Interview mit Fußballerin Sara Däbritz über den Olympiasieg 2016
"Das werde ich nie vergessen"

Bild: dpa
Sport
Amberg in der Oberpfalz
29.08.2016
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Mit der Nummer 13 für Deutschland am Ball und Gewinnerin einer olympischen Goldmedaille: Sara Däbritz aus Ebermannsdorf erzielte im ersten Spiel des Turniers gegen Simbabwe (Bild) gleich das erste Tor. Mit drei Treffern war die 21-Jährige hinter Melanie Behringer (6) zweitbeste Schützin der Frauen, zusammen mit Beatriz (Brasilien) und Janine Beckie (Kanada). Urlaub gibt's keinen nach Olympia, nahtlos schließt sich die Bundesliga-Saison an.

Seit Dienstag vergangener Woche ist sie wieder in Deutschland. Und seitdem fast wieder im normalen Alltagsstress: Trainingslager mit dem FC Bayern München, Vorbereitung auf die neue Saison. Aber nur fast: Sara Däbritz, Olympiasiegerin mit der deutschen Frauennationalmannschaft, hat zusätzlich einen Termin nach dem anderen. Immer dabei: Ihre Goldmedaille.

Amberg/Weiden. (jut/ref) Drei Maschinen mit den deutschen Olympia-Teilnehmern waren in Rio de Janeiro Richtung Frankfurt gestartet, darunter der "Siegerflieger", in dem alle Medaillengewinner zurück in die Heimat gebracht wurden. "Ich habe keine Ahnung, mit welchem ich geflogen bin, der Siegerflieger war's nicht", sagt Sara Däbritz. Egal, welches Flugzeug, am Frankfurter Römerberg war die Fußballerin aus Ebermannsdorf dabei, wo die Athleten von Bundespräsident Joachim Gauck und Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Empfang genommen wurden.

Dienstag Abend ging's gleich nach München weiter, am Donnerstag mit dem FC Bayern ins Trainingslager nach Ravensburg. Zu Hause in Ebermannsdorf war sie nicht: "Keine Zeit, nicht so schlimm", sagt Sara Däbritz. Denn die Eltern waren eh' im Urlaub ... Ein Interview mit der Olympiasiegerin.

Was bedeutet Ihnen der Sieg, die Tatsache, dass Sie die Erste aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach sind, die olympisches Gold holte?

Sara Däbritz: Das ist immer noch Wahnsinn. Am Anfang konnten wir es gar nicht realisieren. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Wir sind alle megastolz darauf. Ich find's super, dass ich die Erste bin. Aber mir wär's genauso viel wert, wenn ich die Fünfte oder Sechste gewesen wäre.

Nach dem holprigen Start und der durchwachsenen Gruppenphase: Wie war die Stimmung im Team? Habt ihr immer an den Sieg geglaubt?

Däbritz: Ja schon. Es hat nicht alles geklappt bei uns, das wissen wir. Aber wir sind als Team noch enger zusammengerückt und haben uns besprochen, woran es gehapert hat. Wir wussten, dass es in der K.o-Phase darauf ankommt. Zu diesem Punkt waren wir wieder da. Am Ende interessiert keinen mehr die Gruppenphase.

Hatten Sie Gänsehaut, als Sie ins Maracana-Stadion eingelaufen sind?

Däbritz: In irgendeinem Interview tauchte mal die Frage auf, in welchem Stadion ich gerne spielen würde. Da habe ich tatsächlich Maracana hingeschrieben. Damit ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Vor so einer Riesenkulisse zu spielen. Für jeden Fußballer, vor allem für uns Frauen. Da waren 65 000 Leute da. Das war einfach geil, auf dem Platz zu stehen, und für Deutschland zu spielen.

Bei der gemeinsamen Meisterfeier des FC Bayern München sind Sie Arm in Arm mit Mario Götze auf den Rathausbalkon gegangen. Haben Sie auch einen Moment daran gedacht, dass er vor zwei Jahren die deutsche Elf im Maracana zum WM-Sieg geschossen hat?

Däbritz: Nein, da habe ich nicht daran gedacht. Es war eine besondere Sache für uns, dass wir mit den Männern auf dem Rathausbalkon stehen dürfen. Das zeigt auch die Wertschätzung vom Verein den Frauen gegenüber. Das war ein Riesenerlebnis.

Wie haben Sie die Pfiffe der brasilianischen Fans gegen die deutsche Mannschaft aufgenommen?

Däbritz: Die Pfiffe kamen deswegen, weil den Brasilianern immer noch die 1:7-Niederlage der Männer-WM im Kopf ist. Das haben sie einfach auf ganz Deutschland übertragen. Wir haben die ersten Spiele in São Paulo gemacht. Da waren wir schon überrascht von den Pfiffen. Vor 28 000 Zuschauern, die alle am Pfeifen sind, das beeindruckt einen schon kurz. Aber das haben wir schnell weggesteckt. Ich fand's nicht so schlimm.

Seid ihr im Olympischen Dorf gewesen? Habt ihr am Ende in Rio die "olympische Atmosphäre" erlebt oder wart ihr doch abgekapselt?

Däbritz: Wir sind nach dem Halbfinale ins olympische Dorf eingezogen und waren bis Montag dort. Wenn man in anderen Städten wohnt, bekommt man das nicht so mit. Aber in Rio hat uns das olympische Flair schon beeindruckt. Alle Sportler leben da an einem Ort, das war wirklich cool, das zu sehen. Wir haben uns mit anderen deutschen Athleten an einen Tisch gesetzt und geratscht, das war schon toll.

Wie lange habt ihr nach dem Finale gefeiert?

Däbritz (lacht): Ich will jetzt keine Uhrzeit nennen. Es war aber schon lange und ausgiebig...

Es wurde schon hell draußen ...

Däbritz: Ja, ja.

Wann haben Ihre Eltern gratuliert? Habt ihr telefoniert?

Däbritz: Mit meinen Eltern bin ich ständig in Kontakt. Wir telefonieren immer. Nach dem Sieg habe ich irgendwann im Bus auf mein Handy geschaut, und dann haben wir miteinander gesprochen.

Was war Ihr schönster Moment? Der Olympiasieg oder Ihr Tor zum 2:0 gegen Kanada, das die Tür zum Finale geöffnet hat?

Däbritz: Auf jeden Fall der Sieg. Der steht an erster Stelle. Das werde ich nie vergessen. Was wir in Brasilien alles erlebt haben, dieses ganze Turnier hat so unglaublich Spaß gemacht. Wir hatten so einen super Teamgeist. Das hat uns als Mannschaft stark gemacht.

Wie geht's im Nationalteam weiter nach den Rücktritten von Saskia Bartusiak, Melanie Behringer und Annike Krahn? Glauben Sie, dass die drei große Lücken hinterlassen werden?

Däbritz: Die drei waren absolute Führungsspieler. Die Lücken müssen jetzt die Jüngeren stopfen.

Glauben Sie, dass Sie eine dieser Lücken füllen können?

Däbritz (lacht): Ich wusste, dass diese Frage kommt. Ich bin jetzt auch schon ein paar Jahre in der Nationalmannschaft, aber ich bin immer noch eine junge Spielerin. Ich versuche, wenn ich auf dem Platz stehe, Verantwortung zu übernehmen.

Carlo Ancelotti hat vergangene Woche den drei Bayern-Spielerinnen, Melanie Leupolz, Melanie Behringer, und Ihnen zum Olympiasieg gratuliert? Was hat er denn alles gesagt?

Däbritz: Das war auf dem Vereinsgelände an der Säbener Straße. Aber ich habe ihn um fünf Minuten verpasst, ich bin leider zu spät gekommen. In der Kantine hat uns dann Uli Hoeneß sehr nett empfangen, da hing auch ein Plakat. Am Freitag vor dem ersten Bundesligaspiel gegen Werder Bremen wurden wir in der Allianz-Arena von Karl-Heinz Rummenigge geehrt. Das zeigt die Anerkennung uns gegenüber, das hat uns vor all den Bayern-Fans richtig gefreut.

Wie sieht Ihre Zukunft beim FC Bayern aus? Gibt's eine Vertragsverlängerung wie bei Melanie Leupolz, die bis 2019 bleiben wird?

Däbritz: Bis jetzt sind die Gespräche noch im Gange. Ich fühle mich sehr wohl in München. Aber da ist noch nichts entschieden.

Melanie Leupolz hat über Sie gesagt: Mit Sara gibt's immer was zu lachen, mit ihr kann man richtig Spaß haben, weil sie auch ein bisschen tollpatschig ist und manchmal ein paar Sachen verpeilt. Auf der anderen Seite kann sie sich voll auf sie verlassen. Sie ist eine richtig gute Freundin von mir. Was sagen Sie dazu?

Däbritz (lacht): Sie ist eine gute Freundin von mir, wir haben schon in Freiburg zusammen gespielt. Wir lachen auch viel, deswegen weiß Sie auch, dass ich ein bisschen verpeilt bin. Aber das hält sich in Grenzen ...

Wie sieht es mit Ihrem zweiten Standbein neben Fußball aus? Sie wollten ein Studium beginnen?

Däbritz: Ich habe im April begonnen, Wirtschaftspsychologie mit Abschluss Bachelor zu studieren. Bevor ich nach Rio geflogen bin, habe ich zwei Prüfungen geschrieben.

Und bestanden?

Däbritz (lacht): Ich habe noch keine Ergebnisse. Aber ich gehe davon aus.

Welchen Beruf haben Sie im Auge?

Däbritz: Ich weiß jetzt noch nicht, was ich später werden will. Aber man kann im Marketingbereich oder in der Arbeitsorganisation tätig werden. Das ist sehr flexibel. Mir macht das sehr viel Spaß. Ich lerne auch Leute außerhalb des Sports kennen. Das finde ich sehr cool, wenn man jenseits des Fußball Freundinnen hat, mit denen man sich treffen kann.

Wo bewahren Sie Ihre Goldmedaille auf?

Däbritz: Ich muss sie jetzt zu all den Terminen und Ehrungen immer noch mitbringen, deswegen hat sie noch keinen festen Platz. Aber ich werde sie später an die Wand hängen. Neben der WM-Medaille, oder EM-Medaille oder der Deutschen-Meister-Medaille, das weiß ich noch nicht.
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