Tennis
Schanzl-Trio zum Studium in den USA

Stephanie Wagner hat in den USA alle bisherigen Rekorde der Uni-Teams mit 135 Einzelsiegen eingestellt. Auch im Doppel glänzt die Ambergerin in der Mannschaft der University of Miami. Bild: ref
Sport
Amberg in der Oberpfalz
19.07.2016
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Drei Spieler des TC Amberg am Schanzl verbringen die meiste Zeit des Jahres nicht in Amberg, sondern in den USA. Alle drei haben eines gemeinsam: ein Tennisstipendium. Die Erkenntnis: "Man wird wirklich tough gemacht für das Leben. Man wird mental stark und lernt, sich durchzusetzen."Sagt Albert Wagner, der mit der Ausbildung fertig ist, aber im August in die USA zurückkehrt.

Alberts Schwester Stephanie Wagner ging in nahezu allem den gleichen Weg wie ihr Bruder. Auch sie begann in sehr jungen Jahren ihre Karriere beim TC am Schanzl, holte den Regionalligatitel nach Amberg, durchlief alle Jugendnationalteams von der U12 bis zur U18, spielte zusammen mit Annika Beck und Anna-Lena Friedsam 2009/10 beim Junioren Fed-Cup, trat in Wimbledon bei den Junioren an und kam dort bis ins Viertelfinale.

Ich habe mich auf Anhieb in die Uni verliebt.Stephanie Wagner über die University of Miami

Um ihre Karriere zu forcieren, ging sie wie ihr Bruder Albert für die letzten eineinhalb Jahre vor dem Abitur an die niedersächsische Carl-Friedrich-Gauß-Schule, die als Olympia-Stützpunkt fungiert und auch den Fußballprofis von Hannover 96 als Eliteschule dient. Sie erhielt von der erstklassigen University of Miami ein Stipendium und zeichnete sich dort weiter durch Spitzenleistungen aus, kein Wunder: "Ich habe mich auf Anhieb in die Uni verliebt."

Vier Jahre Miami


Nach vier Jahren bei den Miami Hurricanes ist die nun 21-Jährige Teambeste, unumstrittene Mannschaftsführerin, und hat mit 135 Einzelsiegen alle bisherigen Rekorde des Uni-Teams eingestellt. Dazu brilliert Stephanie Wagner auch im Doppel. Die Hurricanes gehören beständig zu den Top Ten der NCAA (College Liga der USA) und erzielten als Spitzenplatz schon mal den fünften Rang bei 75 Collegeteams mit Ranking. Dies gilt auch für die Doppel, bei denen die Hurricanes ebenfalls bei den Top Ten rangieren.

Training mit Navratilova


Ein weiterer Glanzpunkt ihrer Karriere ist, dass Stephanie Wagner zweimal bei den National Indoor ins Semifinale kam. Martina Navratilova, die unweit der University of Miami wohnt, trug zu einem weiteren unvergesslichen Erlebnis bei: Die einstige Weltranglisten-Erste trainierte Doppel mit der Ambergerin und ihrer Teamkameradin.

Sie ist ein Tiger auf dem Tennisplatz, aber neben dem Platz ist sie ist das netteste Mädchen.Trainerin Paige Yaroshuk-Tews über Stephanie Wagner

Immer wieder Topleistungen abzurufen und dennoch allseits beliebt und geschätzt zu sein, brachte Stephanie Wagner den respektvollen Kommentar ihrer Trainerin Paige Yaroshuk-Tews ein: "She is a tiger between the lines but off the court, she's the sweetest kid you'll meet". Auf gut Deutsch: "Sie ist ein Tiger auf dem Tennisplatz, aber neben dem Platz ist sie ist das netteste Mädchen."

Master-Plan


Ein Tiger ist sie aber nicht nur auf dem Platz (in den USA nur Hartplatz) Auch das Studium bewältigte sie mit Erfolg in Wirtschaft als Hauptfach und Psychologie im Nebenfach. Ab August nimmt Stephanie Wagner den Master in International Business in Angriff. Danach geht es möglicherweise zurück nach Deutschland.

In dem Maße wie ihr Bruder Fußball liebt, hängt ihr Herz am Skifahren. Darauf freut sie sich schon das ganze Jahr, dass es Weihnachten mit der Familie in den Schnee geht. Ansonsten ist auch bei ihr nicht viel Zeit für andere Neigungen, außer dass man sich in den freien Stunden mit Freunden trifft, die auch irgendwie ein bisschen zum Familienersatz werden. Sowohl Stephanie als auch Albert Wagner, die bisher von Verletzungen verschont geblieben sind, verstärken in der Sommerpause den TC am Schanzl. Ein Spagat zwischen Studium, Training, wöchentlichen Wettkämpfen samt strapaziösen Anreisen.

Tennis-Stipendium in den USA: Christopher Patzanovsky und Albert Wagner




Christopher Patzanovsky (19), der jetzt sein erstes Jahr bei der University of Memphis (Tennessee) absolviert hat, verließ die Oberpfalz mit 17 Jahren. Der Sohn rumänendeutscher Einwanderer war die vergangenen fünf Jahre die Nummer eins seiner jeweiligen Altersklasse in Bayern und Platz sechs in Deutschland. Auch bei den Memphis Tigers gelang es ihm auf Anhieb, sich in die Startaufstellung, die aus sechs Spielern besteht, hineinzuarbeiten. Im Herbst schaffte sein Team, auch dank seiner Leistung, die Qualifikation für die 64 besten Universitätsmannschaften zu erreichen.

Gegen Ende der Saison, die von Januar bis Mai geht, stand ein guter 17. Platz zu Buche. Zu diesen Spielen reist die Truppe für gewöhnlich einmal in der Woche für zwei Tage per Flugzeug quer durch die USA, verteilt auf mindestens drei Zeitzonen. Außer diesen Belastungen will natürlich auch das Studium - im Falle von Patzanovsky Mathe und Physik mit wöchentlichen Klausuren - bewältigt werden. Deshalb beginnt der Tag langschläferuntauglich. Um sieben Uhr ist individuelles Training. Danach schließen sich zwei bis vier Stunden Unterricht an. Nach einer etwa zweistündigen Mittagspause beginnt um 14 Uhr das Teamtraining an und endet gegen 17 Uhr. Für Abendprogramm ist auch gesorgt. Es schließt sich nochmals Unterricht bis 19 Uhr, einmal pro Woche bis 22 Uhr, an.

Da auch an Samstagen oft noch lockeres Training angesagt ist, bleibt nicht viel für Freizeit oder andere Hobbies übrig. Christopher Patzanovsky, der in der Grundschule bereits eine Klasse überspringen durfte, vertreibt sich trainings- und lernfreie Minuten mit Kartentricks. In seinem Team mit den Memphis Tigers befinden sich neben einem Australier, einem Amerikaner, vier Briten noch zwei weitere Deutsche. Letztere genießen in den USA einen ausgezeichneten Ruf. Gelten sie doch als leistungsbereit und fleißig. Auch andere Universitätssportteams holen sich gute Tenniscracks von überall auf der Welt. Oft gehen sie an die Leistungssport/Studium-Kombination unvoreingenommener heran als die Highschool-Absolventen, die schon sehr konkrete Vorstellungen davon haben, dass in den Uni-Teams gnadenlos auf Leistung gesetzt wird und schlimmstenfalls ein Leistungsschwacher aus der Mannschaft entfernt wird. Womit natürlich auch das Studium allein nicht mehr so leicht finanzierbar wird, weil das Stipendium wegfällt.

In den Sommersemesterferien verstärkt Patzanovsky den TC am Schanzl bei seinen Zweitbundesligaauftritten und hält sich neben seinen Tennistrainingseinheiten im Boxclub Amberg fit.

Höhepunkt in Honolulu




Den gleichen Weg beschritt Albert Wagner schon im Jahre 2011. Er entschied sich für die University of Louisville (Kentucky) und hat diesen Schritt auch nie bereut. Inzwischen hat er den Bachelor für Wirtschaft und Finanzen in der Tasche. Ab August startet er dann den Masterstudiengang für Sportmanagement. Seine Louisville Cardinals liegen im NCAA (=National Collegiate Athletic Association)-Ranking im Schnitt auf Platz 20 bis 40. Sein persönlicher Bestplatz im Einzel der NCAA Liste ist Rang 80 und im Doppel Platz 25. Als Freshman (Student im 1. Jahr) konnte er sich schon für die Mannschaftsaufstellung empfehlen (bei sechs von dreizehn Spielern). Schon hier wurde er für die Big East Academic All Star benannt.

Über die folgenden Jahre vom Freshman zum Sophomore (Student im 2. Jahr) bis hin zum Junior (Student im 3. Jahr) und Senior (Student im 4. Jahr) hielt er in der teameigenen Wertung konstant den ersten oder zweiten Platz. Auch in seinem Tennisteam finden sich Athleten aus aller Herren Länder wie Kolumbien, Österreich, Indien und Frankreich. Albert Wagner betätigt sich bei den Cardinals auch als Spielertrainer. In diesem Zusammenhang trafen sich der gebürtige Teublitzer Christopher Patzanovsky, als Letzterer gegen einen Schützling von Wagner antreten musste.

Ansonsten sind private Kontakte außerhalb des Campus aufgrund des straffen Zeitplanes der Stipendiaten kaum möglich. Zwei Heimreisen im Jahr sind drin. Einmal ein Kurzurlaub nach Ende der intensiven Vorbereitungszeit und Qualifikationen, die von August bis Dezember dauert und der zweite etwas längere Aufenthalt in der Heimat, der nach der Saison ab Juni beginnt.

Ab dann heißt es wieder um 5.30 Uhr aufstehen und um 6.30 Uhr für die nächsten 75 Minuten im Kraftraum erscheinen. Schon 15 Minuten später gibt es eine Stunde lang individuelles Training. Anschließend Vorlesungen bis um 12.30 Uhr das Teamtraining startet und um 15 Uhr endet. Bis 20.30 Uhr gibt es dann noch mal Vorlesungen.

Für Hobbys hat auch Albert Wagner nicht viel Zeit. Aber da außer Tennis Fußball seine zweite Leidenschaft ist, verfolgt er die Bundesliga und auch den europäischen Fußball regelmäßig. Das persönliche Highlight für den 23-Jährigen war ein einwöchiges Trainingslager auf Honolulu/Hawaii. Für die Zukunft steht nach dem Master ein Praktikum bei Adidas in Nordamerika in Aussicht.

Weitere Informationen:

www.hurricanesports.com
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