Ehrenamt allein wird bald nicht reichen
Weckruf für alle Sportvereine

"Ein Verein muss adäquat zahlen. In diese Richtung müssen wir denken. Sonst werden wir auf keinen grünen Zweig kommen." Zitat: Norbert Fischer, Vorsitzender des Stadtverbandes für Sport
Sport
Amberg in der Oberpfalz
16.06.2016
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Mit über 1600 Mitgliedern ist der TV 1861 der größte Sportverein im Stadtgebiet. Thomas Bärthlein bekommt als Vorsitzender aber keinen Cent, weil er ehrenamtlich tätig ist. "Das ist Wahnsinn", warnt Norbert Fischer, Chef des Stadtverbandes für Sport, und fordert zum Umdenken auf. Auch die kleineren Clubs müssten sich verändern, wenn sie eine Zukunft haben wollen.

Es waren eindrucksvolle Zahlen, die Fischer aus eigenem Antrieb dem Schul- und Sportausschuss präsentierte. In Amberg gebe es 60 Sportvereine mit 15 500 Mitgliedern, von denen 3200 Kinder und Jugendliche seien. Weil die Tagesordnung diesmal nicht allzu üppig ausgefallen war, habe er sich vorgenommen, ein Problem zu thematisieren, das kein neues ist - sinkende Einwohnerzahlen, gepaart mit einer zunehmenden Veralterung der Gesellschaft.

Kleinere Vereine, vor allem die acht im Stadtgebiet mit weniger als 50 Mitgliedern, müssen laut Norbert Fischer versuchen, neue Wege zu gehen: "Jetzt ist es an der Zeit, zu agieren. Wenn es zu spät ist, müssen sie froh sein, wenn sie ein anderer Verein aufnimmt." Der Stadtverbands-Vorsitzende nannte keine Namen, sagte aber deutlich: "Sportvereine werden sich anders organisieren müssen." In erster Linie gehe es dabei ums Geld.

Geschäftsführer halbtags


Immer wieder sei es der Fall, dass gute und beliebte Übungsleiter, die ein paar Euro pro Stunde erhalten, zu "privaten Anbietern" wechseln, wie Fischer sie bezeichnete. Weil sie dort mehr verdienen. Gemeint war zum Beispiel die Volkshochschule, die ihren Kursleitern deutlich mehr überweise. "Ein Verein muss adäquat zahlen. In diese Richtung müssen wir denken. Sonst werden wir auf keinen grünen Zweig kommen", warnte Fischer, der am Beispiel des TV 1861 aufzeigte, wie ein Umdenken aussehen könnte. 450-Euro-Kräfte sollten dem Vorstand alle Verwaltungsaufgaben abnehmen, sinnvoll wäre es außerdem, einen hauptamtlichen Geschäftsführer einzusetzen. Aus Kostengründen zunächst halbtags. Später sei eine Aufstockung der Stunden denkbar: "Was der Mann kostet, holt er durch seine Ideen wieder rein."

Fischer hatte im Gespräch mit der Amberger Zeitung einen vergleichbaren Vorstoß bereits vor fast fünf Jahren (November 2011) gewagt, als zum damaligen Zeitpunkt die mittlerweile vollzogene Fusion der Eishockeyclubs ERSC und EC 2000 vorerst zu den Akten gelegt worden war: "Wir wollen die Vereine fit für die nächsten zehn Jahre machen." Der ehemalige städtische Kultur- und Sportreferent dachte damals auch an Schützen, Fußballer und Tennisspieler.

An der Einschätzung, wie schwer es sein kann, eingetretene Pfade zu verlassen, hat sich nichts geändert. Im Schul- und Sportausschuss sagte Fischer: "Es ist nicht einfach. Aber es ist machbar. (...) Vereine müssen sich jetzt dazu durchringen, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen." Rückendeckung erhielt der 70-Jährige in Person von TV-Vorsitzendem Thomas Bärthlein: "Klar, es gibt auch Menschen, die haben nun mal dieses Helfersyndrom. Für die sind zwei Euro in der Stunde okay." Es gebe aber auch die anderen Übungsleiter, die wegen des Geldes beispielsweise zur VHS wechseln: "Das ist schon eine Konkurrenz. Das muss man so sehen." Letztlich gehe es darum, dass Vereine selbstbewusster auftreten.

Ehrenamt weiter stärken


Ähnlich sah es CSU-Stadträtin Michaela Frauendorfer, die vermutete, dass es vielen Betreuern weniger ums Geld ginge, als grundsätzlich um die teilweise fehlende Wertschätzung: "Fünf oder neun Euro. Das ist nicht schlachtentscheidend." Fischer nickte und sagte, dass er nicht wisse, wie das Ehrenamt noch mehr gestärkt werden könnte, schließlich fördere die Stadt pro Jahr die Sportvereine pro aktivem Mitglied unter 18 mit 12,50 Euro, für jedes passive gibt es 2,50 Euro und für Erwachsene jeweils 50 Cent. Fischer war am Ende seines Beitrags so deutlich wie am Anfang: "Den richtigen Hebel, wie man das Ehrenamt noch stärker ins Bewusstsein rücken kann, habe ich noch nicht gefunden." (Angemerkt)

Ein Verein muss adäquat zahlen. In diese Richtung müssen wir denken. Sonst werden wir auf keinen grünen Zweig kommen.Norbert Fischer, Vorsitzender des Stadtverbandes für Sport
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