26-Jähriger gesteht über 30 Autofahrten ohne Erlaubnis
Ohne Führerschein jeden Tag zur Arbeit

Symbolbild: dpa

Wenn jemandem der Führerschein gezwickt wird, kann er sehr schnell in die Zwickmühle kommen. Zumal dann, wenn es um Fahrten zum Arbeitsplatz geht. Vor die Justiz wurde nun einer zitiert, der unverdrossen weiter am Lenkrad saß.

Im Herbst vergangenen Jahres wurde ein 26-Jähriger im Stadtgebiet mit 1,2 Promille von der Polizei gestoppt. Die Beamten, während der Blutentnahme auch noch gewaltsam angegangen, stellten den Führerschein sicher und erstatteten Anzeige zur Staatsanwaltschaft. Ein Vorgang, der bei den Behörden fast schon zur täglichen Routine gehört. Doch was folgte, war eher ungewöhnlich.

15 Kilometer einfach


Ohne Fahrlizenz stand der 26-Jährige vor der Frage: "Wie komme ich täglich zu meiner Arbeitsstelle?" Einen Fahrer hatte er nicht, "Taxi wäre auf die Dauer kostspielig geworden". Also fuhr er unverdrossen weiter. 30 solcher Fälle hielt ihm jetzt Staatsanwältin Christine Apfelbacher vor. Doch tatsächlich dürften es weitaus mehr gewesen sein. Von Amberg aus täglich 15 Kilometer hin und am späten Nachmittag wieder heim.

Abermals spielte dann reiner Zufall mit. Heuer im Januar entschlossen sich Uniformierte zu einer Routineüberprüfung des 26-Jährigen, hielten ihn auf der Hockermühlstraße an und bekamen sofort ein Geständnis. Der Arbeiter gab nicht nur die eben gestoppte illegale Fahrt zu, er räumte auch etliche andere ein. Das wirkte sich am Ende des Prozesses vor der Amtsrichterin Julia Taubmann strafmildernd aus. Auch vor ihr gab der Amberger die täglichen Touren zu und schilderte sehr sachlich seine ihm ausweglos erscheinende Lage.

Jetzt mit dem Fahrrad


"Und was machen Sie jetzt?", fragte die Vorsitzende. Momentan, so erfuhr sie, setzt sich der Mann morgens kurz vor 5 Uhr auf sein Fahrrad und tritt über eine Stunde lang in die Pedale, um pünktlich an seinem Arbeitsplatz zu erscheinen. Am frühen Abend radelt er wieder zurück, also täglich 30 Kilometer. "Da sind Sie ja fast schon ein Profi", ließ die Richterin erkennen und stellte gleichzeitig die Frage, warum er das nicht schon ab dem Zeitpunkt der Führerscheinsicherstellung gemacht habe.

5400 Euro Geldstrafe


Juristisch waren die Dinge etwas schwierig. Die Ahndung wegen der Trunkenheitsfahrt musste ins Urteil einbezogen werden. Für dieses Delikt hatte es per Strafbefehl eine Geldstrafe und eine Führerscheinsperre gegeben. Unter Berücksichtigung dieses Schuldspruchs verhängte Julia Taubmann ein halbes Jahr Entzug der Fahrlizenz und zudem 5400 Euro Geldstrafe. Diese Entscheidung deckte sich weitgehend mit dem Antrag der Staatsanwältin. Rat der Richterin: "Vielleicht sollten Sie an Ihren Arbeitsort umziehen oder sich in Amberg eine Beschäftigung suchen."
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