Handball
„Schonzeit für den Hirsch“

Angeblich ist es noch gar nicht so lange her, als dieses Bild entstand: Tobias Hirsch (rechts am Ball) hat sich - auch angeblich - seitdem optisch (bis auf zwei graue Haare) kaum verändert. Dennoch will der Top-Torjäger der HG Amberg nach 22 Jahren seine Karriere beenden. Bild: Ziegler
Sport
Amberg in der Oberpfalz
01.04.2016
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Die Handballtorhüter Bayerns können aufatmen: Tobias Hirsch will mit der HG Amberg den Wiederaufstieg in die Oberliga feiern und nach 22 Jahren in der ersten Herrenmannschaft seine Schuhe an den berühmten Nagel hängen.

Er ist ohne Zweifel "Mr. HG Amberg": Tobias Hirsch. Gewinnt der Rekordtorschütze am Samstag, 2. April (16 Uhr), mit seinem Team in der GMG-Halle gegen Obertraubling und feiert den Wiederaufstieg in die Bezirksoberliga, dann wird der 40-jährige Linksaußen seine beeindruckende Karriere beenden - die "Schonzeit für den Hirsch" beginnt.

Herr Hirsch, Sie beabsichtigen nach dem Heimspiel gegen Obertraubling Ihre lange Karriere zu beenden?

Tobias Hirsch: Ja, wenn wir gewinnen und aufsteigen ist definitiv Schluss. Dann reicht es aber auch. Ich wollte ja schon 2015 die Karriere beenden, aber nach einem Abstieg hört man nicht auf.

Haben Sie mitgezählt, wie viele Tore Sie gemacht haben? Das müssen ja mehrere Tausend sein.

Hirsch: Das kann gut sein, aber ich habe leider mein Leistungsbuch nicht besonders gründlich geführt (lacht). Die Anzahl der Tore war mir aber nie wichtig. Es ging nicht um mich, der Mannschaftserfolg stand an erster Stelle.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Spiel und Ihr erstes Tor erinnern?

Hirsch: Das erste Mal im Kader der Herrenmannschaft war mit 18 Jahren, 1994 bei den Aufstiegsspielen für die Landesliga gegen Metten. Da bin ich zwar nicht zum Einsatz gekommen, aber das war schon etwas ganz Besonderes. Mein erstes Tor habe ich dann im ersten Landesliga-Saisonspiel gegen München-Ost erzielt.

Sie waren fast immer der Top-Torjäger der HG. Gab es da nicht unzählige Angebote, auch mal höherklassig zu spielen?

Hirsch: Bei mir direkt hat sich nie jemand gemeldet. "Der Kurze", mein ehemaliger Mitspieler Christoph Gössl, wollte mich mal nach Landshut in die Regionalliga holen. Halt, einmal hatte die HG Regensburg Interesse angemeldet, aber das habe ich schnell abgelehnt und die gibt es heute auch gar nicht mehr (lacht). Für mich gab es nie einen Grund, zu wechseln.

Warum haben sie so gern für Ihren Heimatverein gespielt?

Hirsch: Wir hatten immer coole Mannschaften, das hat perfekt gepasst. Es war einfach geil, in Amberg zu spielen. Deswegen sind ja auch die auswärtigen Spieler meist viele Jahre geblieben. Da spielt man gern und - wie in meinem Fall - auch lang.

Wie sind Sie zum Handball gekommen?

Hirsch: Mein Vater und mein Bruder waren Handballer. Ich habe Tennis gespielt und in der D-Jugend zusätzlich mit dem Handball angefangen.

Was fasziniert Sie an der Sportart?

Hirsch: Handball ist schnell, torreich und es passiert immer etwas. Als Einzelkämpfer kannst Du nichts erreichen, das geht nur im Team. Deswegen ist die Kameradschaft unter Handballern so stark - auch mit anderen Handballern nach Spielende oder bei Turnieren.

Was waren die Höhepunkte Ihrer langen Karriere?

Hirsch: Da gab es viele, ganz vorne stehen sicherlich die drei Landesliga-Aufstiege. Die Spiele beim OG Erlangen am Sonntag um 11 Uhr waren auch immer ein Knaller. Nein, die habe ich wie alle in der Mannschaft gehasst (lacht).

Sie haben reihenweise Torhüter zur Verzweiflung getrieben. Gab es auch Keeper, mit denen Sie Schwierigkeiten hatten?

Hirsch: Mit dem Schwarzenfelder Martin Strejc waren es immer besondere Duelle. Am Anfang hatte er meist mich auf der Rolle, die letzten Jahre war es eher umgekehrt.

Was werden Sie am Handball vermissen?

Hirsch: Erstmal nichts, ich habe lange genug gespielt. Ich freue mich drauf, den Jungen beim Laufen zuzusehen und an den Wochenenden die Zeit mit meiner Familie zu genießen.

Ihr ältester Sohn Anton (5) ist ja auch schon begeisterter Handballer.

Hirsch: Ja, Anton hat richtig Spaß bei den HG-Minis. Ich zwinge es ihm nicht auf, aber ich glaube, es wird in der Familie Hirsch auch in der dritten Generation Handballer geben.

Apropos Nachwuchs, wie sieht es mit Ihren Nachfolgern in der Herrenmannschaft aus?

Hirsch: Ich habe keine Bedenken, dass die Jungs im Aufstiegsfall eine gute Runde in der Oberliga spielen werden. Wir haben gute junge Leute und es wird sich jemand finden, der die Lücke schließt. Sie müssen weiter an einem Strang ziehen und das werde ich ihnen nochmal eintrichtern.

Gibt es ein Abschiedsspiel für den HG-Rekordtorschützen?

Hirsch: Ja, am 14. Mai im Rahmen eines besonderen Events, über den in Kürze die Details bekannt gegeben werden.
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