31-Jähriger kann Chips in Tankstelle nicht bezahlen und muss vor Gericht
Und das alles wegen 63 Cent

Die Beute machte etwas mehr als einen halben Euro aus. Dafür gab es sechs Monate Haft auf Bewährung. Wie ist so etwas möglich?

Amberg. (hwo) Der Angeklagte wurde in einer Tankstelle rabiat, als man ihn beim Diebstahl erwischte und wurde aggressiv, als Polizisten seine Identität feststellen wollten. Es ging um zwei Packungen Chips und einen sogenannten Käse-Dip.

Die Cellophanbeutel und den Becher packte ein 31-Jähriger in seinen Rucksack, ging heuer im Januar an die Kasse einer Tankstelle an der Regensburger Straße und legte 5.10 Euro auf den Tisch. "Macht aber 5.73 Euro", hörte er von der Kassiererin. Die Antwort: "Ich habe nicht mehr." Die fehlenden 63 Cent wollte dem Mann keiner schenken und auch nicht leihen. Doch ihm war das weitgehend egal: Er lief zum Ausgang, wurde dort von einem ebenfalls anwesenden Bediensteten der Tankstelle angehalten und ließ sich mit ihm auf ein Gerangel ein. Videoaufnahmen belegten das.

Nur 5,10 Euro dabei


Seltsam, was dann geschah: Der 31-Jährige kramte einen der Chips-Beutel aus seinem Rucksack, warf ihn zurück in Richtung Kasse, nahm die noch immer am Tisch liegenden 5,10 Euro und wollte abermals den Raum verlassen. Da kam dann aber auch schon ein Funkstreifenbesatzung und nahm den Täter fest. Die Beamten registrierten Zweierlei: Der Alkotest erbrachte zwei Promille und es gab keinen Personalausweis, den der 31-jährige Amberger hätte vorweisen können.

Daraufhin folgte der zweite Akt des unliebsamen Intermezzos an einem Sonntagnachmittag: Die Uniformierten brachten den Chips-Dieb zu seiner Wohnung, wollten den dort liegenden Ausweis sehen und wurden sofort in eine Auseinandersetzung verwickelt. Der 31-Jährige warf ihnen mit Wucht eine Tür vor der Nase zu, leistete Widerstand, musste zu Boden gebracht und gefesselt werden.

"Und das alles wegen 63 Cent", bilanzierte jetzt der Schöffengerichtsvorsitzende Markus Sand und wunderte sich. Doch letztlich stand fest: Wer etwas stiehlt und aggressiv wird, wenn ihn jemand an der Flucht hindert, begeht einen räuberischen Diebstahl. "Allerdings ein minderschwerer Fall", wie Staatsanwalt Oliver Wagner zum Ausdruck brachte und sich angesichts von fünf Vorstrafen, die der 31-Jährige mitbrachte, zum Antrag auf acht Monate mit Bewährung durchrang. Auch schon deshalb, weil nun Weihnachtszeit sei "und man an das Gute im Menschen glauben sollte."

Ambulante Alkoholtherapie


Als "über das Ziel hinausgeschossen" bewertete Verteidiger Dr. Günther Schatz die verlangten acht Monate. "Weniger reicht auch aus", empfahl er den Richtern und hatte Erfolg. Es gab ein halbes Jahr mit Bewährung und die Auflage, eine ambulante Alkoholtherapie zu machen. - wegen 63 Cent, dem Gerangel und dem Widerstand gegen Polizeibeamte.
Weitere Beiträge zu den Themen: Landgericht (31)Bewährung (29)Tankstelle (18)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.