Marathon
Anja Scherl aus Ursensollen kämpft um Olympia-Ticket

Anja Scherl aus Ursensollen (rechts) mit ihrer Trainings- und Mannschaftspartnerin Franziska Reng aus Regensburg.
Sport
Amberg in der Oberpfalz
14.04.2016
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Die Teilnahme an Olympischen Spielen - der Traum eines jeden Sportlers, aber nur wenige dürfen ihn erleben. Für Anja Scherl kann dieser Traum in diesem Jahr wahr werden. Am Sonntag, 17. April, kämpft sie beim Hamburg-Marathon um die Olympianorm und um eines der begehrten Tickets.

"Das war sehr, sehr gut - ein Top-Ergebnis." So kommentierte Wolfgang Heining (Leitender Bundestrainer Lauf) das Ergebnis, nachdem Anja Scherl, besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Schneider, am Valentinstag beim Halbmarathon in Barcelona ihr Ausnahmetalent unter Beweis stellte und für eine faustdicke Überraschung in der Leichtathletikszene sorgte. Nach 1:11:17 Stunden überquerte die gebürtige Ursensollenerin, die für die LG Telis Finanz Regensburg startet, als Vierte die Ziellinie, noch vor allen anderen, teils deutlich höher eingestuften deutschen Läuferinnen.

Startplatz bei der EM


Mit dieser famosen Zeit sicherte sich Scherl nicht nur ihren ersten Start im Nationaltrikot bei der Europameisterschaft im Juli in Amsterdam. Auch ein Olympia-Ticket ist damit in greifbare Nähe gerückt. "So eine Gelegenheit bekomme ich nie wieder, darum werde ich es auf jeden Fall probieren", entschied sich die zierliche Sportlerin, die in dieser Woche ihren 30. Geburtstag feierte, ganz spontan. Ein paar Hürden müssen aber noch genommen werden. Zuerst einmal gilt es jetzt, die vom Deutschen Leichtathletik-Verband vorgegebene Marathon-Zeitnorm zu knacken: 2:30:30 Stunden.

Scherls persönliche Bestzeit steht im Moment bei 2:36:31 - erzielt beim Hamburg-Marathon im vergangenen Jahr. Sie muss sich also um sechs Minuten steigern. Die Messlatte liegt sehr hoch, aber durchaus im Bereich des Möglichen. Im vergangenen Jahr trat die Athletin beim Marathon mit einer Halbmarathon-Bestzeit von 74:58 Minuten an, heuer kann sie die in Barcelona erzielten 71:17 Minuten vorweisen.

Hochgerechnet auf die Marathonstrecke scheint die Olympia-Norm also machbar. Das Erreichen der Vorgabezeit ist aber noch keine Garantie für das begehrte Ticket. Es werden höchstens drei deutsche Läuferinnen nach Rio geschickt. Bisher haben zwei deutsche Profifrauen die Vorgabezeit geknackt - Anna Hahner und ihre Zwillingsschwester Lisa.

"Freizeitläuferin"


Und die Senkrechtstarterin Scherl ist, was in Expertenkreisen einer kleinen Sensation nahekommt, eine heiße Anwärterin auf den dritten Platz. Es gibt in Deutschland nur noch zwei oder drei Läuferinnen, die ihr eventuell durch eine schnellere Marathonzeit gefährlich werden könnten. Am Sonntag will Anja Scherl, die sich selbst als "Freizeitläuferin" bezeichnet, ihre ersten Laufschritte bei den "Tennisschnecken Ursensollen" machte und ihr Training neben einem 40-Stunden-Job absolviert, das Projekt Olympia angehen. Die bereits bekannte, schnelle Strecke des Hamburg-Marathons soll ihr diesen Weg ebnen.

Ideale Kombi mit Ehemann


Begleitet wird Anja Scherl von ihrem Ehemann Marco, der auch gleichzeitig ihr Trainer ist und mit dem sie in Bayreuth lebt. Eine ideale Kombi findet die Athletin: "Er kennt mich in- und auswendig und kann das Training kurzfristig anpassen". Gerade kommen die beiden von einem zweiwöchigen Trainingslager in Cervia (Italien) zurück, wo der letzte Form-Feinschliff erfolgte. Die meiste Trainingsarbeit ist getan - jetzt stehen Erholung und vor allem gesundbleiben im Vordergrund, um in Hamburg auf den Punkt fit zu sein. Anja Scherl hat nichts zu verlieren - kann aber alles gewinnen.

Der Hamburg Marathon wird am Sonntag live im Fernsehen ab 8.45 auf NDR übertragen.

Die Marathon-Tickets für Rio de JaneiroZwei Plätze, vier Kandidatinnen

Amberg. (sil) Fest für Rio und die olympischen Spiele planen kann bisher nur die deutsche Marathonmeisterin Lisa Hahner (run2sky.com/2:28:39 Stunden) nach ihrem erfolgreich bestandenen Leistungstest beim Halbmarathon in Kandel (1:14:28). Zwei offene Plätze bleiben.

Eine Kandidatin ist Anna Hahner (run2sky.com/2:30:19), eine andere möglicherweise die Äthiopierin Fate Tola (Braunschweig) nach ihrer Zeit von 2:28:24 Stunden in Berlin. Noch aber läuft Tolas Einbürgerungsverfahren. Fest hingegen steht ihr Marathonstart in Boston am Montag, 18. April. Die dritte Kandidatin, Katharina Heinig, visiert in Zürich eine Zeit unter 2:28:30 an, noch steht ihr persönlicher Rekord bei 2:33:56.

Ins Blickfeld gerückt ist Kandidatin Nummer vier nach ihren 1:11:17 Stunden beim Halbmarathon in Barcelona: Anja Scherl aus Ursensollen, sie startet in Hamburg (Sonntag, 17. April) über die volle Distanz.
So eine Gelegenheit bekomme ich nie wieder.Anja Scherl
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