Interview mit Trainer Timo Rost
FC Amberg: "Entscheidung am letzten Tag"

Timo Rost im Abstiegskampf. Der Trainer des FC Amberg hat damit reichlich Erfahrungen aus seiner Profikarriere. Aber dass eine Mannschaft neun Spiele lang kein Tor schießt, ist auch ihm neu. Bild: ref
Sport
Amberg in der Oberpfalz
27.04.2016
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Die Situation ist prekär: Die erste Mannschaft des FC Amberg hat in diesem Jahr noch kein Spiel gewonnen, kein Tor geschossen - und steht deswegen auf einem Abstiegs-Relegationsplatz. Ist der Traum nach einem Jahr Regionalliga bald wieder zu Ende?

Nein, sagt Trainer Timo Rost. Denn die Ziele des FC Amberg sind auf Dauer und in die Zukunft gerichtet. Dazu gehört unter anderem, dass die zweite Mannschaft - derzeit Tabellenführer der Bezirksliga Nord - in die Landesliga aufsteigt und dort auch bleibt. "Wir brauchen langfristig einen Unterbau zur ersten Mannschaft", erklärt Rost. Ein Interview mit dem Trainer über die Zukunft, die restlichen und entscheidenden Spiele der Saison 2015/16 - die womöglich in die Verlängerung geht.

Vier Spiele stehen noch aus, zwei zu Hause gegen die Top-Mannschaften Wacker Burghausen und FC Bayern München II, zwei gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf, in Rain am Lech und in Schalding-Heining. Ist der direkte Klassenerhalt noch zu schaffen?

Timo Rost: Absolut. Dafür werden wir alles bis zum Schluss reinhauen. Wir wollen ganz klar die Klasse erhalten. In den letzten vier Spielen ist alles möglich. Und wenn es sein muss, über die Relegation.

Besteht nicht wieder die Gefahr, dass die Mannschaft, wenn sie durchspielt wie vergangene Saison, Ende Oktober erneut platt ist?

Rost: Das war ja klar. Wir waren total überspielt. Wir hatten ja überhaupt keine Pause. Das ist jetzt nicht der Fall, denn wir hatten eine mega-lange Winterpause.

Das Ziel vor der Saison war ja mit "Klassenerhalt" klar definiert. Haben Sie damit gerechnet, dass es so schlimm kommt, wie es jetzt gekommen ist? Kein Sieg nach der Winterpause, kein Tor, nur zwei Punkte?

Rost: Wir wussten, dass wir vier Mannschaften hinter uns lassen müssen. Dass alle drei Aufsteiger und alle die Mannschaften - bis auf Illertissen - die nicht professionell trainieren können, und bei denen alle Spieler noch nebenbei arbeiten gehen, Probleme bekommen können, war uns klar. Aber dass wir in neun Spielen kein Tor schießen, damit hat keiner gerechnet. Weil wir auch beste Chancen haben liegen lassen. In jedem Spiel. Dass wir bis zum Schluss unten drinhängen, damit haben wir schon gerechnet.

Haben Sie jemals erlebt, dass eine Mannschaft so lange kein Tor geschossen hat?

Rost: Das habe ich überhaupt noch nicht erlebt, zumal wir ja in jedem Spiel mindestens zwei "Hundertprozentige" hatten. Sei es ein Elfmeter, eine Eins-gegen-eins-Situation mit dem Torwart, oder Torchancen aus fünf Metern. Das ist für eine Mannschaft, die unten drin steht, ein Wahnsinnswert. Aber wir schaffen es nicht, die Chancen zu verwerten. In neun Spielen. Damit hat wirklich keiner gerechnet.

Haben Sie im Training das Torschießen geübt? Aufs leere Tor zum Beispiel?

Rost: Wir haben in jeder Woche Abschlüsse aus verschiedenen Positionen. Das wird gezielt trainiert. Ich glaube auch nicht, dass es am Können liegt. Den Spielern fehlt einfach die Lockerheit und Unbefangenheit. Sie wollen es zu gut machen und schließen zu hektisch ab. Da müssen wir den Jungs die Sicherheit im Kopf geben. Der Kopf ist enorm wichtig.

War deswegen am Mittwoch ein Testspiel gegen den Kreisligisten ASV Haselmühl anberaumt?

Rost: Ja. Das war ein Spiel für uns, damit die Jungs wieder ein Erfolgserlebnis haben. Dass sie nicht nur Torchancen herausspielen, sondern sie auch verwerten. Da gilt mein Dank dem ASV Haselmühl, dass er bereit war, so kurzfristig einzuspringen.

In der Relegation könnte die Auslosung als Gegner die SpVgg SV Weiden erbringen. Freuen Sie sich darauf?

Rost: Wir würden uns riesig freuen. Das wäre eine Mega-Sache. Wir sind eine Mannschaft, die in solchen Spielen absolut präsent sein kann.

Wäre es ein gewaltiger Prestigeverlust, wenn die SpVgg SV Weiden auf- und der FC Amberg absteigen sollte?

Rost: Das wage ich zu bezweifeln, weil wir im Verein Strukturen schaffen, mit denen wir auf Dauer Regionalliga spielen können. Ich weiß nicht, ob es für Weiden ein Prestigeverlust war, als wir aufgestiegen sind.

Thema Abstieg: Was wäre, wenn der Fall tatsächlich eintritt, und der FC Amberg in die Bayernliga muss?

Rost: Selbst wenn wir runtergehen werden, ist das kein Beinbruch. Es laufen schon längst die Vorbereitungen, dass wir in der nächsten Saison wieder eine Mannschaft haben, die dann auch vorne in der Bayernliga mitspielen könnte. Unser Ziel ist aber ganz klar: Wir wollen langfristig in der Regionalliga spielen.

Bleibt im Falle eines Abstieges
Timo Rost Trainer des FC Amberg?


Rost: Ich habe einen Vertrag unterschrieben für beide Ligen, für Regionalliga und Bayernliga, auch mit dem Ziel, uns in der Regionalliga zu etablieren. Wir werden - egal welche Liga - eine tolle Mannschaft haben. Die im Falle eines Falles ganz sicher um den Aufstieg mitspielen wird. Aber, das sage ich deutlich, vorrangiges Ziel ist, dass wir jetzt den Klassenerhalt schaffen. Direkt oder wenn es sein muss, über die Relegation.

Die Regionalliga als langfristiges Ziel, da muss von den Rahmenbedingungen her noch einiges passieren ...

Rost: Ja. Wir brauchen auch entsprechende Trainingsbedingungen für die erste Mannschaft auf Top-Niveau. Dazu gehört auch, dass wir im Winter einen eigenen Kunstrasenplatz haben. Und einen Trainingsplatz, der auch Regionalliga-tauglich ist. Momentan haben wir einen Platz, den wir uns mit Jugendmannschaften teilen müssen. Manchmal haben wir nur einen halben Platz, oder er ist in einem so schlechten Zustand, weil zu viele Mannschaften darauf trainieren. Da kannst du oft kein richtiges Torschusstraining machen, weil es eine Wiese ist, wo der Ball hoppelt und springt. Überspitzt gesagt, würde ich da nicht mal ein Pferd draufstellen. Da müssen wir schauen, dass wir in diesem Jahr bessere Möglichkeiten finden.

Ihr größter Wunsch - neben dem Klassenerhalt?

Rost: Ein Kunstrasenplatz. Wir müssen uns mit Mannschaften messen, die unter Profibedingungen arbeiten. Die haben wir nicht. Noch nicht. Die erste Mannschaft ist Aushängeschild.

Und auch eine Prestigesache für die Stadt Amberg?

Rost: Absolut. Der Verein repräsentiert die Stadt nach außen. Wir bekommen von allen Mannschaften ein brutal gutes Feedback. Das ist sehr positiv. Unsere Fankultur ist stark am wachsen. Das ist richtig gut, wie wir unterstützt werden. Die Fans haben erkannt, dass sich unsere Mannschaft in der Regionalliga mit anderen messen muss, die einfach andere Bedingungen haben. Unsere Jungs gehen alle arbeiten. Das vergessen die meisten.

Thema Prestige: Am letzten Spieltag kommt der FC Bayern München II mit dem "kleinen" Ribéry nach Amberg ...

Rost: Das ist ein Wahnsinnsgegner für uns. FC Amberg gegen Bayern, das ist unfassbar geil. Ein absoluter Höhepunkt für uns. Das ist wie ein Fest. Die kommen mit Heiko Vogel, einem Trainer, der schon beim FC Basel in der Champions-League auf der Bank gesessen hat. Und mit Julian Green, einem US-Nationalspieler. Deswegen werden wir alles tun, um womöglich am letzten Spieltag die Relegation oder sogar den Klassenerhalt zu sichern. Ich gehe davon aus, dass die Entscheidungen erst am letzten Spieltag fallen.

FußballRelegation bis zum 7. Juni möglich

Amberg. (ref) Die Relegation zwischen der Regionalliga Bayern und den beiden Bayernligen Nord und Süd könnte in der Saison 2015/16 wieder eine längere Geschichte werden. Abhängig ist das Ganze vom TSV 1860 München: Steigt die erste Mannschaft aus der 2. Bundesliga ab, muss auch die zweite aus der Regionalliga absteigen. Das bedeutet, dass es dann nur noch einen weiteren Direktabsteiger in der Regionalliga gibt.

Bleibt 1860 in der 2. Bundesliga oder steigt direkt ab, sind die Hinspiele der Regionalliga-Relegation für Dienstag, 24. Mai, terminiert (Rückspiele Freitag, 27. Mai.). Muss 1860 München aber in die Relegation zur 2. Liga (Termine sind hier Freitag, 20. Mai, und Dienstag, 24. Mai), verschieben sich die Entscheidungen in der Regionalliga-Relegation: Statt wie geplant am Dienstag, 24. Mai, wären die Hinspiele erst am Freitag, 27. Mai. Die Rückspiele dann am Dienstag, 31. Mai.

Die vier Mannschaften, die um zwei Plätze in der Regionalliga antreten, sind die beiden Relegationsplatzinhaber der Regionalliga (aktuell FC Augsburg II und FC Amberg), sowie der Vize der Bayernliga Nord (momentan SV Seligenporten) und der Vize der Südgruppe (VfR Garching).

Spielleiter Josef Janker wird am Sonntag, 22. Mai, die Paarungen ermitteln, wobei jedem Bayernligisten ein Regionalligist zugelost wird. Die Bayernligisten haben zuerst Heimrecht, die Rückspiele finden bei den Regionalligisten statt. Die beiden Sieger aus Hin- und Rückspiel sind Regionalligist - das ist Variante eins, falls der Regionalliga-Meister (aktuell Jahn Regensburg) nicht in die 3. Liga aufsteigen sollte.

Variante zwei geht davon aus, dass der Meister der Regionalliga aufsteigt. Dann wäre ein weiterer Platz in der Regionalliga frei, da in der 3. Liga mit Kickers Würzburg nur ein bayerischer Verein vertreten ist, und dieser mit dem Abstieg nichts zu tun hat.

In diesem Fall gibt es eine zweite Relegationsrunde in der Regionalliga: Die beiden Verlierer von Runde eins spielen einen Platz aus. Termine sind entweder Dienstag, 31. Mai, und Freitag, 3. Juni, oder Freitag, 3. Juni und Dienstag, 7. Juni.

Restprogramm

Platz 13 (gesichert)

1. FC Schweinfurt 05 (32 Punkte) Freitag, 29. April, in Schalding Freitag, 6. Mai, gegen FC Bayern II Samstag, 14. Mai, beim FC Memmingen Samstag, 21. Mai, gegen Greuther Fürth

Platz 14 (gesichert)

Viktoria Aschaffenburg (31 Punkte) Sonntag, 1. Mai, bei Greuther Fürth II Freitag, 6. Mai, gegen 1. FC Nürnberg II Samstag, 14. Mai, gegen Unterhaching Samstag, 21. Mai, beim FC Ingolstadt II

Platz 15 (Relegation)

FC Augsburg II (30 Punkte) Freitag, 29. April, in Burghausen Samstag, 7. Mai, gegen Schalding Samstag, 14. Mai, beim FC Bayern II Samstag, 21. Mai, gegen Memmingen

Platz 16 (Relegation)

FC Amberg (28 Punkte) Samstag, 30. April, in Rain/Lech

Freitag, 6. Mai, gegen Burghausen

Samstag, 14. Mai, in Schalding

Samstag, 21. Mai, gegen FC Bayern II

Platz 17 (Abstieg)

SV Schalding-Heining (28 Punkte) Freitag, 29. April, gegen Schweinfurt

Samstag, 7. Mai, beim FC Augsburg II

Samstag, 14. Mai, gegen FC Amberg

Samstag, 21. Mai, in Illertissen

Platz 18 (Abstieg)

TSV Rain/Lech (26 Punkte) Samstag, 30. April, gegen FC Amberg Samstag, 7. Mai, in Illertissen Samstag, 14. Mai, gegen Bayreuth Samstag, 21. Mai, beim TSV 1860 II
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