1500 vor den Werkstoren bei Siemens
Letzte Warnung

1500 Beschäftigte von Grammer und Siemens beteiligten sich am Donnerstagvormittag am Warnstreik der IG Metall. Der Name der Band "Feierabend", die zum Auftakt spielte (Bild), war nicht Programm. Die Aktion bezeichnete 1. Bevollmächtigter Horst Ott als "letzte Warnung" für die Arbeitgeber, die ein "respektloses Angebot" abgegeben hätten. Bilder: roa (2)
 

Knapp 1500 Menschen vor den Siemens-Werkstoren am Vormittag, 350 in Immenstetten am Nachmittag und 1. Bevollmächtigter Horst Ott im Dauergrinsen: Das ist die Bilanz des zweiten Warnstreiks, zu dem die IG Metall in der aktuellen Tarifrunde aufgerufen hatte.

Donnerstag, kurz vor 9.30 Uhr: Acht Busse stoppen beim Siemens-Parkplatz. Über 450 Grammer-Mitarbeiter steigen aus, bewaffnet mit Trillerpfeifen und Transparenten. Das Firmengebäude in Schafhof ist nach Aussage von IG-Metall-Fachsekretär Matthias Scherr bis auf drei Menschen leer. Grammer steht, und auch bei Siemens geht fast nichts mehr.

1000 Mitarbeiter gesellen sich zu ihren Kollegen vor den Werkstoren. "Stoppt den Stellenabbau am Standort", "Warnstreik, unser gutes Recht" oder einfach nur "Wir kämpfen mit!" lauten die Sprüche auf den Fahnen. Die Kundgebung am Vormittag ist der Auftakt für einen Warnstreik-Marathon in der Region: Weiter geht es am Nachmittag im Industriegebiet Immenstetten vor Kerb Konus. Insgesamt haben nach Auskunft des 1. Bevollmächtigten mit Beendigung der Warnstreikwelle gegen 21.30 Uhr in Vohenstrauß die Arbeiter in 23 Betrieben in der nördlichen und mittleren Oberpfalz für durchschnittlich 2,5 Stunden ihre Tätigkeiten ruhen lassen. Es ist der letzte Warnschuss in Richtung Arbeitgeber, sollte keine Einigung bei den Verhandlungen erzielt werden. "Dann werden wir bundesweit zu 24-Stunden-Streiks aufrufen, denn nur so erzeugen wir wirtschaftlichen Druck", kündigt Horst Ott an. Das aktuelle Angebot - die Gewerkschaft hatte fünf Prozent mehr Lohn gefordert, die Arbeitgeberseite bot 0,9 Prozent - bezeichnete er als "respektlos". Dafür erntet der 1. Bevollmächtigte viel Applaus. "Das ist doch kein Angebot. Was bieten sie uns als nächstes? Lohnabzug?", ruft Grammer-Betriebsratsvorsitzender Lars Roder in die Menge. Er adressiert das vor allem an die, die sich nicht am Streik beteiligt hatten: "Diskutiert über das Thema in der Brotzeit und in der Freizeit. Denn wir sind nur als Einheit, als Mannschaft, stark." Manuel Stöbig, Vorsitzender der IG-Metall-Vertrauensleute, bezeichnet die Forderung nach fünf Prozent mehr Geld als "nicht nur fair, sondern zwingend notwendig".

Als Gründe führt er die private Rentenvorsorge, die Erhöhungen der Beitragszahlungen an die Krankenkassen, private Pflegeversicherung, Zahnzusatzversicherung, Brillen- oder Berufsunfähigkeitsversicherung "und was noch alles von einem jeden heute selbst zusätzlich bestritten und aufgewendet werden muss von seinem Auskommen". Stöbig kritisiert, dass entgegen der Versprechungen von Siemens-Chef Joe Kaeser aktuell "schon wieder knapp 2000 Arbeitsplätze überwiegend in Bayern vernichtet, obwohl schwarze Zahlen geschrieben werden". Ott und Stöbig werden heute bei den vierten Tarifverhandlungen der IG Metall und dem Verband der Metall- und Elektroindustrie in München dabei sein.
Die Opfer sind immer dieselben: Das sind die Beschäftigten, die anständig Steuern und Abgaben entrichten, ohne einen Briefkasten in Panama zu haben.Manuel Stöbig, Vorsitzender der IG-Metall-Vertrauensleute

Man nehme 60 Kilo Wurst, 30 Kilo Käse, zehn Töpfe Essiggurken und 2000 Semmeln, dazu Spezi, Wasser und fertig ist das Menü à la Luitpoldhütte. Das hatten die Beschäftigten ab 3.30 Uhr morgens für die Teilnehmer des Warnstreiks vor der Siemens-Hauptpforte hergerichtet, informierte 1. Bevollmächtiger Horst Ott und lobte die Kollegen für das "Top-Catering".

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