50-Jährige aus Baden-Württemberg in Amberg verurteilt
Utopische Renditen

Erst arbeitete sie am Ballermann, dann prellte sie Anleger: Eine 50-Jährige aus Baden-Württemberg musste in Amberg vor Gericht. Ein juristischer Kraftakt.

(hwo) Nach zweitägigem Prozess ist eine 50-Jährige aus Baden-Württemberg von der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts zu zwei Jahren Haft mit Bewährung verurteilt worden. Die ehemalige Gastronomiebedienstete vom Ballermann-Strand auf Mallorca war mit dabei, als Geldanleger aus dem gesamten deutschsprachigen Raum um ihre Einlagen gebracht wurden.

15 dicke Leitzordner


Was hatte dieser Prozess mit Amberg zu tun? Eigentlich sehr wenig. Bis auf den Umstand, dass ein über Internet geködertes Ehepaar aus diesem Raum stammte und Anzeige erstattete. Von daher mussten Kripo und Staatsanwaltschaft Amberg das Verfahren übernehmen. Was daraus wurde, war ein sich über Jahre hinziehender Kraftakt. Davon kündeten 15 dicke Leitzordner mit mehreren Tausend Seiten Ermittlungsakten und eine Anklageschrift, in der weit über Hundert Geschädigte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgelistet waren.

Eigentlich hatte die Strafkammer unter Vorsitz von Roswitha Stöber zum Prozessauftakt zwei Angeklagte erwartet. Eine 50-Jährige, die über lange Zeit hinweg in Spanien wohnte und jetzt im Schwarzwald lebt, erschien zur Verhandlung. Der zweite Beschuldigte fehlte. Der 55-Jährige soll sich in Spanien aufhalten, erfuhren die Richter. Gegen ihn beantragte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl.

Was zwei Tage lang zur Debatte stand, waren eher plumpe Täuschungsmanöver. Über Internet hatte man von Spanien aus Geschäfte angeboten, die sich zwar verlockend, aber von der Rendite her schier unglaublich ausnahmen. Für überlassene Gelder, avisiert zur Anlage in Aktien und Fonds, wurden bis zu zwei Prozent Zinsen avisiert. "Nicht jährlich, sondern pro Tag", wie jetzt ein Kriminalbeamter den Richtern erzählte. Anfangs wurden die meist kurzfristig laufenden Einlagen tatsächlich mit solch utopischen Renditen bedacht. Dies führte dazu, dass von hoch erfreuten Kunden postwendend höhere Beträge investiert wurden. Dann aber gab es nichts mehr, wurde die sprudelnde Finanzquelle von den Drahtziehern zum Eigenbedarf benutzt.

Von über 150 000 Euro Schaden ging die Staatsanwaltschaft zum Schluss aus. Tatsächlich dürfte er noch weitaus höher gelegen haben, da etliche der Fälle bereits verjährt waren. Interessant dabei: Viele der Geldgeber hoffen bis heute auf eine Rückzahlung und wollten, von den Behörden ausfindig gemacht, keine Anzeige erstatten.

Geld für Trinksucht


Die Frau auf der Anklagebank räumte ihre Beteiligung umfangreich ein. "Ich habe vielen Menschen geschadet", sagte sie und gab ferner zu, Teile der ergaunerten Gelder für sich und ihre Trunksucht verbraucht zu haben.
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