Strittige Qualifikation für Cross-Europameisterschaft
Anja Scherl und Co. müssen extra nach Holland

"Über tausend Ecken gedacht, unpopulär und nicht zielorientiert", ärgert sich Telis-Teammanager Kurt Ring über die EM-Qualifikation. Bild: hfz
Sport
Amberg in der Oberpfalz
25.11.2016
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Olympia-Teilnehmerin Anja Scherl aus Ursensollen und viele andere deutsche Läufer müssen nach Holland fahren, um sich für die Europameisterschaft im Cross zu qualifizieren. Eine unsinnige Sache, findet Teammanager Kurt Ring.

Regensburg/Amberg. Es ist schon fast Tradition, dass Läuferinnen und Läufer der LG Telis Finanz Regensburg bei Crosslauf-Europameisterschaften teilnehmen. Erst im vergangenen Jahr ließ sich Franzi Reng Gold in der Teamwertung der U23 umhängen und auch in diesem Jahr hat mit Telis-Neuzugang Miriam Dattke in der U20 bereits eine zukünftige Domstädterin die Fahrkarte ins sardische Chia gelöst, wo in diesem Jahr die kontinentalen Meisterschaften im tiefen Geläuf stattfinden.

Der Rest der Truppe muss bis ins holländische Tilburg reisen, um am Sonntag, 27. November, vielleicht noch das eine oder andere Ticket zu ergattern. Dort müssen deutsche Frauen und Männer beim international besetzten Warandeloop Cross im dann nach Europäern bereinigten Ergebnis unter die besten Zwölf kommen, in der U23 unter die besten 20. Aussichtsreichste Regensburger Kandidaten dafür sind bei den Männern der Olympiateilnehmer und EM-Siebte über 5000 Meter, Florian Orth, und bei den Frauen Marathon-Olympiateilnehmerin Anja Scherl.

Gelingt Anja Scherl und Florian Orth das Kunststück, unter die besten Zwölf zu laufen, ist noch lange nichts im Reinen, weil sie aus guten Gründen den vom DLV geforderten Zweitcross nicht nachweisen können. Ihre beiden Teamkolleginnen Thea Heim und Cornelia Griesche würden sich da leichter tun. Sie waren in Darmstadt am Start. Kurt Ring, Teammanager der LG Telis Finanz stuft diese Situation als unmöglich ein: "Über tausend Ecken gedacht, unpopulär und nicht zielorientiert. Man kann sich auch zu Tode qualifizieren. Gerade im Falle Orth wäre eine Nichtnominierung wegen des fehlenden zweiten Crosseinsatzes eine Farce, sofern der EM-Siebte seine Form in Tilburg nachweisen kann. Kein anderer deutscher Spitzenläufer außer ihm interessiert sich nämlich für einen Start in Chia."

Merkwürdig sind die immer wieder in großen Teilen aus dem Vorjahr abgeschriebenen DLV-Nominierungsrichtlinien für diesen jährlichen internationalen Event schon. Warum entschließt man sich nicht für eine alles entscheidende deutsche Qualifikation in Darmstadt, Frau gegen Frau und Mann gegen Mann? Der europäische Verband würde deutsche Mannschaften in allen ausgeschriebenen EM-Wettbewerben sicher begrüßen und der Kampf um die einzelnen Startplätze wäre sicher öffentlichkeitswirksam zu vermarkten.

"Der Verband verhindert im großen Stil Teilnahmen bei einer Cross-EM" heißt es unverhohlen in der Szene. Auch der ehemalige Crossbeauftragte des DLV, Wilfried Raatz, fordert inzwischen Trials und sieht das derzeitige Vorgehen als nicht zukunftsträchtig an.
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