Schutz im Gesicht
Kevin Kühnlein vom FC Amberg spielt mit Batman-Maske

Kevin Kühnlein mit Maske: Das Material ist Carbon, deutlich bruchfester als Kunststoff. Das Teil wiegt rund 80 Gramm und kostet etwa 500 Euro. Bild: ref
Sport
Amberg in der Oberpfalz
02.03.2016
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Am Anfang, wenn ich Fußballspiele im Fernsehen gesehen habe, bin ich auf dem Sofa bei jedem Kopfballduell zusammengezuckt.

Michael Ballack hatte eine, Klaas Jan Huntelaar und Robert Lewandowski auch - die Liste der Maskenträger im Fußball ist lang und prominent. Kevin Kühnlein, Neuzugang des FC Amberg, kennt inzwischen ebenfalls das Gefühl, mit rund 80 Gramm Carbon im Gesicht zu spielen.

Samstag, 30. Januar, Kunstrasenplatz in Raigering: Es läuft die 20. Minute im Vorbereitungsspiel des Regionalligisten FC Amberg gegen den BSC Woffenbach (Bezirksliga), als Kühnlein (25) im Strafraum mit Mitspieler Junior Torunarigha zusammenprallt. "Ich habe gleich gemerkt, dass irgendwas am Kiefer nicht stimmt und an den Zähnen", erinnert sich der Innenverteidiger.

Kühnlein wird ins Klinikum St. Marien in Amberg gebracht, dort erhält er die Diagnose: Jochbeinbruch. "Am Montag hat mir dann der Arzt gesagt, dass ich operiert werden muss." Die OP erfolgt eine Woche später in Nürnberg, seitdem hat Kühnlein eine Metallplatte im Gesicht, die das Jochbein schützen soll. Sechs bis zwölf Monate ist die grobe Einschätzung der Ärzte, wie lange der Fußballer damit herumlaufen muss. Zwei Vorbereitungsspiele hat der gebürtige Franke nach seiner OP bereits absolviert, am Samstag im Derby gegen den SSV Jahn Regensburg könnte er erstmals vor Amberger Publikum auflaufen - mit einem Schutz aus Carbon im Gesicht, die im Fußballer-Jargon auch Batman-Maske genannt wird.

Herr Kühnlein, haben Sie nach dem Zusammenprall mit Torunarigha gespürt, was passiert ist?

Kevin Kühnlein: Ja, am Kiefer schon. Aber das mit dem Jochbeinbruch habe ich nicht gemerkt. Das haben sie mir erst im Krankenhaus nach der Untersuchung gesagt.

Kaum zwei Wochen im Training, und dann so etwas gleich im ersten Testspiel ...

Kühnlein: Ja, vor allem vor dem Trainingslager in der Türkei. Das wäre natürlich wichtig gewesen, die Jungs besser kennenzulernen. Ich spiele jetzt 20 Jahre Fußball, und nie ist etwas passiert.

Sie wurden operiert und konnten nicht mit in die Türkei ...

Kühnlein: Ja, das ging aber alles recht schnell.

Und wie schnell haben Sie wieder an Fußball gedacht?

Kühnlein: Am Anfang, wenn ich Fußballspiele im Fernsehen gesehen habe, bin ich auf dem Sofa bei jedem Kopfballduell zusammengezuckt. Aber dann habe ich langsam wieder mit dem Training begonnen.

Sie tragen jetzt eine Maske, die Ihr Gesicht schützen soll?

Kühnlein: Angeblich ist die ein perfekter Schutz, da sollte nichts passieren können.

Wie wird so eine Maske angefertigt?

Kühnlein: Das hat ein Orthopäde in Fürth gemacht. Ich habe ein Tuch über das Gesicht bekommen, dann wurde ein Gipsabdruck angefertigt. Das hat alles so rund 30 Minuten gedauert.

Wie haben Sie da Luft bekommen, mit dem Tuch und dem Gips im Gesicht?

Kühnlein: Das war kein Problem. Der Mund ist frei geblieben.

Wann war die Maske fertig?

Kühnlein: Zwei Tage später. Ich setze sie immer kurz vor dem Training und dem Spiel auf.

Thema Spiel: Sie sind in zwei Vorbereitungsspielen wieder eingesetzt worden. Hatten Sie nicht ein mulmiges Gefühl vor einem Zweikampf oder einem Kopfball?

Kühnlein: Im ersten Training schon. Im zweiten habe ich Kopfbälle ohne Gegner geübt. Das ging immer besser. Im ersten Vorbereitungsspiel bei Greuther Fürth habe ich dann so gespielt, als ob nichts wäre. Ich kann in die Zweikämpfe gehen, so als wenn ich keine Maske hätte. Sie sitzt mit zwei Bändern sehr fest und sollte nicht verrutschen.

Wie lange müssen Sie die Maske noch tragen?

Kühnlein: Die nächsten paar Wochen mit Sicherheit. Ich muss auch regelmäßig zur Nachkontrolle. Dann wird sich irgendwann entscheiden, wann ich sie nicht mehr brauche.

Sie arbeiten in Nürnberg, und fahren zusammen mit anderen Spielern immer ins Training?

Kühnlein: Ja, mit der Frankentruppe. Wir sind eine Fahrgemeinschaft mit Christian Knorr, Marco Wiedmann, Oliver Gorgiev, Frank Lincke und Silas Göpfert. Überhaupt bin ich in Amberg sehr gut aufgenommen worden, die Jungs machen es mir leicht.
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