergsteig (Farb), dessen Vorsitzender Frank Ladig nach den ersten Spendenaktionen ein Zwischenfazit zieht: "Wir haben jetzt circa 5000 Euro auf dem Konto." Wiederholt hatten die Ringer und ihre Mitstreiter darauf hingewiesen, dass in etwa 200 000 Euro notwendig wären, um den Traum vom Neubau zu erfüllen. Ladig rechnet hoch: "Wenn jeder Amberger fünf Euro spenden würde, könnten wir die Halle bauen."

So weit will es Leifridt gar nicht erst kommen lassen. Er sieht eher die Stadt in der Pflicht: "Die waren vor zehn Jahren doch alle da und haben uns versprochen, dass sich was tut. Die Stadt hat doch das Geld." Leifridt ärgert sich, bekommt einen glasigen Blick und ringt um Fassung wenn er daran denkt, dass seit dem Triller-Satz schon zehn Jahre verstrichen sind: "Wer macht denn sonst so viel für die Jugend wie wir? Ich hatte seit 15 Jahren keinen einzigen Tag Urlaub. Das macht doch sonst keiner."

Während sich der Trainer seinen Frust von der Seele redet, lobt ihn der Vorsitzende des Fördervereins, wie es besser nicht geht: "Seine Arbeit ist unbezahlbar. Er hat die Kinder von der Straße geholt und ihnen die Möglichkeit gegeben, sich auszutoben." Dass sich der Bergsteig zu einem gewaltfreien Stadtteil entwickelt habe, sei auch Leifridt zu verdanken: "Er ist 24 Stunden am Tag für die Kinder und Jugendlichen da."

Wir haben jetzt circa 5000 Euro auf dem Konto.Frank Ladig, Vorsitzender des Ringer-Fördervereins
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.