29-Jähriger verkauft im Internet Holz, das ihm nicht gehört
Betrug im Wald der Fürstin

Er verkaufte Holz aus einem Wald der Fürstin von Thurn und Taxis. Ihre Durchlaucht waren ahnungslos. Ähnlich erging es dem Staatsforst, dessen Baumstämme als Brennholz zu akzeptablen Preisen angeboten wurden. Vor Gericht ergab sich: Reine Abzocke durch einen Gewohnheitsbetrüger.

Amberg/Schwandorf. (hwo) Er lud seine Freunde gerne zum Besuch der Erdinger Therme mit anschließendem Dinner ein. Eigentlich besaß der 29-Jährige keinen Euro. "Aber er wollte den großen Max spielen", sagte jetzt ein medizinischer Sachverständiger vor dem Amberger Schöffengericht. Arm und mittellos, nobler Prahlhans aber gegenüber Kumpels.

Der gebürtige Franke kam in ganz Bayern herum. Wenn er auftauchte, schrillten Alarmglocken bei den Staatsanwaltschaften. Irgendwann ließ er sich in der Oberpfalz nieder. Von Nittenau im Kreis Schwandorf aus orderte er Visitenkarten, bestellte Kugelschreiber (nie bezahlter Preis: 549 Euro) und firmierte ab dann unter seinem Namen als Betrieb für "Forst- und Landschaftspflege."

Rund 100 Fälle


In den Akten stand, dass der wegen rund 100 vollendeter und versuchter Betrügereien vorbestrafte Arbeiter in Sachen "Brennholz" überaus aktiv wurde. Fichte, Buche, Kiefer bot er über Internet an. Das stieß auf Interesse. Aus den Bereichen Amberg, Schwandorf und Cham wurden Offerten abgegeben. Manche orderten Dutzende von sogenannten Raummetern. Einem weiteren Kunden wurde bei Kürn (Kreis Cham) ein angeblich der Fürstin Maria Gloria von Thurn und Taxis gehörender Wald gezeigt. Der Mann hatte die Auswahl beim Einschlag. Auch er ließ sich auf das Geschäft ein und überwies ein paar Tausend Euro. Der Holztransport kam wie in allen anderen Fällen nie an. Der nun reumütig auf der Anklagebank sitzende Betrüger gab nicht nach. Er ließ in Maxhütte-Haidhof eine Wohnung renovieren. Dort traf auch die Lieferung von Fliesen und Sanitärbedarf ein. Zahlen konnte der Auftraggeber nicht. Aus dem Spitalwald bei Steinberg (Kreis Schwandorf) transportierte er 105 Ster Brennholz ab. Das geschah mit einem vorher gebührenpflichtig ausgeliehenen Traktor. Auch in diesen Fällen warten die Geschädigten bis heute auf ihr Geld. "Ich weiß schon, dass ich wieder ganz von vorn anfangen muss", sagte der 29-Jährige vor Richter Markus Sand. "Er will jetzt alles ändern", fügte Verteidiger Christian Vorländer aus München hinzu. Den kannten die Zuhörer. Er hatte über Jahre in den TV-Shows von Richter Alexander Hold mitgewirkt.

Etwa 20 000 Euro


Unter dem Strich ergab sich ein Schaden von rund 20 000 Euro. Alles fort. Ausgeben mit Kumpels oder an Spielautomaten. Momentan sitzt der 29-Jährige eine Freiheitsstrafe in der Bärnauer Justizvollzugsanstalt ab. Schöne Gegend in Oberbayern. Für ihn nicht. Er kann sie allenfalls durch Gitterstäbe hindurch sehen. Gesiebte Luft für längere Zeit.

Weiter hinter Gitter


Der Regensburger Fürstin und allen den anderen Geschädigten kann nun mitgeteilt werden: Für weitere zwei Jahre bleibt der Betrüger hinter Gittern. Zu diesem Urteil kam das Schöffengericht, dessen Vorsitzender die "gewerbsmäßige und professionelle Vorgehensweise" für beachtenswert hielt. Staatsanwältin Christina Altenhofen hatte zwei Jahre und zwei Monate verlangt, Anwalt Christian Vorländer hielt eineinhalb Jahre für ausreichend. In die Ahndung wurden auch Fahrten ohne Führerschein einbezogen. Den hatte er Mann schon längere Zeit nicht mehr.

Interessant am Rande: Ein zwischenzeitlich pensionierter Polizeibeamter aus Burglengenfeld (Kreis Schwandorf) hatte sich dem Betrüger an die Fersen geheftet und akribisch das kriminelle Handeln aufgedeckt. Der Richter lobte ihn dafür.
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