Interview mit Timo Rost
Fußball-Lehrer eine "Super-Sache"

"Die Mannschaft braucht einen Trainer, der täglich vor Ort ist." Zitat: Timo Rost
Sport
Amberg in der Oberpfalz
06.06.2016
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Nach seinem Abschied als Trainer des FC Amberg ist Ex-Fußballprofi Timo Rost ein gefragter Mann: Etliche Medien haben sich bei ihm gemeldet, darunter Sport-Bild und der Kicker. Der 37-Jährige will aber zunächst ein paar Tage in Österreich ausspannen und "den Kopf freibekommen". Denn er habe sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte Rost. In einem Exklusiv-Interview mit unserer Zeitung spricht er über die Gründe - und hat ein besonderes Lob für Oberbürgermeister Michael Cerny parat.

Warum gehen Sie?

Rost: Ich mache die Ausbildung zum Fußball-Lehrer in Hennef bei Köln. Das dauert neun Monate und geht über drei Tage in der Woche. Plus diverse Praktika im In- und Ausland, darunter eine Analyse der U19-Europameisterschaft.

Das haben Sie dem FC Amberg schon vor längerer Zeit mitgeteilt?

Rost: Ja. Es gibt für diese Ausbildung über 170 Bewerber pro Jahr, aber nur 24 werden genommen. Das ist natürlich Wahnsinn. Ich habe im Februar eine dreitägige Aufnahmeprüfung in Köln gemacht und bestanden. Damit bin ich zum Lehrgang zugelassen worden. Das ist die absolute Eliteausbildung. Mit diesem Schein kannst du alle Mannschaften trainieren, jede Liga. Das ist für mich eine Supersache. Ich bin 37 Jahre alt und bin zum ersten Mal gleich zugelassen worden.

Der Verein wusste das?

Rost: Natürlich. Ich habe den Verein darauf hingewiesen, dass ich die Prüfung mache. Und dass ich die Chance ergreifen werde. Der FC Amberg war immer korrekt und hat mir auch immer gesagt, dass sie mir keine Steine in den Weg legen werden.

Wann haben Sie von der Zulassung erfahren?

Rost: Das war vier Spieltage vor Saisonende. Ich habe dann gleich den FC Amberg informiert.

Haben Sie die Entscheidung alleine getroffen, dass Sie vom FC Amberg weggehen?

Timo Rost: Nein. Wir haben das zusammen entschieden. Drei Tage nach dem Spiel gegen den FC Bayern München II habe ich mich mit Hubert Kirsch und Helmut Schweiger zusammengesetzt. Wir sind nach einem langen und intensiven Gespräch zu dem Ergebnis gekommen, dass die Mannschaft einen Trainer braucht, der täglich vor Ort ist und mit der Mannschaft arbeiten kann. Diese Entscheidung habe ich mir nicht leicht gemacht.

Sie haben kürzlich die Rahmenbedingungen angesprochen...

Rost: Es ist für einen Verein immer eine blöde Sache, wenn er absteigt. Aber: Man muss das durchleuchten und analysieren. Fakt ist, dass dieser Abstieg kein Beinbruch sein muss. Wir haben eine Mannschaft gehabt, die nebenbei noch arbeiten war. Und wir haben Trainingsbedingungen, die für eine Regionalliga suboptimal sind. Wir haben keinen Kunstrasenplatz. Wir haben einen Trainingsplatz, auf dem zu viele Mannschaften trainieren. Wir haben keinen Greenkeeper. Wir haben auch, was die medizinische Abteilung betrifft, absoluten Aufholbedarf. Wir hatten mit den niedrigsten Etat in der Liga. Wir müssen uns mit anderen messen, die unter Profibedingungen arbeiten. Und die einfach mehr Geld haben. Trotzdem bleibe ich dabei, dass wir nach so einer Vorrunde, wie wir sie auch unter diesen Bedingungen gespielt haben, und bei diesen hochkarätigen Torchancen, die wir fast in jedem Spiel hatten, sportlich nicht hätten absteigen dürfen.

Das heißt, der FC Amberg und die Regionalliga passen nicht zusammen?

Rost: Nein. Wenn der Verein und jeder Einzelne daraus lernt und die Basis geschaffen wird, um wieder oben mitzuspielen und vielleicht wieder aufzusteigen, dann war dieses Regionalliga-Jahr kein verlorenes Jahr. Im Gegenteil. Davon bin ich fest überzeugt.

Glauben Sie, dass alle Beteiligten daraus lernen?

Rost: Ich hoffe es. Der Erfolg eines Vereins steht und fällt mit dem Erfolg der ersten Mannschaft. Die Rahmenbedingungen für die erste Mannschaft, dem Aushängeschild, müssen passen. Wenn sie nicht passen, dann steckst du unten drin.

Das heißt, in Amberg haben sie nicht gepasst?

Rost: Nein, das liegt ja auf der Hand. Um Regionalliga-Fußball dauerhaft zu spielen, sind sie leider noch nicht so gegeben. Da muss der Verein zusammen mit der Stadt noch daran arbeiten.

Wie beurteilen Sie das, was die Stadt Amberg im und um das Stadion bisher geleistet hat?

Rost: Ich habe selten einen Oberbürgermeister in so niedrigen Klassen gesehen, der so oft im Stadion war, und der alles probiert, um mit anzuschieben. Was den Kunstrasenplatz betrifft und einige andere Sachen auch.

Haben Sie es bedauert, dass Helmut Schweiger sich aus dem sportlichen Bereich zurückgezogen hat?

Rost: Wir haben intern einiges an Problemen diskutiert. Ich bedaure, dass er sich offiziell zurückgezogen hat. Aber so wie ich ihn kennengelernt habe, wird er alles in seiner Macht stehende tun, um weiterhin guten Fußball in Amberg ermöglichen zu können.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann wieder Trainer beim FC Amberg zu werden?

Rost: Auf jeden Fall. Das war für mich eine tolle und lehrreiche Zeit, auch mit den Leuten hier. Die Rahmenbedingungen müssen passen. Man muss eine Weiterentwicklung sehen.

Die Mannschaft braucht einen Trainer, der täglich vor Ort ist.Timo Rost
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