160 Jahre Geschichte:
Schöner Wohnen

In den 1970er Jahren war das sicherlich ein Traum von einem Schlafzimmer, heute würde man es eher in einem Museum vermuten – oder eben als Foto in der Familien- und Firmenchronik von Möbel Gürtler. Ob futuristisch oder rustikal, klassisch oder peppig – Wohnambiente zum Wohlfühlen kann so vielfältig sein. Und mit Möbeln verhält es sich wie mit der Mode: Was heute „out“ ist, war früher „in“. Repro: Hartl
 
Leonhard Gürtler. Repro: Hartl

Seit 160 Jahren gibt es das Möbelhaus Gürtler. Begonnen hatte alles als Möbelschreinerei. Ein Blick in die Familienchronik der Familie Hönle, den heutigen Besitzern der Firma, zeigt, wie sich im Mobiliar der Zeitgeist der jeweiligen Epoche widerspiegelt.

Ein dickes Album, vollgeklebt mit alten Bildern und Zeitungsausschnitten, die die Geschichte von Möbel Gürtler dokumentieren. Ralf Hönle, der zusammen mit seinem Bruder Christian in der fünften Generation das Unternehmen führt, hat einen für das Haus, aber auch für die Familie wertvollen Schatz. "Gründung bis 1981" ist in schnörkelloser Schrift auf der Vorderseite der Kladde notiert. Im Inneren befinden sich Fotos, eingeklebte Zeitungsausschnitte und frühere Werbeprospekte.

Die Design-Epochen


Das Blättern in der Firmenchronik ist vor allem eine Zeitreise durch die Eopchen des Wohnraumdesigns. Schwere, klobige Schränke aus den 1930er Jahren, dazu passende Sofas, die einige noch aus den Zeiten ihrer Großeltern kennen, die diese als Kanapee bezeichneten. Dann die 50er Jahre, in denen die Barwagen aufkamen, die Schalensessel, aber auch die Dreieckstische. Das bunteste Zeitalter im Wohnraumdesign waren die 1970er Jahre: Knallige Farben bei den Möbeln und große Tapetenmuster zogen in die bürgerlichen Wohnungen und Häuser.

Gediegenheit war später angesagt, massive Schrankwände in dunklem Holz, die obligatorische Eckbank in der Küche: Rustikal, aber auch nostalgisch waren die 1980er Jahre auf jeden Fall. Helleres Holz kam im nächsten Jahrzehnt auf, die Küche durfte durchaus in Pastellfarben und im Landhaus-Stil sein. Was einst als chic galt, war hernach verpönt - doch viele Stile kommen, wenn auch leicht abgeändert, wieder.

Der Gründer


Schreinermeister Leonhard Gürtler, dessen Vater Brunnenmeister in städtischen Diensten war, erwarb laut Firmenchronik des Einrichtungshauses im Jahre 1856 das Haus Georgenstraße 68 am Malteserplatz und startete dort mit seiner Möbelschreinerei. Das Gebäude, das zunächst ein bescheidener Bau war, wurde um zwei Stockwerke erhöht, das Rückgebäude diente als Werkstätte und Holzlager.

Fünf Generationen


Von Leonhard Gürtler übernahm dessen Sohn Martin das Einrichtungshaus. Dieser beschäftigte mehrere Gesellen, darunter Ernst Hönle, der sein Schwiegersohn und Firmennachfolger wurde. Auf Ernst Hönle folgte dessen Sohn Gerhard, der das Unternehmen bis 1994 führte. Mit Ralf und Christian Hönle übernahmen zwei seiner drei Söhne die Firma.

Drei Standorte


Malteserplatz, Neustift und Schlachthausstraße: An drei Standorten war Möbel Gürtler vertreten. Während Gründer Leonhard Gürtler und dessen Sohn Martin ihr Geschäft noch ausschließlich am Malteserplatz hatten, erwarb Ernst Hönle, der 1934 den Betrieb von seinem Schwiegervater übernommen hatte, 1953 das Anwesen Neustift 49 (Zehentstadel) und später weitere Gebäude, so dass sich das Möbelhaus von Neustift 47 bis 51 erstreckte und 4000 Quadratmeter Nutzfläche hatte.

Seit 1972 besaß die Firma ein Grundstück an der Schlachthausstraße. Darauf ließ Ernst Hönles Sohn Gerhard im Jahre 1980 einen Neubau mit 4500 Quadratmeter Ausstellungsfläche und weiteren 1500 Quadratmetern für das Lager sowie einer über 100 Meter langen Schaufensterfront errichten.

Die Zukunft



Die Brüder Ralf (links) und Christian Hönle wollen sich künftig auf den Online-Handel mit Accessoires konzentrieren. Derzeit läuft in ihrem Möbelhaus der Abverkauf des Sortiments. Bild: Steinbacher

Ralf und Christian Hönle, die jetzigen Geschäftsführer von Möbel Gürtler, haben beschlossen, ihr Einrichtungshaus aufzugeben. Doch so richtig endet die 160-jährige Unternehmensgeschichte damit nicht. Denn die beiden geben nur den klassischen Handel auf und konzentrieren sich künftig ganz auf das Online-Geschäft. Unterstützung erfahren sie dabei von ihrem jüngsten Bruder Michael. Konzentrieren will sich die fünfte Generation von Möbel Gürtler dabei auf Accessoires. Momentan sind Ralf und Christian Hönle mit dem Abverkauf des Waren-Sortiments beschäftigt.

Eheversprechen im Mondschein



Pfiffig und witzig: Mit dieser Annonce warb Möbel Gürtler für einen Einkauf im Einrichtungshaus. Repro: Steinbacher

Ein verliebtes Pärchen sitzt auf dem Ast eines Baumes, der Mond strahlt hell aus stockdunkler Nacht. Innig blicken sie einander in die Augen. Man hört sie förmlich säuseln: "Aber eines musst du mir versprechen: Im Möbelhaus Gürtler kaufen wir unsere Möbel." Mit dieser Anzeige warb das Einrichtungshaus um Kundschaft. Unter dem Slogan noch der Hinweis, man sei für das Ehestands-Darlehen zugelassen. Dies war eine familien- und arbeitsmarktpolitische Maßnahme des Deutschen Reiches.

Jungvermählten wurde ein Darlehen für die Beschaffung von Hausrat gewährt. Zur Einrichtung des Heims zählten Gardinen, Betten, Teppiche, Küchengeräte, Öfen, Geschirr, Nähmaschine, Radios und sogar Musikinstrumente zur Hausmusik. Bekleidung zählte jedoch nicht dazu.
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