Sportlerwahl 2015
Der goldene Jahrgang des FC Amberg

Nach einem 5:4-Heimspiel gegen Kickers Würzburg feierte die B-Jugend des 1. FC Amberg den Meistertitel in der Bayernliga Nord. Hinten von links Stefan Michl, Bernd Krauß, Hermann Eger, Tobias Rau, Bernhard Gimpl, Dominik Fleischmann, Uwe Richthammer, Stefan Mattyasovszky, Sven Löhner, Andreas Kalteis, Alexander Bugera, Betreuer Franz Gimpl, Jugendleiter Dieter Amann, (vorne von links) Norbert Braun, Klaus Maulbeck, Sven Lehmeier, Johannes Hammer, Jürgen Stadler, dahinter Trainer Karlheinz Cislaghi, Peter S
Sport
Amberg in der Oberpfalz
16.01.2016
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Der Charakter, der Einsatzwille, die Bereitschaft zu trainieren und das im Spiel umzusetzen.

Das hatte vor ihnen noch keine Amberger Fußballmannschaft geschafft: Sie besiegen den 1. FC Nürnberg, wenige Monate später schlagen sie den FC Bayern München - und dann triumphieren die B-Junioren des 1. FC Amberg auch gegen Skilangläufer, Basketballer und Eishockeyspieler.

Zwei Jahre nach der ersten Sportlerwahl unserer Zeitung wurden neben Frauen und Männern auch Mannschaften vorgeschlagen. Der Sieger 1993: die B-Jugend des 1. FC Amberg, vor dem SCMK Hirschau um Jochen Behle und vor der Basketballgemeinschaft Weiden. Der Sieger 1994: die B-Jugend des 1. FC Amberg, vor den Blue Devils Weiden und den Schützen von Hubertus Kastl.

Noch heute, 22 Jahre später, gelten die B-Junioren der Saison 1993/94 (überwiegend Jahrgang 1978) als die erfolgreichste Jugendmannschaft Ambergs. Das Team von Trainer Karlheinz Cislaghi, Co-Trainer Franz Gimpl und Torwarttrainer Willi Schnaus wurde ungeschlagen (39:9 Punkte, 73:24 Tore) Meister der Bayernliga Nord und entthronte Seriensieger 1. FC Nürnberg, der seit Einführung der Bayernliga 1987/88 sechs Mal in Folge den Titel geholt hatte. 65 der 73 Treffer erzielten die "phantastischen Vier", Stefan Michl (22 Tore), Sven Löhner (18), Norbert Braun (14) und U 15-Nationalspieler Alexander Bugera (11).

Bayerischer Hallenmeister


Wie stark die Mannschaft war, zeigte sich schon in der Winterpause bei der bayerischen Hallenmeisterschaft in Regensburg: Mit der Taktik von Sepp Herberger bei der WM 1954, der im ersten Spiel gegen die "unbesiegbaren" Ungarn eine B-Elf aufbot und den großen Favoriten im Finale dann überrumpelte, ließ Cislaghi in der Zwischenrunde die Ersatzspieler gegen den FC Bayern München ran. "Da hat's nur klack, klack gemacht und wir haben 1:7 verloren", erinnert sich der 62-Jährige. "So sind die Bayern dann aber auch ins Finale gegangen..." Für Cislaghi das "emotionalste Spiel" in seiner Zeit beim 1. FC Amberg: "Da hat 1860 München mitgespielt, Schweinfurt, Unterhaching. Und plötzlich stehen wir im Finale, als absoluter Außenseiter gegen die Bayern, die damals eigentlich unbesiegbar waren. Die ganze Halle stand hinter uns." Bis 30 Sekunden vor dem Ende führten die Amberger mit 1:0. "Ich bin halberts gestorben", sagt Cislaghi. "Dann kommt einer von denen durch und trifft zum 1:1." Im Siebenmeterschießen stand es nach jeweils fünf Schützen wieder unentschieden. Dann verschoss der Münchner Frank Wiblishauser, für Amberg trat Stefan Mattyasovszky an - und verwandelte.

Im Sommer 1994 gab es das Duell FC Bayern München gegen 1. FC Amberg noch einmal: Der Meister der Bayernliga Süd und der Meister der Bayernliga Nord spielten in Höchstädt bei Donauwörth um den bayerischen Titel. Diesmal gewann der große Favorit, allerdings unter "mysteriösen Umständen" (Cislaghi) und mit einem "umstrittenen Treffer". Beim Stand von 1:1 fing Ambergs Torhüter Markus Bauer eine Flanke, hielt den Ball fest, dem ihn der türkische U16-Nationalspieler Murat Demür aus den Händen köpfte und ihn zum 2:1 über die Linie schob. In den Tagen danach beschäftigte sich der Deutsche Fußball-Bund mit dem Treffer, sogar das Regelwerk der Fifa wurde durchgewälzt. Schließlich verzichteten die Amberger auf einen Protest, es blieb beim Sieg der Bayern.

Zwei in der 1. Liga


Trotz der unglücklichen Niederlage: Es war die beste Saison einer Jugendmannschaft in der Vereinsgeschichte des 1. FC Amberg, die knapp zwei Jahre später durch die Insolvenz des Vereins beendet war. Die erfolgreiche Mannschaft von 1993/94 brach auseinander, viele Spieler wechselten den Verein, spielten später in der Landesliga, Bayernliga und Regionalliga. Sven Löhner kam beim FC Schweinfurt zu einem Einsatz in der 2. Bundesliga, Uwe Richthammer war beim FC Bayern München auf dem Sprung zu den Profis, den letztlich mehrere schwere Verletzungen verhinderten. In die 1. Bundesliga schafften es zwei: Alexander Bugera, der zum FC Bayern München ging, später für den MSV Duisburg, die SpVgg Unterhaching und den 1. FC Kaiserslautern spielte - und Stefan Mattyasovszky, allerdings erst vor drei Jahren, als Mannschaftsarzt beim FSV Mainz 05.

Der Charakter, der Einsatzwille, die Bereitschaft zu trainieren und das im Spiel umzusetzen.Karlheinz Cislaghi über das Besondere der Mannschaft

Nachgefragt

Herr Cislaghi, was war das Besondere an dieser Mannschaft?

Cislaghi: Einfach der Charakter, der Einsatzwille, die Bereitschaft zu trainieren und das im Spiel umzusetzen. Auch der "Star" der Mannschaft, Alex Bugera, hat sich untergeordnet in der Mannschaft. Er hat sich in keinster Weise als Star gefühlt, obwohl er Junioren-Nationalspieler war, sondern hat immer alles in den Dienst der Mannschaft gestellt.

Und das Erfolgsrezept?

Cislaghi: Sicherlich auch, dass die Eltern wahnsinnig dahinter gestanden sind. Bei Auswärtsfahrten waren immer 15, 20 Eltern mit dabei. Manchmal hat man geglaubt, es ist ein Familienausflug...

Angenommen, die Mannschaft wäre so zusammengeblieben. In welcher Liga hätte sie spielen können?

Cislaghi: Wenn ich es vergleiche mit der derzeitigen Mannschaft in der Regionalliga... Regionalliga wäre möglich gewesen.

ErfolgeBayernliga

Platz 1 in der Bayernliga Nord in der Saison 1993/94 mit 73:24 Toren und 39:9 Punkten, bayerischer Vizemeister

Halle

Bayerischer Hallenmeister 1994

Sportlerwahl

1993: 1. Platz 1994: 1. Platz
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