Fußball
"Im Fußball ist nicht alles planbar"

Gerade einmal drei Punkte holte der FC Amberg (links Thomas Schneider, rechts Julian Ceesay) nach der Winterpause. Eines der drei Unentschieden gelang im Spiel gegen Meister SSV Jahn Regensburg (Bild). Bild: ref
Sport
Amberg in der Oberpfalz
23.05.2016
646
0

Nach dem Abstieg aus der Fußball-Regionalliga werden beim FC Amberg die Ursachen analysiert - und die neue Saison geplant. Ob Timo Rost bleibt, ist noch nicht endgültig geklärt. Klar ist aber, wo die Mannschaft verstärkt werden muss.

Das einjährige Gastspiel in der Fußball-Regionalliga ist für den FC Amberg seit Samstag beendet. Nach 26 Punkten bis zur Winterpause gab es danach nur noch drei - bei den Unentschieden gegen den SSV Jahn Regensburg (0:0), TSV 1860 München II (0:0) und TSV Rain (1:1). Besonders eklatant: Die Gelb-Schwarzen trafen in diesem Jahr nur zweimal, unterm Strich zu wenig, um die Klasse zu halten.

Die Tor-Misere ist einer der Gründe, warum der FC Amberg den Weg in die Bayernliga antreten muss. Aber nicht der einzige. "Mit unseren finanziellen Möglichkeiten und nur über die Einnahmequelle 'Fußball beim FC' ist eine Regionalliga mit ihren Sicherheitsauflagen einfach nicht zu stemmen. Die nötigen Marketing- und Sponsoreneinnahmen für eine vierte Liga und auch das Zuschauerinteresse für den FC ist in Amberg heute nicht gegeben. Das muss man akzeptieren und dann eben dementsprechend ohne Emotionen und Wehmut reagieren und auch handeln", sagt Präsident Helmut Schweiger, der sich am Sonntagabend aus dem sportlichen Bereich zurückzog.

Ein Schritt, der es FCA-Kapitän Michael Plänitz schwer macht, Ursachenanalyse für den Abstieg zu betreiben. "Da ich selber noch ein wenig erstaunt bin über die Pressemitteilung unseres Präsidenten und ich ganz ehrlich auch nicht genau weiß, wie es mit dem FCA weitergeht, muss ich das Geschehene noch verdauen und einordnen", sagt Plänitz. Derzeit sei es noch nicht der passende Zeitpunkt, ein Statement abzugeben. Konkreter wird FCA-Trainer Timo Rost: "Meine Jungs haben alles versucht, und das nicht nur gegen den FC Bayern München II. Dass wir die Liga nicht gehalten haben, liegt an vielen Gründen. Die werden wir jetzt in aller Ruhe analysieren. Fakt ist aber, dass wir nur zwei Tore in der gesamten Rückrunde geschossen haben, was eindeutig zu wenig ist."

Doppelbelastung für Rost


Der 37-Jährige, der in der kommenden Saison einen Platz zur Ausbildung zum Fußball-Lehrer bekommen hat, wagt auch einen kleinen Ausblick nach vorne. "Wir werden alles dafür tun, um den sofortigen Wiederaufstieg anzupeilen. Und wer mich kennt, weiß, dass ich alles dafür tun werde, um diese Scharte auszuwetzen." Ob der Trainer auch in der Saison 2016/17 an der Seitenlinie steht, wäre für Teammanager Hubert Kirsch kein Thema, wenn Rost nicht seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer machen würde. "Nun kommt es sicherlich auch auf Timo an, ob er diese 'Doppelbelastung' stemmen kann", erklärt Kirsch. Im Laufe dieser Woche werde es diesbezüglich Gespräche geben. "Ich hoffe jedoch, dass wir nächstes Jahr mit dem frisch gebackenen Fußball-Lehrer Timo Rost den sofortigen Wiederaufstieg feiern können. Aber ich bin mir auch bewusst, dass im Fußball nicht alles planbar ist", so der Teammanager.

Für den sind die Gründe für den dramatischen Absturz nach der Rückrunde zum Teil immer noch unerklärlich. Dafür gebe es auch keine Ausreden. "Ich denke, wir alle - Spieler, Trainer und Funktionäre - waren uns in der Winterpause vielleicht doch zu sicher, dass wir den Klassenerhalt mit dem bestehenden Kader schaffen. Hätten wir nach dem letzten Spiel 2015 gegen Aschaffenburg gewusst, dass es eine eklatante Torflaute gibt, hätten wir sicherlich reagiert."

Bereits in den letzten Spielen vor der Pause habe sich eine gewisse Negativtendenz abgezeichnet. "Die hatte jedoch für uns den Grund, dass wir nach der harten Relegation einen gewissen Kräfteverschleiß hatten", so der Teammanager. Man müsse aber auch bedenken, dass die Regionalliga sehr stark bestückt sei. Nicht umsonst seien alle drei Aufsteiger - Rain, Aschaffenburg und Amberg - auf einem Abstiegs- beziehungsweise Relegationsplatz gelandet.

Ein Trainerwechsel, so Kirsch, sei nie Thema gewesen. "Sicher zeigt das Beispiel Schalding-Heining, dass sich ein Trainerwechsel positiv auswirken kann. Jedoch hätte uns keiner die Garantie geben können, dass sich ein Wechsel auf die Torausbeute auswirken könne. Der Trainer kann halt mal keine Tore schießen", so Kirsch. Zudem habe der FC Amberg, bis auf ganz wenige Ausnahmen, nach der Winterpause nicht wirklich schlecht gespielt, was von einem intakten Verhältnis zwischen Team und Coach zeuge.

Eine schlagkräftige Truppe


Genau diese Basis soll dann auch die Grundlage für die Mission "sofortiger Wiederaufstieg" sein. "Ich denke, wir werden - Stand heute - wieder eine schlagkräftige Truppe stellen können, um einen Bayernliga-Spitzenplatz angehen zu können. Ob es dann zum Schluss reicht, werden wir sehen. Der VfR Garching und der SV Seligenporten haben uns es ja vorgemacht", sagt Kirsch. Der hofft, dass der Großteil der Mannschaft zusammen bleibt. "Jedoch benötigen wir dringend zwei Offensivkräfte, welche Torqualitäten haben. Uns ist aber auch bewusst, dass solche Spieler rar sind."

Kirsch: "Die Stimmung war immer gut"Zu den Gerüchten, dass es teaminterne Querelen gegeben haben soll, meint Teammanager Hubert Kirsch: "Die Stimmung war immer gut. Wir dürfen ja nicht verkennen, dass die Regionalliga ja auch einen enormen persönlichen Einsatz neben der Berufstätigkeit mit sich bringt. Schließlich arbeiteten wir ja nicht, wie die Hälfte der Mannschaften, unter Profibedingungen." Er erinnert dabei an das Zitat des ehemaligen Jahn-Trainers Christian Brandt über den FC Amberg: "Diese Mannschaft hört erst dann auf zu kämpfen, wenn sie im Bus sitzt". Dies spreche für den Charakter der Mannschaft.
Hätten wir nach dem letzten Spiel 2015 gegen Aschaffenburg gewusst, dass es eine eklatante Torflaute gibt, hätten wir sicherlich reagiert.Teammanager Hubert Kirsch
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.