45.000 Einwohner aus gutem Grund
Warum es sich lohnt, in Amberg zu leben

Amberg hat jetzt 45 000 Einwohner - aus gutem Grund: Es ist einfach schön, hier zu leben. Eine Geschichte voller Liebenswürdigkeiten

Von Andrea Mußemann, Kristina Sandig, Uli Piehler und Markus Müller

Grund Nummer 1: Weil man von hier aus berühmt werden kann




Die Babs aus Raigering oder der Sepp vom Malteserplatz: Wer Germany's-Next-Topmodel-Gewinnerin (2007) Barbara Meier und den Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spieleerfinder Josef Friedrich Schmidt in der Reihe der berühmten Söhne und Töchter der Stadt hat, tritt gerne eine Olympiasiegerin (Sara Däbritz) an den Landkreis ab. Nicht vergessen werden darf Friedrich V., der eine tragische Figur als Winterkönig abgab. Umso besser die Vorlage, die seine Geschichte für den Plot des Welttheaters auf dem Mariahilfberg liefert. (san)

Grund Nummer 2: Der Berg ruft




Es gibt kaum einen triftigeren Grund für einen Amberger auf den Mariahilfberg zu steigen, als das Bergfest. Einmal im Jahr, immer zu Mariä Heimsuchung Anfang Juli, wird es am Fuße der Wallfahrtskirche gefeiert. Diese Tradition gibt es seit 1634. Das Faszinierende dabei ist: Die Gäste kommen weder wegen der Musik noch wegen anderer Attraktionen, die es ohnehin nicht gibt. Sie pilgern hinauf, um in der Atmosphäre des stillen Waldes einen Gottesdienst am Freialtar zu besuchen und danach Bratwürste mit Kraut, Kas' oder Radi in einem der vielen Zelte der Amberger Brauereien zu essen. Die Mahlzeit lässt sich am besten mit einer Mass Radler hinunterspülen. Das Bergfest vereint Beten und Bier zu einer ganz großen Streicheleinheit für Körper, Geist und Seele. Und es ist nicht nur fest im Jahreskalender der Einwohner verankert. Die Bergfestwoche ist die beste Gelegenheit, ehemalige Amberger zu treffen. Die Bedeutung des Bergfestes verdeutlicht man Menschen aus dem Landkreis am besten mit einem Satz: Des Bergfest is' unsere Kirwa. (roa)

Grund Nummer 3: Die Kultur-Szene


Es ist das unsichtbare Band, das alles zusammenhält: die Kultur. In Amberg lebt die Kreativität. Es werden Bündnisse, Bands, Labels oder Vereine gegründet. Getroffen wird sich bei Vernissagen, Konzerten, in Kneipen, Wirtshäusern, Bars oder Biergärten, dort wo ein "Ruck ma zam" fast schon so viel wie der Schwur ewiger Freundschaft bedeutet.

Amberger mögen insgeheim ihre Verkehrsthemen, denn damit pflegt man die Streitkultur genauso wie man die Fähigkeit zur Ironie des Gegenübers austestet. Was gebetsmühlenartig immer wiederholt werden muss, ist der Satz: "In Amberg ist doch nix los." Aber danach darf jeder weiterfeiern. (roa)

Grund Nummer 4: Unser Stadttheater


Es ist ein Schmuckkästchen im Herzen der Altstadt - das Stadttheater. Die Ausstattung würde gut zum Wiener Opernball passen: Die Theaterbesucher lieben die funkelnden Leuchter im dämmrigen Licht, den Stuck an den Brüstungen der Emporen, die roten Stoff-Tapeten und die Geschichte des Hauses - es diente bis 1803 als Kirche des Franzikanerklosters. Klar, dass nicht wenige auch das dazugehörige Wirtshaus schätzen. Das Casino ist ohnehin Kult-Gaststätte. (upl)

Grund Nummer 5: Das Luftmuseum




"Luftkunstort Amberg" steht auf dem gelben Ortsschild am Eichenforstplatz. Ja, in Amberg weht hin und wieder ein anderer Wind - einer, der Lust macht, etwas Neues auszuprobieren. Eine Orgel zum Beispiel, die Plastiktüten aufbläst, einen fliegenden Teppich oder eine Blubbermaschine. Das Luftmuseum ist mindestens europaweit einzigartig und ein Grund, Amberg lebens- und liebenswert zu finden. Wer sich vom Alltag erholen und ein wenig durchschnaufen will, der holt sich den nötigen Luftzug am besten zwischen den bunten Luftballons im Klösterl. (upl)

Grund Nummer 6: Die Zehn-Minuten-Regel




Egal, wohin man will, theoretisch ist man in zehn Minuten da - ob zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto. Diese Regel macht Amberg unwiderstehlich, denn tatsächlich sind die wichtigsten Anlaufstellen rund um die Altstadt in zehn Minuten zu erreichen. Schon klar, es hängt natürlich vom jeweiligen Standpunkt ab. Und von den Baustellen - aber das ist jetzt wieder ein anderes Thema. (roa)

Grund Nummer 7: Amberger Bier




Wenn das kein Grund ist, gerne hier zu leben: Amberg ist immer noch Bayerns Bier-Stadt Nummer eins. Jeder Amberger kennt die Formel, wonach die Brauerei-Dichte pro Einwohner nirgendwo im Freistaat höher ist. Das gilt immer noch, obwohl in den vergangenen 30 Jahren vier große Braustätten ihren Betrieb einstellen mussten. Sechs Sudhäuser gibt es noch. Und wer durch die Altstadt schlendert, der kann das in allen Straßen und Gassen sehen, riechen und schmecken. Während im Schanzgäßchen der Gabelstapler die Winkler-Kästen in den Lieferwagen hebt, wirft der Schloderer-Bräu in der Rathausstraße einen Blick in den kupfernen Sudkessel. Und zwischen Schrannenplatz und Vilstor macht sich der Duft der Bruckmüller-Maische breit. Klar, dass der Gerstensaft - außer zum Frühstück - zu jeder Tageszeit salonfähig ist.

Bier hat Amberg geprägt und das Leben in der Stadt auch. Daran erinnert übrigens noch bis Sonntag, 4. Dezember, die Ausstellung "Prost Amberger Bier!" mit Steinzeug- und Porzellankrügen aus der Steingutfabrik und Bierflaschen aus der Flaschenhütte im Stadtmuseum. (upl)

Grund Nummer 8: Die wetterfeste Geschichte


Amberg ist eine Stadt, die ihre Historie nicht verleugnet. Alle paar Schritte trifft man darauf. Ob es nun die Stadtmauer ist, das Rathaus, die Fronfeste oder die Stolpersteine. Die stehen dafür, dass man hier auch den Schattenseiten der eigenen Vergangenheit nicht ausweicht. In der finden sich einige heiße Eisen, etwa Josef Filbig (OB von 1933 bis 1945 sowie noch einmal von 1952 bis 1958), dessen Bild inzwischen glücklicherweise nicht mehr im Rathaus hängt. Wer sich noch tiefer in die unbeackerten kritischen Gebiete der Stadtgeschichte wühlen will, hat in Stadt- und Staatsarchiv sowie der Provinzialbibliothek immer kompetente und hilfsbereite Ansprechpartner. Und die verstehen sogar breitestes Oberpfälzisch! Hochdeutsch geht aber auch. (ll)

Grund Nummer 9: Dahoam is dahoam




"Ich wüll scho furt aus Amberg, ...", zitierte mal ein Amberger Musiker in einem Amberger Wirtshaus einen unbekannten Mann, der womöglich auch ein Amberger war. "... aber oumds möcht' i wieder dahoam sei." Und schon ist alles gesagt, was zu sagen ist, über unsere Heimatliebe und Bodenständigkeit, ohne kitschig und aufgesetzt zu wirken wie die Darsteller in einer Vorabend-Soap. (roa)

Grund Nummer 10: Vils als Lebensader


Sie durchzieht die Stadt, war früher die Lebensader von Amberg: die Vils. Ihr und dem Leben am Fluss war die Landesgartenschau gewidmet. Sie entspringt in Kleinschönbrunn bei Freihung, schlängelt sich durch den Landkreis und mitten durch die Stadt.Würden wir ihr folgen, kämen wir mit ihr in die Naab, dann in die Donau und schließlich bis ins Schwarze Meer. Hach, da wollen wir gar nicht hin. Lieber lassen wir uns von unserem Hausfluss treiben - oder besser auf ihm, denn von Mai bis Oktober sind von der Innenstadt bis zum LGS-Gelände die Plätten unterwegs. (san)
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