Sportlerwahl 2015
Silke Fersch und ihr größter Erfolg

Das "bewegendste Ereignis" in ihrem Leben: Silke Fersch bei ihrem ersten Sieg beim München- Marathon. Laufen wurde ihr in die Wiege gelegt, sagt sie. Und: "Ich habe immer alles alleine gemacht, hatte noch nie einen Trainer und war schon immer Autodidakt." Vielleicht aus einem Grund: "Ich laufe für mein Leben gerne, aber ich trainiere nicht gerne." Bild: Kiefner
Sport
Amberg in der Oberpfalz
13.01.2016
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Kalorien habe ich nie gezählt.

München, Olympiastadion 13. Oktober 2002: Fotografen, Kamerateams und Reporter stürzen sich auf die Sensationssiegerin des Stadt-Marathons, die mit einem Lorbeerkranz um den Hals über die Ziellinie läuft. Oben auf der Anzeigetafel erscheint ihr Name: Silke Fersch.

"Das war das Bewegendste, was ich je erlebt habe", sagt sie kurz nach ihrem Erfolg, den sie rund 13 Jahre später immer noch für ihren größten hält - die Schnellste in einem Feld von über 1100 Frauen. Trotz einiger Ausflüge ins Triathlonlager, darunter zwei Teilnahmen beim Ironman auf Hawaii. "Für mich ist Laufen die schönste Nebensache der Welt, mein Lebenselixier", sagt sie. Zur der sie per Zufall kam. 1992 hatte sie ihre Nachbarin angesprochen - Fersch wohnte damals in Ursensollen - ob sie nicht Lust hätte, ein bisschen mitzutrainieren und am Landkreislauf teilzunehmen. Nur zwei Wochen später belegte sie mit den Tennisschnecken Ursensollen einen vorderen Platz - der Beginn einer steilen Karriere. "Laufen ist mir wohl in die Wiege gelegt worden. Für mich gibt es nichts Schöneres, als durch die Wälder der Wagensaß zu laufen. Das strengt mich auch in keinster Weise an", sagt die Diplom-Ingenieurin für Feinwerktechnik, die an der Ostbayerische Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) beschäftigt ist.

Was sie hingegen nie gebraucht habe: Das Tempo, die Schinderei, den Blick auf die Uhr. Das klingt zunächst paradox, doch ihre Erklärung dazu ist einfach: "Ich habe ganz schnell gemerkt, dass ich mit minimalem Aufwand vorne mitmischen kann. Und ein bisschen Beifall tut natürlich gut."

Schnell hat sie auch etwas anderes gemerkt: "Schwimmen kann ich nicht, Radfahren kann ich nicht." Deshalb blieb Triathlon nur eine kurze Episode im Leben der Sportlerin aus Sulzbach-Rosenberg, und der Ironman ein schönes Erlebnis: "Ich habe einen Startplatz in Roth zu meinem 30. Geburtstag geschenkt bekommen und mich dort für Hawaii qualifiziert." Eigentlich wollte sie nicht, doch alle Freunde und Bekannten haben auf sie eingeredet, doch da mitzumachen - was sie dann zweimal mit Erfolg tat. 2004 dann das Ende des Leistungssportes: Ein Ermüdungsbruch im Mittelfuß zwang Silke Fersch vier Wochen auf die Couch - mit Gips und viel Zeit zum Nachdenken. "Da habe ich mich gefragt: Ist Sport alles in meinem Leben?" Nein - war die Antwort.

Keine großen Wettkämpfe mehr, dafür mehr Zeit für ihre zweite Leidenschaft, und das klingt auch paradox von jemanden, der auf gesunde Ernährung achtet: "Ich habe ein Faible für Kuchen & Co. Backen gibt mir die Möglichkeit, kreativ zu sein und auch mal wieder mit den Händen zu arbeiten." Ihre Rezepte tüftelt sie oft selbst aus oder kombiniert sie mit welchen aus dem Internet - und stellt sie dann genau dort rein. Unter www.backluder.de - ein witziger Name, unter dem sie einen Blog betreibt und ihre Kreationen vorstellt. "Gesunde Ernährung und Backen ist kein Widerspruch", sagt die 46-Jährige: "Ich verwende keine Zusatzstoffe und keine künstlichen Hilfsmittel." Was die Zukunft bringt? "Vielleicht mache ich irgendwann ein Cafe auf."

Kalorien habe ich nie gezählt.Silke Fersch, Läuferin

Nachgefragt
Frau Fersch, haben sie es bereut, mit dem Leistungssport aufgehört zu haben?

Silke Fersch: Keine leichte Frage. Manchmal habe ich mich schon gefragt: Warum hast du nie professionell trainiert? Und was wäre möglich gewesen? Aber ich habe am Höhepunkt aufgehört, und das war gut so.

Aber Sie betreiben immer noch nebenbei Sport?

Fersch: Ja, natürlich. Ein bisschen Laufen, ein bisschen Radeln. Und ab und zu Aquajogging im Kurfürstenbad. Das wird oft belächelt, aber das kann man sehr intensiv betreiben.

Reizt Sie eine Rückkehr zu einem großen Wettkampf?

Fersch: Wenn, dann würde ich nochmal einen München-Marathon laufen. Der Veranstalter, Gernot Weigl, hat mich bei meinem ersten Sieg ins Herz geschlossen und lädt mich jedes Jahr ein, sogar zu den Weihnachtsfeiern. Wahrscheinlich, weil mich damals niemand auf der Rechnung hatte. Ein unbekanntes Gesicht in der Läuferszene, das völlig überraschend gewonnen hat.

Sie machen nebenbei Ernährungsberatung, sind Triathlon- und Nordic-Walking-Trainerin. Wie passt das mit ihrem Hobby als "Backluder" zusammen?

Fersch: Da habe ich schon interessante Diskussionen geführt. Kalorien habe ich noch nie gezählt. Genuss gehört zum Leben dazu. Jeder hat etwas, das der Seele gut tut. Bei mir ist das Kuchen. Aber nur am Wochenende. Es kommt auf das richtige Maß an.

Ihr Lieblingskuchen?

Fersch: Zimtschnecken - am besten noch warm aus dem Ofen. Das ganze Haus duftet danach. Soooo lecker!

Ihre ErfolgeMarathon/Laufen

Zweifache Siegerin des München-Marathons 2002 (2:46:18 Stunden) und 2003 (2:44:59), unzählige Siege bei diversen kleineren Rennen

Triathlon

Finisherin mehrerer Triathlon-Ironmans (Hawaii 2000 und 2001), mehrere deutsche Meistertitel (2001 bis 2004) mit der Mannschaft von CIS Amberg auf der Langstrecke

Sportlerwahl

2001 und 2002 erster Platz, 2003 zweiter Platz als 'Sportlerin des Jahres'; 2002 und 2004 erster Platz mit der Triathlonmannschaft von CIS Amberg
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