Interview mit dem Radprofi aus Haselmühl nach der Tour de France
Schillinger trotzt den Bergen

Andreas Schillinger (rechts) vom Team Bora-Argon 18 hat die Tour de France 2016 überstanden, obwohl er sagt: "Diesmal war die Tour mehr für Bergfahrer ausgelegt. Noch weniger für mich." Bild: dpa
Sport
Amberg in der Oberpfalz
26.07.2016
704
0
 
Andreas Schillinger (rechts) vom Team Bora-Argon 18 hat die Tour de France 2016 überstanden, obwohl er sagt: "Diesmal war die Tour mehr für Bergfahrer ausgelegt. Noch weniger für mich." Bild: dpa

Die Tour de France ist vorbei. Für Radprofi Andreas Schillinger bleiben schwere Beine, hohe Berge, aber auch die Ankunft in Paris in Erinnerung.

Seine dritte Teilnahme am wichtigsten Radrennen der Welt schloss der 33-jährige Haselmühler als 154. von 174 ab. Im Interview spricht er über die Strapazen der letzten Wochen.

Wie fühlen sich so kurz nach der Tour?

Andreas Schillinger: Im Moment geht's. Natürlich sind die Beine müde und ich bin kaputt. Wir haben gestern nach der letzten Etappe noch ein Treffen mit Sponsoren und ein gemeinsames Abendessen gehabt. Und wenn man erst um acht Uhr am Abend im Ziel ist, dann wird die Nacht auch kürzer.

Dann ging's gestern noch länger?

Kurz nach Mitternacht war's. Also ungewohnt lange für die letzten drei Wochen.

Wie zufrieden waren Sie mit Ihrer Tour?

Eigentlich schon ganz zufrieden. Ich hatte einen Tag lang die Möglichkeit, in die Fluchtgruppe zu gehen. Da war ich vom Team her freigestellt. Unser Ziel war ein Etappensieg, den haben wir zwar nicht eingefahren, aber wenn man sieht, wie viele Mannschaften wirklich Etappen gewonnen haben, können wir zufrieden sein.

Die Mannschaft hatte auch Pech mit dem Sturz von Sprinter Sam Bennett?

Ja klar. Wenn man acht Sprintetappen hat, und unser Sprinter auf der ersten stürzt und dann nicht mehr ins Renngeschehen eingreifen kann, ist das schon ein herber Rückschlag. Pech, aber das ist das Risiko eines Rennfahrers.

Kann man die Tour 2016 mit derjenigen Ihrer ersten Teilnahme vergleichen?

Nein, die Tour war dieses Jahr ganz anders. Wir hatten keine Pflasterpassagen von Paris-Roubaix mit drin. Wir sind diesmal anders herum gefahren, also gegen den Uhrzeigersinn: Erst in den Pyrenäen, dann in den Alpen. Und es waren mehr Bergetappen dabei. Diesmal war die Tour mehr für Bergfahrer ausgelegt. Noch weniger für mich.

Trotzdem haben Sie die Tour bestanden. Eine Riesenleistung.

Ich bin schon zufrieden und als Mannschaft können wir auch zufrieden sein. Es war ganz gut.

Haben Sie irgendwann mal ans Aufgeben gedacht?

Ja natürlich, man hat nicht drei Wochen nur ein mentales Hoch. Natürlich gibt's Tage, an denen man einfach nur vom Rad steigen will. Aber dann gibt man sich selber wieder einen Ruck und sagt: Hey, jetzt reiß dich mal am Riemen.

Aber bestimmt auch viele schöne Tage und Situationen?

Ja klar. Der Höhepunkt, der die Strapazen der drei Wochen vergessen lässt, ist, wenn man auf den Champs-Élysées einbiegt und dann realisiert, dass man jetzt in Paris ist. Dieser Moment überstrahlt alles. Und als Bartosz (Huzarski, Teammitglied von Andreas Schillinger, Anm. d. Red.) knapp am Podium vorbei fährt. Das war im ersten Augenblick vielleicht ärgerlich, aber das war eine saustarke Leistung.

Wie sieht's bei einem Berganstieg aus, mit den Massen an Fans, die nur eine kleine Gasse freilassen?

Das gehört zur Tour wie das Fahrrad zum Radsport. Am Mont Ventoux waren die letzten sieben Kilometer wegen Sturm gesperrt. Da kommen viele Leute die sieben Kilometer runter. Die wollen ja trotzdem zuschauen. Da war's schon eng. Aber generell muss ich sagen: Unsere Fankultur ist eine sehr friedliche. Es kommen viele verschiedene Nationen an einem Berg. Die feiern, grillen, haben Spaß miteinander. Es gibt keine Ausschreitungen. Da haben andere Sportarten ganz andere Probleme.

Wie geht's jetzt weiter? Urlaub oder nächstes Rennen?

Also wirklich Urlaub ist es nicht. Ich fahre am Mittwoch ein Rennen bei Köln, am Freitag ein Abendrennen bei Rosenheim und am Sonntag ist Rad am Ring auf dem Nürburgring. In der übernächsten Woche flieg ich nach Norwegen zum Arctic Race of Norway.

Wie sieht Ihre Zukunft als Radprofi aus?

Ich stehe aktuell in Verhandlungen. Da muss ich abwarten, was in den nächsten zwei Wochen passiert. Momentan habe ich noch keinen Vertrag für nächstes Jahr.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.